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Germering:Konkurrenz in Freiham

Unterricht am Tag der offenen Tür: Lehrerin Antje Kirchner gibt eine Stunde Betriebswirtschaftslehre.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Holger Wirth, Leiter der Fachoberschule, wirbt um Schülerinnen und Schüler

Die Fachoberschule (FOS) Germering besteht seit 2017. Etwa 250 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule, an der man das Fachabitur und auch das allgemeine Abitur ablegen kann. Schulleiter Holger Wirth wirbt am Tag der offenen Tür und dem anschließenden Informationsabend um mehr Schüler. "Platz haben wir für 400 Schüler", bekräftigt er im Gespräch mit der SZ. Doch es gibt unerwartete Konkurrenz für die Germeringer FOS im neuen Wohngebiet in München-Freiham. In Freiham sind große Schulgebäude entstanden, die Schüler für eine Realschule und ein Gymnasium aufnehmen.

Im Jahr 2030 soll das Wohngebiet mit etwa 25 000 Menschen gefüllt sein. Doch seit September 2019 sind die Schulen geöffnet, aber zunächst nur fünfte Klassen eingeschult worden, so dass noch viel Platz ist. So wurde kurzfristig die FOS München-Nord von Freimann nach Freiham ausgelagert, bis ein neuer Schulkomplex im Münchner Norden gebaut wird. "Die FOS München-Nord wird noch viereinhalb Jahre in Freiham residieren", sagt Wirth. Erfreut ist der Germeringer Schulleiter über diese nahe Konkurrenz mit 560 Schülern keineswegs. Für Schüler aus Neugermering ist der Weg nach Freiham sogar kürzer als zur FOS Germering.

"In Freiham fallen die Schüler aus der S-Bahn in die Schule", beschreibt Wirth den Standortnachteil seiner Schule am Masurenweg in Unterpfaffenhofen. Dort ist es, laut Wirth, für die Schüler offenbar ein Problem, dass sie einen zehnminütigen Fußweg vom Germeringer S-Bahnhof zur Schule absolvieren müssen. "Wir haben jetzt unseren Schulunterricht an die Busfahrzeit angepasst", sagt Wirth, der seit September 2019 auch für die FOS München-West an der Bergsonstraße zuständig ist. Der Unterricht in Germering endet um 13.15 Uhr und fünf Minuten später fährt der Bus zur S-Bahn. Schulleiter Wirth hofft im kommenden September auf die Einrichtung des Technikzweiges in Germering. 2019 kam der nicht zustande, weil es nur 37 Anmeldungen gegeben hatte.

Die Anmeldungen für den FOS-Start im Herbst erfolgen von 2. bis 13. März. So ist das Programm am Tag der offenen Tür in Germering für die Hundertschaft interessierter Schüler perfekt durchgeplant worden. Sie hatten die Möglichkeit "Schnupperunterricht" in allen Fächern mitzuerleben und in einer Podiumsdiskussion zu verfolgen, welchen Weg ehemalige Schülerinnen nach dem FOS-Abschluss eingeschlagen haben. So hat Nadine Strebl aus Gilching, die von der Realschule an die FOS kam und 2019 zum ersten Abschlussjahrgang in Germering gehörte, danach eine Ausbildung als Automobilkauffrau begonnen. In der Berufsschule tut sie sich jetzt leichter, weil sie ihr FOS-Wissen aus ihren Schwerpunkten Wirtschaft und Verwaltung noch parat hat. Franziska Rappat wechselte nach der zehnten Klasse am Gymnasium an die FOS in Fürstenfeldbruck. "Im Gymnasium kam ich an meine Grenze", erzählte sie, "der Wechsel an die FOS war ideal gewesen." Nach einer Ausbildung zur Immobilienkauffrau hat Rappat nun das Studium "Energieeffizientes Planen und Bauen" an der Hochschule Augsburg begonnen.

Diese Beispiele zeigten die Durchlässigkeit des bayerischen Schulsystems, sagt Konrad Maurer bei der Podiumsdiskussion, die vom FOS-Lehrer Benedikt Plöckl geleitet wurde. Maurer saß als ehemaliger zuständiger Ministerialbeauftragter für diese Schulart auf dem Podium. Er verwies die anwesenden Interessenten auch auf die Vorklasse, die eingerichtet wurde, um das Wissen der Absolventen unterschiedlicher Schularten vor dem eigentlichen Beginn des Schulbesuchs zu vereinheitlichen. Maurers Appell an die Eltern: "Macht Euren Kindern in Sachen Übertritt zum Gymnasium keinen Stress in der vierten Klasse Grundschule." Gerade die FOS und auch die Berufsoberschule, die man nach einer abgeschlossenen Ausbildung besuchen kann, um das Abitur zu erwerben, seien eine Erfolgsgeschichte und ließen Spätzündern unter den Jugendlichen alle Chancen, einen Berufsweg zu finden.

Mehr als 50 000 Schüler haben alle FOS/BOS-Schulen in Bayern. Maurer warb auch für die FOS-Germering: "Je kleiner die Schule, desto mehr ist der einzelne Schüler wert." Dafür gab es Beifall der jetzigen FOS-Schüler. Doch auch in Germering beträgt laut Wirth die Abbrecherquote nach der halbjährigen Probezeit 20 bis 25 Prozent. Pia Hetzel, Studienberaterin an der Hochschule München, nahm den FOS-Absolventen charmant die Scheu vor einem Studium: "Kommen sie einfach vorbei und setzen sie sich in die eine oder andere Vorlesung."

© SZ vom 23.01.2020
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