Germering Heftige Kritik an Einbahnstraßenregelung

Eine Straße mit Vorfahrt für die Radler soll die Südendstraße (Blick in Richtung Osten) in Germering werden. Von einer solchen Veränderung erhoffen sich die Stadtpolitiker, dass mehr Germeringer vom Auto aufs Fahrrad umsteigen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Anlieger der Südendstraße in Germering wollen eine Einschränkung der Fahrtrichtungen vor ihren Häusern nicht hinnehmen. Für das Projekt einer Radwegeverbindung quer durch die Stadt ist das ein Hindernis

Von Andreas Ostermeier, Germering

Die Vorschläge für Einbahnstraßenregelungen in der Südendstraße in Germering stoßen auf Unmut bei den Anliegern. Diese kritisieren, dass sie in einem solchen Fall gezwungen würden, Umwege zu fahren, um ihre Garagen zu erreichen oder zu bislang nahen Zielen in der Innenstadt zu gelangen. Hintergrund der Vorschläge zu Einbahnstraßenregelungen in der Südendstraße ist die Idee, aus der von West nach Ost führenden Verbindung Frühlingstraße bis Eisenbahnstraße eine Fahrradstraße zu machen.

Für Radler sind die Einbahnstraßenregelungen folgenlos, sie dürfen auch gegen die Fahrtrichtung unterwegs sein.

Mithilfe von gegenläufigen Einbahnstraßenregelungen zwischen der Zufahrt zum Parkplatz nahe dem Bahnhof und der Streiflacher Straße soll verhindert werden, dass die Südendstraße zum Schleichweg wird. Bislang gelten dort neben Tempo 30 Rechts-vor-links-Regelungen. Dennoch wird die Straße nach Auskunft von Fachplaner Martin Häckel von Autofahrern genutzt, um die Ampeln am Kleinen Stachus zu umgehen, und beispielsweise von der Hart- in die Untere Bahnhofstraße zu gelangen. Eine Fahrradstraße könnte diesen Umweg noch attraktiver machen, denn die geltenden Rechts-vor-links-Regelungen sollten aufgehoben werden, damit die Radler Vorfahrt haben. Das hätte zur Folge, dass der Verkehr auf der Südendstraße im gesamten Verlauf vorfahrtsberechtigt wäre. Zwar dürften auch in einer Fahrradstraße Autofahrer nicht schneller als Tempo 30 fahren, doch Häckel befürchtet, dass ein Anwachsen des Schleichverkehrs die Radler an die Seite drängen würde. Das aber wäre verkehrte Welt in einer Fahrradstraße, die doch dafür da ist, dass die Radfahrer das Verkehrsgeschehen bestimmen und sich sicher fühlen können.

In der Südendstraße könne man auch schon bisher gut radeln, hieß es vonseiten der Anlieger. Sie äußerten am Montagabend in der Stadthalle ihre Kritik. Anlass war die Vorstellung der Ergebnisse von Planungswerkstätten. In denen hatten sich über mehrere Monate Fachleute und Einwohner mit den Bedingungen für eine Fahrradstraße quer durchs Stadtgebiet befasst. Zweiter Bürgermeister Wolfgang Andre (CSU) warb für die Bevorzugung des Radverkehrs. Der Stadtrat müsse sich Gedanken über eine Förderung der Radler machen, schließlich gelte es, den Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren. Dafür gab es auch Verständnis. So stieß beispielsweise eine Reduzierung von Parkplätzen auf wenig Widerrede. Doch die Vorschläge für gegenläufige Einbahnstraßen erregten die Gemüter.

Im Vergleich zur Südendstraße versammelten sich an den Tischen mit den Entwürfen für die anderen Abschnitte einer Fahrradstraße nur wenige Besucher. Auch von den Zetteln, auf denen Kritik und Anregungen aufgeschrieben werden konnten, fanden sich dort nur wenige. Dabei sind die Planungsvorschläge für den Westen des Stadtgebiets noch wenig konkret. Zwei Varianten werden vorgeschlagen. Die eine sieht die Frühlingstraße in deren gesamter Länge als Fahrradstraße vor, die andere besteht aus einem in beide Richtungen offenen Fahrradweg entlang der Kleinfeldstraße. Erst am Volksfestplatz soll dieser Radweg dann nach Norden und in die Frühlingstraße führen. Nur wenige Diskussionen entzündeten sich auch am Entwurf einer Fahrradstraße nördlich der Landsberger Straße, obwohl dort etliche Veränderungen für Autofahrer vorgeschlagen werden. So soll es nicht mehr möglich sein, von der Oberen Bahnhofstraße aus gerade in den Weg südlich der Landsberger Straße und den Bahnhofplatz einfahren zu können.

Zum Knackpunkt für das Projekt einer südlich der Bahntrasse verlaufenden Fahrradstraße wird wohl die Südendstraße. An die 120 Unterschriften haben Anlieger gesammelt, um die Veränderung ihrer Wohnstraße zu verhindern. Die Unterschriften liegen den Stadträten vor.