SterbebegleitungLaufend im Einsatz für Sterbende

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Im Hospiz Germering gibt es zehn Zimmer für zehn Gäste, die  von insgesamt 30 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut werden.
Im Hospiz Germering gibt es zehn Zimmer für zehn Gäste, die  von insgesamt 30 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut werden. Johannes Simon
  • Das Hospiz Germering betreut seit vier Jahren zehn todkranke Gäste mit 30 hauptamtlichen Mitarbeitern und benötigt jährlich 110 000 Euro Spenden.
  • Profiläuferin Anja Kobs sammelt regelmäßig Geld für das Hospiz und erzielte beim jüngsten Charity-Lauf am Germeringer See 3450 Euro.
  • 30 ehrenamtliche Hospizbegleiter unterstützen das hauptamtliche Personal, während die Spendenbereitschaft der Menschen abnimmt.
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Das Hospiz Germering begleitet Todkranke und ihre Familien mit professioneller Fürsorge. Doch der Etat ist knapp.  Was an Geld fehlt, bringt Profiläuferin Anja Kobs mit Benefizveranstaltungen zusammen.

Von Karl-Wilhelm Götte, Germering

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Das Innere des Gebäudes erstrahlt wohltuend hell, ist lichtdurchflutet. Gerne verweilt man im Foyer am Springbrunnen. Aber so einladend das Haus auch ist – es ist ein Haus, in dem gestorben wird. Nach Tagen, Wochen oder seltener erst nach Monaten. Seit vier Jahren gibt es das Hospiz Germering an zentraler Stelle in der Stadt. Der Betrieb kostet eine Menge Geld. Finanziert wird das jährliche Budget von gut zwei Millionen Euro vor allem durch die Kranken- und Pflegekassen, die etwa 95 Prozent der Kosten übernehmen. Die restlichen fünf Prozent, etwa 110 000 Euro, müssen durch Spenden in die Kasse kommen. Das ist nicht immer einfach, aber es gibt emsige Spendensammlerinnen und -sammler. Eine davon ist die Sportlerin Anja Kobs.

Die Läuferin aus Alling ist dem Hospiz von Beginn an verbunden. Sie lebt nach dem bedenkenswerten Motto: „Lieber scheitern als bereuen.“ So packt sie auch manchmal Unmögliches an. Kobs wird mit Mitte 40 eine erfolgreiche Profiläuferin und absolviert einen stundenlangen Berglauf mit Tausenden von Höhenmetern, lässt reihenweise jüngere Konkurrentinnen hinter sich, qualifiziert sich für die deutsche Nationalmannschaft der Bergläuferinnen und nimmt erfolgreich an einer Weltmeisterschaft teil. Sie ist mittlerweile 49 Jahre alt, hat einen Gang zurückgeschaltet, läuft aber immer noch erfolgreich einen halben oder ganzen Marathon. Da sind die von ihr initiierten Benefizveranstaltungen, zunächst für die ambulante Palliativstation in Fürstenfeldbruck und dann für das Hospiz in Germering, ebenfalls anstrengend, gehen allerdings nicht an ihre körperlichen Grenzen.

Läuferin Anja Kobs aus Alling ist dem 2022 eröffneten Hospiz von Beginn an verbunden.
Läuferin Anja Kobs aus Alling ist dem 2022 eröffneten Hospiz von Beginn an verbunden. Jana Islinger

Kürzlich sammelte Kobs wieder Geld für das Hospiz. Beim Charity-Lauf am Germeringer See kamen 3450 Euro zusammen. Angepeilt hatte sie vorsichtig 1500 Euro. Auch der neu gewählte Germeringer Oberbürgermeister Daniel Liebetruth (SPD) lief mit durch den Wald am Parsberg. „Anja Kobs ist sagenhaft“, schwärmt Hospiz-Geschäftsführerin Sina Muscholl geradezu. „Sie zeigt einen unfassbaren Einsatz.“ Kobs ist ausgebildete Hospizbegleiterin, eine ehrenamtliche Tätigkeit, die das hauptamtliche Personal unterstützt und entlastet. 30 Personen sind zurzeit über den Germeringer Hospizverein für die Einrichtung ehrenamtlich tätig. „Sie helfen überall“, erzählt Muscholl. „In der Küche, im Garten oder erledigen hausmeisterliche Tätigkeiten.“ Wie erwartet dominieren die Frauen unter den Ehrenamtlichen, „aber es sind auch vier Männer dabei“, so Muscholl nach einem Blick auf die Liste.

Die Hospizbegleiterinnen wechseln sich vormittags und nachmittags nach jeweils drei Stunden ab. „Das sind die Zeitschenker“, sagt Muscholl, für die „Gäste“, wie die Hospizbewohnerinnen und -bewohner genannt werden. Zehn Plätze, zehn Zimmer stehen in Germering für sie zur stationären Sterbebegleitung zur Verfügung. Sie werden von insgesamt 30 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut. Es geht immer um eine ganzheitliche, liebevolle Begleitung am Lebensende. Die durchschnittliche Verweildauer der Gäste beträgt laut Muscholl statistisch erfasst 34 Tage. „Natürlich gibt es Schwankungen“, so die Geschäftsführerin. „Neulich starb jemand am Tag nach dem Ankommen; am längsten war jemand ein Jahr lang hier, aber das ist die absolute Ausnahme.“

Der Bau des Hospiz Germering und das benachbarte Frauenhaus wurden durch die Max-und-Gabriele-Strobl-Stiftung finanziert. Die Hospiz Germering gGmbH, ein Zusammenschluss aus Landkreis, Stadt und dem Hospizverein Germering, trägt das Haus. Der im Jahr 2000 gegründete Hospizverein arbeitete mit seinem langjährigen Vorsitzenden Peter Braun, dem ehemaligen Germeringer Oberbürgermeister, auf ein stationäres Hospiz hin, das dann endlich 2022 Wirklichkeit wurde.

Es kommt auch vor, dass die etwa 110 000 Euro an Spenden nicht hereinkommen, dann kommt die Max-und-Gabriele-Strobl-Stiftung für das Minus auf. „Im vergangenen Jahr haben wir unser Spendenziel geschafft“, berichtet Sina Muscholl. Aber es werde immer schwieriger. Von den Angehörigen der Verstorbenen, die auch die Trauergemeinde um eine Spende bitten, kämen etwa 40 Prozent zusammen. Firmen, andere Stiftungen oder Privatpersonen spendeten ebenfalls. „Man merkt aber auch“, sagt Muscholl, „dass die Menschen nicht mehr bereit oder in der Lage sind, Geld zu spenden.“

Da kommen dann Vorbilder wie Anja Kobs ins Spiel. Rund 60 Läuferinnen und Läufer waren beim Benefizlauf zugunsten des Hospiz Germering dabei. „Vor Ort sowie teilweise auch virtuell“, wie sie erzählt. „Die Veranstaltung war bewusst unkompliziert und niedrigschwellig gehalten: eine gemeinsame Runde ohne Zeitdruck und ohne Leistungsdruck. Im Mittelpunkt standen das Miteinander und die Unterstützung eines wichtigen sozialen Projekts.“ Initiatorin Anja Kobs bringt das Wichtigste auf den Punkt: „Es braucht nicht viel, um etwas zu bewegen. Einfach Menschen, die zusammenkommen und etwas Gutes tun.“

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