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Germering:Mit neuem Ehrgeiz

Schach Kreismeisterschaften Stadthalle Germering

Eines der vielen Lokalderbys dieser Meisterschaften: Die beiden Germeringer Martin Gawlik (links) und Lorenz Gauchel bei ihrer Partie der M1 Klasse.

(Foto: Matthias F. Döring)

Der Gröbenzeller Walid Shahin gewinnt die Kreismeisterschaft im Schach

Das gibt es wohl nur in der Sportart Schach. In der siebten und letzten Runde der viertägigen Kreismeisterschaften mit insgesamt 200 Denksportlern in der Stadthalle sitzt ein Elfjähriger einem 81-Jährigen gegenüber. Aurelian Krüger spielt mit Weiß gegen Mirko Cerpnjak, beide treten für den SC Gröbenzell an. Der Schüler aus Eichenau setzt im roten Fußballtrikot des FC Bayern seinen erfahrenen Kontrahenten mächtig unter Druck. Sein bedrohlicher Turmzug auf die Grundlinie von Cerpnjak führt noch nicht zum sofortigen Erfolg, aber sein schon vorhandener Materialvorteil lässt den Youngster, der schon oberbayerischer Meister in der Altersklasse U10 gewesen ist, wenig später triumphieren.

Aurelian Krüger belegte schließlich mit zwei Siegen, vier Unentschieden und nur einer Niederlage Platz 14 in der Meisterklasse zwei (M2) unter 34 Teilnehmern. Die M2 ist der zweithöchste Wettbewerb bei den Kreismeisterschaften. Krüger ist eines der größten Schachtalente im Landkreis und wäre sicherlich in der Jugendklasse U12 vorne gelandet, aber der Reiz bei den Erwachsenen mitzuspielen war größer. Ebenfalls mit sechs Jahren wie Aurelian Krüger begann Walid Shahin seine Schachkarriere, damals noch in Leipzig, wo er aufgewachsen ist. Shahin, der seit zwei Jahren in Gröbenzell wohnt und für den SCG startet, gewann in Germering souverän die Kreismeisterschaft in der Meisterschaftsklasse 1 (M1), die Krone der Titelkämpfe. In der siebten und letzten Partie hätte dem 33-jährigen gelernten Bankkaufmann, der bei einer Bausparkasse arbeitet, ein Remis gereicht, doch mit den weißen Figuren machte er in nur 18 Zügen kurzen Prozesse mit seinem 15-jährigen Gegner Laurin Stegert vom SC Ammersee. Es ging auch um neues Selbstvertrauen, das sich Shahin erspielen wollte, nachdem "2019 ein schlechtes Schachjahr" gewesen war. Mit fünf Siegen und zwei Remispartien klappte dieses Vorhaben. Damit lag er deutlich vor Ex-Meister Thomas Lochte (SK Weilheim) und Ulrich Johann Fössmeier (SC Gröbenzell).

Die letzte Partie endete für Lorenz Gauchel vom Schachclub Germering in der M1 Remis. "Platz zwölf ist okay", kommentierte der 19-jährige Jurastudent im dritten Semester sein Abschneiden. Gauchel spielte schon als 14-Jähriger in der M1 mit und galt als große Germeringer Schachhoffnung. Doch der Durchbruch gelang ihm nicht. "Schach ist mein Hobby", meinte Gauchel, "der Schwerpunkt ist mein Studium." Da bleiben nur noch zwei, drei Stunden Training in der Woche fürs Hobby, zu wenig, um für Turniersiege in Frage zu kommen. Der Schachklub Germering, der hervorragend organisierte Meisterschaften bereitstellte, feierte keine Triumphe, aber trotzdem zeigte sich Germerings Jugendleiter und Trainer Marc Marian, 49, zufrieden. Platz acht für Erik Deues, 60, in der M1 bezeichnete er als "ehrenvoll". Fünf Trainer im Verein kümmern sich um den Nachwuchs. 18 Jugendliche aus dem Verein haben teilgenommen. "Wir wollen unsere Kinder und Jugendlichen gezielt ans Wettkampfschach heranführen", bekräftigte Marian, der aus einer Germeringer Schachfamilie kommt und sich seit 35 Jahren im Klub engagiert. Germering stellt mit hundert Mitgliedern den größten Schachklub im Landkreis. Manchmal betreibt Marian auch "Sozialarbeit", wie er erläuterte oder muss am letzten Meisterschaftstag noch einen sich verspätenden Zwölfjährigen von Zuhause abholen. Beim Schachclub Eichenau spielen nur wenige Jugendliche. Dafür überzeugten in Germering die Arrivierten, wie Piotr Krawczak, 58, als Sieger im Hauptturnier und Erna Griebenow, 73, als Gewinnerin bei den Frauen. Kreismeister Walid Shahin scheint neuer Ehrgeiz gepackt zu haben. Er spielt mit der Gröbenzeller Mannschaft in der Landesliga. Dort agiert er an den hinteren Brettern sieben oder acht. Da könnte er sich bald weiter nach vorne arbeiten.