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Hagelschäden:Schlange stehen für die Schadensbeseitigung

Dellen von unterschiedlicher Größe und Tiefe hat der Hagelschlag an vielen Autos, wie hier in Germering, hinterlassen.

(Foto: Carmen Voxbrunn)

Dachdecker, Kfz-Werkstätten und Versicherer sind wegen der Schäden durch den Hagel sehr nachgefragt

Bei Dachdeckern, Autowerkstätten und Versicherungen herrscht nach dem Unwetter mit tennisballgroßen Hagelkörnern am Pfingstmontag Hochbetrieb. Seit Dienstagmorgen reißen die Anrufe nicht mehr ab, es müssen Überstunden geleistet und sogar Anfragen abgelehnt werden, da die Betriebe mangels zusätzlicher Arbeitskräfte gar nicht all die Anfragen bearbeiten können. Es gibt Firmen, da ist kein Mensch zu erreichen, dort ist die Mailbox bereits voll und nimmt keine weiteren Nachrichten mehr auf. Und nicht nur im Radio werden erste Warnungen vor fliegenden Händlern laut, die von weit her kommen und nun ihre Dienste zu überteuerten Preisen anbieten.

So fuhr bereits am Dienstagnachmittag ein Lieferwagen mit der Aufschrift "Dellenprofi" und einer aus Baden-Württemberg stammenden Telefonnummer durch Germering. Deshalb rät Wolfgang Martin, der den Dellen-Service in Fürstenfeldbruck betreibt, "möglichst rechtzeitig einen Termin auszumachen". Bei ihm hält sich die Nachfrage noch in Grenzen, da die meisten Kunden versichert sind und zunächst die Formalitäten mit ihrer Versicherung klären müssen. Wie sehr sich eine Teilkasko-Versicherung auszahlen kann, verdeutlicht Martin anhand eines recht neuen Mercedes E. Den Schaden an dem Wagen aus Schondorf am Ammersee beziffert er auf 20 000 Euro. Überhaupt habe er solche Dellen wie die aus Schondorf "noch nie gesehen". Martin ahnt schon, dass er mit seinem Ein-Mann-Betrieb bis zum Jahresende ausgebucht sein wird; in Zahlen ausgedrückt sind das 50 Fahrzeuge.

Bei der Firma H + S Fenster, Türen, Sonnenschutzsysteme in Germering klingelt seit Dienstagfrüh ununterbrochen das Telefon. Laut Betriebsinhaber Anton Hauzeneder benötigen die meisten Anrufer neue Rollläden oder Raffstores, eine Anfrage zum Austausch eines kaputten Dachfensters gab es bis Mittwochmittag einmal. Da Hauzeneder nur einen Mitarbeiter hat und er auch noch sein laufendes Geschäft bewältigen muss, wird er weitere Anfragen wohl ablehnen müssen. Ganz ähnlich ist es bei der Dachbau Mammendorf GmbH. "Wir können keine Aufträge mehr annehmen", berichtet Michaela Fritsche. Dabei hat man wegen der vielen Schäden bereits nächsten Samstag als weiteren Arbeitstag eingeführt - zumindest für die sechs der 14 Dachdecker, die an diesem Tag noch Zeit haben. "Ganz schlimm ist Germering, aber die Leute rufen auch aus Utting und vom Wörthsee an." Viele gäben sich auch mit monatelangen Wartezeiten zufrieden, zeichnet Fritsche ein beunruhigendes Bild vom Fachkräftemangel.

Wo Betroffene noch auf frei verfügbare Handwerker hoffen können, dazu hat Max Ferling von der Versicherungsagentur Liber Beratung in Germering einen guten Tipp: "Ich würde mal die Fühler Richtung Ulm, Augsburg ausstrecken", dort habe das Unwetter keine Schäden angerichtet, so dass es noch freie Kapazitäten geben sollte. Ferling und seine vier Mitarbeiter sind freilich angesichts der vielen Schäden an Fahrzeugen und Gebäuden ebenfalls sehr nachgefragt. "Wir waren mittendrin, Germering hat es so richtig erwischt", sagt Ferling. Und tatsächlich: Alleine am Dienstag gab es 72 Anfragen wegen der Unwetterschäden, zuzüglich anderer Anrufer.

Viele Mitarbeiter im Germerings Rathaus sind von den Schäden betroffen, auch der Zweite Bürgermeister Wolfgang Andre. Hauptsächlich seien Fenster in Gebäuden oder Autos zu Bruch gegangen, bei Andre hat es die Heckscheibe erwischt sowie die Pflanzen auf dem Balkon "zerhackt".