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Germering:Kaserne soll Freizeitgelände werden

Ehemaliges Kasernengelände und Kasernengebäude Germering

Aus der Zeit des Nationalsozialismus stammen die Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Pionierkaserne in Germering.

(Foto: Matthais F. Döring)

Germering will die Gebäude und Flächen am Südende der Otto-Wagner-Straße für sportliche und künstlerische Betätigung nutzen. Architekten sollen sich nun Gedanken machen, wie das Vorhaben umgesetzt werden kann

Das Gelände der ehemaligen Pionierkaserne soll der Germeringer Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Die Stadt möchte dort Flächen für Spiel und Spaß schaffen und die bestehenden Gebäude so herrichten, dass sie Musikern und bildenden Künstlern als Ateliers und Probenräume dienen können. Platz finden soll auch ein Bürgerhaus mit Veranstaltungsräumen und einem Café sowie ein Gründerzentrum für Startups aus der Kreativwirtschaft. Das Germeringer Architekturbüro "Akfu" ist mit den Vorbereitungen für einen Realisierungswettbewerb beauftragt worden.

Das Gelände der ehemaligen Pionierkaserne liegt am Ende der Otto-Wagner-Straße auf der Südseite der Autobahntrasse. Genutzt wird es momentan lediglich von Künstlern, die dort meist an Skulpturen arbeiten. Wenn Steine behauen und geschliffen oder Kettensägen angeworfen werden, wird es laut. Ansonsten ist es recht still geworden auf dem Gelände, das ursprünglich der Aufrüstung der Wehrmacht gedient hatte. Die Hitler-Regierung siedelte dort eine Forschungsanstalt an, die sich mit Flugbenzin befasste, die Wifo. Im südlich gelegenen Waldgebiet wurden Benzintanks im Boden vergraben. Später wurde das Areal von der amerikanischen Armee und der Bundeswehr genutzt. Anfang der Neunzigerjahre waren dort Asylbewerber untergebracht. Nun möchte die Stadt dort etwas Schönes haben, wie Stadtbaurat Jürgen Thum sagt.

Erreicht werden soll dies dadurch, dass die Germeringer auf dem Gelände ihre Freizeit verbringen können, egal ob sie das auf sportliche oder auf künstlerische Art tun möchten. Die Sportler sollen einen ganzjährig benutzbaren Tartanplatz bekommen, auf dem Fußball, Basketball oder Tennis gespielt werden kann. Zudem ist an eine Freispielwiese gedacht, ebenso an Trainingsplätze und eine mehrfach nutzbare Halle.

Für bildende Künstler sind Atelier- und Ausstellungsräume vorgesehen, für Musiker Probenräume. Zudem sollen Künstler auch auf Freiflächen arbeiten und ausstellen können. Zwischendurch können Besucher in einem Bürgerhaus Kaffee trinken oder sich unterhalten. Und trotz der Haupteigenschaft als Freizeitareal soll in der "Kulturkaserne" auch beruflich gearbeitet werden: zehn bis 15 Arbeitsplätze für Gründer im Bereich der Kreativwirtschaft sollen eingerichtet werden.

Insgesamt fünf Häuser stehen auf dem ehemaligen Militärgelände, das seit Jahresbeginn in Gänze zum Stadtgebiet Germering gehört. Einen Teil des Areals hat die Stadt von der benachbarten Gemeinde Krailling durch einen Gebietstausch erworben. Die Gebäude sollen nicht abgerissen, sondern umgebaut und für die angegebenen Zwecke genutzt werden. Erhalten will die Stadt auch die Freiflächen. Die vorhandenen Biotope werden durch die Planung nicht berührt. Auch der Baumbestand soll erhalten bleiben. Wie all dies mit den vielen Nutzungen verbunden werden kann, dies soll ein Architektenwettbewerb zeigen.

Als Architektin Sandra Urbaniak vom Büro "Akfu" mit Stadträten das Raumprogramm durchging, äußerten einige von ihnen Wünsche für die künftige Nutzung. Tinka Rausch (SPD) betonte die Bedeutung des Vorhabens gerade für die bildenden Künstler. Deren Anliegen seien bei der Planung der Stadthalle weniger berücksichtigt worden, sagte sie. Umso mehr solle dies für die Gestaltung der Kulturkaserne gelten. Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) bekräftigte dieses Anliegen. Die Künstler benötigten nicht nur Ateliers, sondern auch Ausstellungsflächen, sagte er. Andere Stadträte betonten die Notwendigkeit von Stauräumen, beispielsweise für die probenden Orchester, wie Robert Baumgartner sagte. Der SPD-Stadtrat ist Mitglied der Stadtkapelle. Gabriele Off-Nesselhauf (CSU), selbst in der Wifo-Siedlung aufgewachsen, regte an, eines der Gebäude für die heimatkundliche Sammlung zu nutzen. Außerdem sollte an die Geschichte der Wifo und deren Bedeutung für die Entwicklung von Germering hingewiesen werden.