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Germering:Mit anderen und mit eigenen Augen sehen

Bei der Ausstellung von Ateliergruppe 27, Malschule und Werktagen gibt es viel zu entdecken

Von Nadine Schrödl, Germering

GermeringAn jeder Ecke, hinter jeder Tür gibt es ein anderes Kunstwerk zu entdecken. In den vielen kleinen Räume des alten Gebäudes der ehemaligen Kaserne sind die Wände mit Gemälden und andere Kunstobjekten behängt. Neben Bildern, Figuren und Skulpturen wird auch ein sechsminütiger Film von Vera Greif über und mit blinden Personen gezeigt. Die bunt gestalteten Brillen der Kinder der Malschule Germering sind das Erste, was einem beim Betreten des Gebäudes ins Auge sticht. Die mit Alltagsgegenständen wie Reißnägeln oder Strohhalmen verzierten Brillen sind passend zum Titel der Ausstellung gestaltet: "Mit anderen Augen sehen".

Unter diesem Motto stellen die Ateliergruppe 27, die Malschule Germering und die Bildhauern der Werktage gemeinsam aus. Weiter den Flur hinunter bringt Margherita Moroder, Leiterin der Malschule Germering weitere Kunstwerke der Kinder an. Die meisten haben ihre Kunstwerke, viele davon Acrylmalereien, bereits aufgehängt oder aufgestellt. Für den letzten Feinschliff wird noch einmal Anke Whitehead, die Organisatorin der Kunstausstellung und zweite Vorsitzende der Ateliergruppe 27, um Rat gefragt. Die letzten Gemäldebeschriftungen werden angebracht, dann sind die Künstlerinnen und Künstler bereit, ihre Kunst den Besuchern zu präsentieren.

Die Ausstellung der Ateliergruppe zeigt hauptsächlich Bilder. Juditha Grundhoff und Bärbl Auer dagegen stellen Kunstwerke aus Keramik und aus mit Grafit und Acryl bearbeiteter Pappe und Plastilin aus. Die geometrischen Formen von Grundhoff erinnern an übergroße Schmuckstücke. Durch die Bearbeitung mit Farbe wirken die zwanzig Zentimeter großen Stücke wie aus Eisen gegossen. Die gelernte Goldschmiedin erklärt, ihre Figuren könnten auch in geringerer Größe als Kettenanhänger gefertigt werden.

Die Keramikskulptur "Mehr Weitsicht" von Bärbl Auer ist ein kritischer Blick auf den Alpentourismus. An der nach oben schmal zulaufenden Säule, die den Berg symbolisiert, klettern kleine Modellbaufiguren entlang. Auf der kleinen Plattform oben ist es so voll, dass einige der Figürchen herunterfallen. Auer kommt aus dem Allgäu und berichtet, sie beobachte, wie immer mehr Menschen unvorbereitet "auf den Berg kraxeln und dann in Not geraten und gerettet werden müssen".

Einen Raum weiter befassen sich Günther Zeides Bilder mit dem Verhalten der Menschen während der Pandemie. Zwei seiner Bilder stehen im Kontrast zueinander. Während das eine vier Köpfe nah beieinander zeigt, ist auf dem anderen nur ein einzelnes isoliertes Gesicht zu sehen. Die Mischtechnik von digitalem Druck und Malerei drückt vor allem die seelischen Qualen in der einsamen Zeit des Lockdowns aus. Entstanden sind die Bilder erst in den letzten Wochen bis Tagen. Trotz der vielen Zeit sei es ihm schwer gefallen, sich der Kunst zu widmen. "Ich war wie blockiert und konnte die Zeit des Lockdowns gar nicht nutzen", sagt Zeides.

Viele Aussteller sind schon lange Mitglieder in der Ateliergruppe 27. Für alle sei es eine schöne Möglichkeit ihre Kunst der Öffentlichkeit zu präsentieren, sagt Whitehead. Die Ausstellungstage machten viel Spaß und wenn man die Chance erhalte, seine Werke auszustellen, sei das sehr schön. "Die alten Räumlichkeiten schaffen zusätzlich eine sehr schöne Atmosphäre", sagt die Organisatorin.

12. Germeringer Werktage + Kunstforum WiFo,17. Juli bis 25. Juli täglich von 14 bis 18 Uhr, außer montags auf dem WiFo Gelände am südlichen Ende der Otto-Wagner-Straße/Ecke Kreuzlinger Straße.

© SZ vom 16.07.2021
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