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Kinderbetreuung:Es mangelt an Männern

Tagesmütter mit Kindern

Vor allem für die Buben sind männliche Bezugspersonen in der Tagesbetreuung wichtig, sagt die Leitern des Dienstes.

(Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa)

Seit 40 Jahren gibt es die Germeringer Tagesmütter. Die Bezahlung ist gut, doch Väter scheinen sich von dem Job nicht angesprochen zu fühlen.

Von Karl-Wilhelm Götte, Germering

Es bedurfte eines Anstoßes durch die Zeitschrift "Brigitte" im Jahre 1973. Die berichtete über Tagesmütter in Schweden. 1975 führte dann die Bundesrepublik ein Modellprojekt "Tagesmütter" ein und Germering war bei den elf auserwählten deutschen Städten und Gemeinden dabei. So kommt der Germeringer Sozialdienst, der den Tageselternservice landkreisweit organisiert, auf 40 Jahre Tagesmütter. Tagesväter sind sehr selten, jedoch dringend erwünscht.

Das Modellprojekt lief bis 1979. Danach hat es der Germeringer Sozialdienst für die Stadt weitergeführt. Seit 2000 ist er im Auftrag des Brucker Jugendamtes für den "Tageselternservice", so der damalige neue Name, für den gesamten Landkreis zuständig. "Tageseltern bieten die Chance, auf bestimmte Bedürfnisse der Eltern einzugehen", erläutert Eike Höppner, im Stadtrat als Referentin auch zuständig für die Krippenkinder. "Sie sind flexibler als die Kinderkrippen."

Alternative zur Kinderkrippe

Bis die nach der Jahrtausendwende bald massenhaft kamen, hätten die Tagesmütter für die Kleinkinderbetreuung vollkommen ausgereicht. So gab es bis 2002 im Kinderhaus Jonathan nur eine einzige Krippengruppe. Jetzt gibt es allein in Germering 420 Krippenplätze für tausend Kinder bis drei Jahre. Demnächst sogar 490. Dazu sind landkreisweit 41 Tagesmütter tätig, der zukünftige Bedarf liege bei 90, so Höppner.

Tageseltern können Interessierte werden, wenn sie die vom Landkreis vorgeschriebene 160-stündige Ausbildung absolviert haben. Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und Sozialpädagogen bekommen die Pflegeerlaubnis für bis zu fünf Kinder ohne zusätzliche Qualifikation. Grundschullehrerinnen kurioserweise aber nicht. 15 Stunden Fortbildung pro Jahr sind ebenfalls obligatorisch.

Traudl Karg, von 1980 bis 1989 eine der ersten Tagesmütter in Germering, konnte die Kinder noch ohne eine Ausbildung betreuen. Heute arbeitet sie als Kinderpflegerin in einer Tagesstätte. Karg schwärmt immer noch von ihren Zeiten als Tagesmutter. "Als Mutter würde ich mein Kind auch heute noch zu einer Tagesmutter bringen", sagt Karg, "da ist die Betreuung individueller ."

Alle fünf Jahre wird die Pflegeerlaubnis überprüft

2005 wurde die Kindertagespflege bundesweit alternativ zur Krippenbetreuung aufgewertet und dieser gleichgestellt. Die Bedingungen für eine Pflegeerlaubnis wurden gleichzeitig verschärft. Bis dahin musste diese erst ab dem vierten Kind beantragt, seit 2005 eine Ausbildung vor der Aufnahme des ersten Kindes absolviert werden. Die Anforderungen an Tageseltern wuchsen gewaltig, die Bezahlung hinkte jedoch den Ansprüchen des Staates hinterher.

Einen Qualitätssprung bei der Bezahlung gab es erst 2013, als der Landkreis das Honorar von 368 Euro monatlich pro Kind bei 40 Wochenstunden Betreuung auf 723 Euro erhöhte. Zudem werden seitdem Zuschüsse zur Unfall- und Sozialversicherung der Tageseltern, sowie ein Qualifizierungszuschlag von 20 Prozent gezahlt.

"Väter sind sehr erwünscht"

Somit kann das Tageselterndasein seit 2013 auch finanziell attraktiv sein. Trotzdem sind Martina Pfahl, die Leiterin des Tageselternservice und ihre Mitarbeiterin Jutta Dübell ständig auf der Suche nach Tageseltern. "Der nächste Kurs ist noch nicht voll", erzählt Pfahl. Der Begriff Tageseltern soll auch Männer ansprechen, aber die sind immer noch die absolute Ausnahme, so dass sich der Begriff inhaltlich auf Tagesmütter reduziert.

"Väter sind sehr erwünscht", fordert Pfahl nachdrücklich auf, dass sich auch Männer bewerben. Väter würden anders mit den Kindern spielen. "Besonders für die Jungen wäre das männliche Element sehr wichtig."

© SZ vom 16.10.2015/ecs
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