Süddeutsche Zeitung

Germering:Gold und Geld im Wert von 800 000 Euro ergaunert

Germeringer Polizei stellt Statistik für 2020 vor. Wegen Corona gab es weniger Einbrüche, aber mehr Internet-Betrug

Von Ingrid Hügenell, Germering

Trickbetrüger haben im vorigen Jahr von drei Senioren um die 800 000 Euro erbeutet. In Eichenau übergab ein 90-Jähriger den Tätern, die sich am Telefon als Polizisten ausgegeben hatten, Goldbarren im Wert von mehr als 600 000 Euro. Eine 74-Jährige aus Eichenau vertraute einem falschen Mitarbeiter des Bundeskriminalamts Geld und Goldbarren im Wert von mehr als 100 000 Euro an, und eine 79-jährige Frau aus Puchheim wurde von einem Mann, der sich als Beamter der Polizeiinspektion Germering ausgab, um 70 000 betrogen. "Das schmerzt die Seele eines jeden Polizisten", sagt Andreas Ruch. Der stellvertretende Germeringer Dienststellenleiter hat die Kriminalstatistik für 2020 vorgestellt, coronakonform mittels einer per E-Mail verschickten Power-Point-Präsentation.

Die Masche "falsche Polizeibeamte" habe die Polizei wieder massiv beschäftigt, sagt Ruch. Die betrügerischen Anrufe erfolgten meist in Wellen. Viele Senioren wüssten wegen der intensiven Präventionsarbeit inzwischen aber Bescheid, legten auf, wenn sie Betrüger am Telefon hätten, und verständigten rasch die Polizei.

Auch einen ihrer größten Erfolge verdankt die Germeringer Polizei der schnellen Reaktion eines Nachbarn. Der beobachtete in Puchheim einen Einbruch in ein Einfamilienhaus und rief sofort die Polizei. So gelang den Beamten am 23. November die Festnahme von zwei professionellen Einbrechern. Sie wurden auf frischer Tat ertappt, als sie mit der Beute aus dem Haus kamen. "Da haben wir richtige Kaliber aus dem Verkehr gezogen", sagt Ruch. Die beiden Albaner seien nur eingereist, um Einbrüche zu begehen. Ruch lobt den Nachbarn, der so zeitnah die Polizei rief. Insgesamt sind Einbrüche 2020 stark zurückgegangen - wegen Corona waren die Leute einfach mehr zuhause.

Stark zugenommen haben dagegen Gewaltdelikte und Internet-Kriminalität. 123 Körperverletzungen wurden der Polizei 2020 gemeldet, im Jahr davor waren es 86. Vor allem die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen stieg. 308 Fälle von Betrug im Internet wurden angezeigt. Darum kümmert sich in Germering eine besondere Ermittlungsgruppe. Wegen Corona hätten viele Menschen mehr online eingekauft. Ruch warnt vor vermeintlichen Schnäppchen: "Die können gewaltig in die Hose gehen." Die weitaus häufigsten Straftaten seien jedoch nach wie vor Diebstähle, 706 wurde im vorigen Jahr angezeigt, das waren 121 Fälle weniger als im Jahr zuvor. Ein Drittel davon sind Fahrraddiebstähle. 3411 Straftaten hat die Germeringer Polizei im Jahr 2020 registriert - eine Zunahme um 11,3 Prozentpunkte. Allerdings war 2020 das erste Jahr nach der Umstrukturierung der Polizeidienststelle. Die PI ist nun nicht mehr nur für Germering, Alling und Gilching zuständig, sondern seit März 2019 auch für Puchheim und Eichenau mit zusammen mehr als 35 000 Einwohnern. Insgesamt leben in dem Gebiet fast 100 000 Menschen. Die Zahl der Straftaten von 2020 liegt etwas unter der von 2010 im kleineren Einsatzgebiet.

Es konnten 1848 Tatverdächtige ermittelt werden, fast 300 mehr als im Jahr zuvor. Der Anteil ausländischer Tatverdächtiger liegt bei knapp 36,8 Prozent, im Jahr davor waren es 38 Prozent. 25 Prozent der Tatverdächtigen sind Kinder und Jugendliche. Kinder begehen vor allem Diebstähle, aber auch Sachbeschädigungen, bei den Jugendlichen sind es vor allem Rauschgiftdelikte, Diebstähle und Körperverletzungen.

Ruch freut sich über eine hohe Aufklärungsrate von 65,7 Prozent. Sie kommt auch dadurch zustande, dass aktiv Betäubungsmittel-Delikte verfolgt wurden, die nur dadurch auffallen. Als nach der Umstrukturierung in den Parks in Puchheim Polizeibeamte in Zivil jugendliche Kiffer angesprochen hätten, seien diese sehr erstaunt gewesen, berichtet Ruch. "Wir wollen nicht, dass in der Öffentlichkeit Rauschgift konsumiert wird", erklärt er.

Insgesamt sei "2020 ein Jahr, das ohne Zweifel ganz im Zeichen von Corona stand", sagt Ruch. Die Polizei habe mit viel Fingerspitzengefühl die sich ständig ändernden Verordnungen überwachen müssen. 700 Anzeigen seien wegen Verstößen nach dem Infektionsschutzgesetz geschrieben worden. Dabei handelt es sich um Ordnungswidrigkeiten, sie gehen nicht in die Kriminalstatistik ein.

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SZ vom 23.03.2021
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