Die Germeringer Grünen haben die Stadträtin und Dritte Bürgermeisterin Sophie Schuhmacher zu ihrer Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl im kommenden Jahr gewählt. Damit gibt es offiziell zwei Kandidaten, die sich im März 2026 um die Nachfolge von Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) bewerben. Haas’ Partei schickt den Stadtrat Johannes Kirmair ins Rennen. Schuhmacher erhielt bei der Aufstellungsversammlung sämtliche abgegebenen Stimmen.
Trotz ihrer Jugend – Schuhmacher ist 28 Jahre alt – ist sie in der Germeringer Kommunalpolitik schon eine feste Größe. Seit bald elf Jahren sitzt sie im Stadtrat, seit 2020 ist sie Dritte Bürgermeisterin – und hat den Oberbürgermeister auch schon vertreten. Mehrere Jahre lang war sie Vorsitzende des Ortsverbands der Grünen. Momentan unterrichtet sie als Lehramtsreferendarin am Gymnasium Gilching.
Dass sie schon im Germeringer Rathaus gearbeitet hat, war auch ihrer Bewerbungsrede anzumerken. Die war sehr sachlich und pragmatisch, kam völlig ohne Angriffe auf andere Parteien aus. Die Rede war so, wie sie sagte, dass sie es in der Kommunalpolitik gelernt habe: nämlich dass es um die Sache geht, um Details und die bestmöglichen Kompromisse. Und dabei zollte sie dem amtierenden Oberbürgermeister Haas Respekt. Sie wisse, in was für große Fußstapfen sie als Oberbürgermeisterin treten würde. Ihren Zuhörern versprach sie, bestimmt einiges anders zu machen, räumte aber auch ein, bestimmt nicht alles besser zu machen.
Die Schülerin wollte weg aus Germering
Kommunalpolitik ist Politik an der Basis, und an der möchte Schuhmacher bleiben. Ebenso, wie sie in Germering geblieben ist. Als Schülerin habe sie weggehen wollen, in eine „coole, hippe“ Stadt mit viel studentischem Leben. Aber – auch wegen der Kommunalpolitik – habe sie schätzen gelernt, was sie zuvor unattraktiv fand. An Germering lobt sie eine gut ausgestattete Verwaltung, engagierte Jugendeinrichtungen, ein vielfältiges Kulturprogramm und ein flächendeckendes Busnetz. Und ihr gefällt, dass die Stadt klein genug ist, so dass sich viele Leute noch kennen und miteinander reden können.
Um die Beteiligung der Einwohnerschaft auszubauen, möchte Schuhmacher als Rathauschefin die Digitalisierung in der Verwaltung erweitern. Ihr liege an einer ehrlichen und transparenten Kommunikation im Rathaus und mit den Germeringerinnen und Germeringern, auch damit viele gute Ideen in den politischen Gremien ankommen könnten.
1000 Bäume pflanzen
Ihre kommunalpolitische Bodenständigkeit illustrierte Schuhmacher auch am Beispiel der Forderung nach der Pflanzung von 1000 Bäumen in Germering. Das habe nicht umgesetzt werden können, weil der Stadt für ein solches Vorhaben die personellen und finanziellen Mittel ebenso fehlten wie die Flächen. Die Pointe der Geschichte: Die Forderung hatte der CSU-Ortsverband in das Wahlprogramm 2020 geschrieben, sie stammte nicht aus dem damaligen Wahlprogramm der Grünen, das laut Schuhmacher „ziemlich realistisch gehalten“ war. Und realistisch will Schuhmacher auch diesmal bleiben.
Ein bisschen Vision war aber auch: Sie wünsche sich raschere Fortschritte bei der Geothermie, kostenlose Kita-Plätze, Fahrradspuren auf allen Straßen, genügend genossenschaftliche Wohnungen und – zumindest am Wochenende – etwas Nachtleben. Ihre Vision von Germering wolle sie nicht aus den Augen verlieren, sagte sie, erinnerte aber gleichzeitig an leere Kassen, anstehende Schulsanierungen und die dauernde Suche nach Personal für die Kinderbetreuung.
Diese Probleme kennt auch Dominik Krause, Grünen-Stadtrat, Zweiter Bürgermeister von München und mit 34 Jahren ähnlich jung wie Schuhmacher und wie sie OB-Kandidat seiner Partei bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr. Krause hatte sich spontan bereit erklärt, die Versammlung zu leiten, weil der vorgesehene Leiter wegen Krankheit absagen musste. Das kam bei den Germeringer Grünen sehr gut an, Fraktionssprecherin Agnes Dürr sprach von einem Vorbild für die künftige Zusammenarbeit zwischen den benachbarten Städten. Was diese Zusammenarbeit angeht, fühlt sich die kleinere Stadt bislang immer wieder zu gering beachtet, aber zwei grüne Amtsinhaber ändern dies vielleicht.

