bedeckt München 32°

Germering:Flüsterverkehr

Der Ausbau der A 96 zwischen Germering und Oberpfaffenhofen ist abgeschlossen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Politiker aus Germering und dem Landkreis Starnberg stimmen Loblieder auf die neue Trasse und den Lärmschutz an

Von Andreas Ostermeier, Germering

Germerings Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) hat einen Spaten mitgebracht. Am Werkzeugstiel sind ein paar Unterschriften zu sehen. "Der Spaten hat einen Ehrenplatz bei mir", sagt Haas. Es ist eines der Werkzeuge, mit denen im Mai 2017 der erste Spatenstich für den Ausbau der A 96 zwischen Germering und Oberpfaffenhofen ausgeführt wurde. Dreieinhalb Jahre haben die Erweiterung der Autobahn auf sechs Spuren sowie der Bau der Lärmschutzgalerien bei Germering und Gilching gedauert. "Nur", sagt Haas, zum einen, weil die geplante Bauzeit eingehalten worden ist, und zum anderen, weil die Diskussionen und Planungen für den Ausbau viel weiter zurückreichen als dreieinhalb Jahre. Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) erinnert sich an das langwierige Verfahren. Die frühere Fürstenfeldbrucker Bundestagsabgeordnete Gerda Hasselfeldt habe sich für den Ausbau eingesetzt und er sei noch Staatssekretär gewesen, sagt Scheuer. Auch die Anwohner der Autobahntrasse haben sich eingebracht. Rund 400 Einwendungen habe es gegen die Planungen gegeben, sagt Haas.

Deutlich flüssiger und ruhiger soll der Verkehr auf dem Autobahnstück zwischen Germering und Oberpfaffenhofen laufen.

(Foto: Günther Reger)

Nun sind die beiden Politiker zufrieden. Denn die Anwohner der Autobahn seien vor Lärm geschützt. Scheuer spricht gar von einem "Premium-Lärmschutz" für Germeringer und Gilchinger und nennt Zahlen. 131 Millionen Euro kostet das Straßenbauprojekt zwei Drittel davon würden für den Schallschutz ausgegeben, sagt der Minister. Alles, was technisch möglich und machbar war, sei umgesetzt worden: Flüsterasphalt, Lärmschutzwände und die beiden Galerien. Laut Scheuer mindern allein die Galerien den Verkehrslärm um bis zu 17 Dezibel. Zudem sollen dank der Erweiterung der Verkehr besser laufen und Staus seltener werden. Etwa 80 000 Fahrzeuge sind täglich auf dem knapp neun Kilometer langen Abschnitt der A 96 unterwegs, auf der Nordseite der Fahrbahntrasse ist laut Scheuer aber wieder Vogelgezwitscher zu hören.

Bei der Quasi-Einweihung ist auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer dabei.

(Foto: Günther Reger)

Auch Martin Fink (CSU), Zweiter Bürgermeister von Gilching, ist voll des Lobes über die verbreiterte Straße und die beiden Galerien. Noch vor einigen Jahren habe sich niemand in Gilching vorstellen können, dass ein solcher Schallschutz erreichbar sei, sagt er. Sollte Scheuer für seine Arbeit eine Referenz benötigen, die Gemeinde Gilching würde sie sofort ausstellen, lobt er den Verkehrsminister, der wegen der gescheiterten Autobahn-Maut unter Druck steht. Fink sieht in dem nun fertiggestellten Straßenprojekt noch weitere Vorteile für Gilching. Im Zuge der Bauarbeiten sei auch die Westumfahrung der Gemeinde möglich geworden und durch den Bau eines Kreisels südlich der Fahrbahntrasse bei der Ausfahrt Gilching eine Unfallstelle beseitigt worden.

In einer Woche sollen alle drei Spuren in jeder Fahrtrichtung offen sein. OB Andreas Haas hat einen Spaten vom Spatenstich im Mai 2017 dabei.

(Foto: Günther Reger)

Fink und Starnbergs Landrat Stefan Frey (CSU) betonen, dass es mit der ausgebauten A 96 überdies eine bessere Verbindung zwischen München und Oberpfaffenhofen gebe. Dort befinden sich neben dem Flughafen und der DLR etliche Hightech-Unternehmen. Und freilich profitiert auch das Gewerbegebiet Gilching-Süd von der größeren Leistungsfähigkeit der verbreiterten Autobahn. Frey fasst das zusammen und nennt die neue Trasse ein "gutes Projekt" für den Landkreis Starnberg.

Von einem "gelungenen Projekt" spricht auch der Bundestagsabgeordnete Michael Kießling. Der CSU-Politiker vertritt sowohl die Stadt Germering als auch den Landkreis Starnberg im Bundestag. "Es ist schon laut gewesen", sagt er aus der Erfahrung heraus. Über Jahre hat er in Germering einen Freund besucht und dabei den Lärm von der Autobahn mitbekommen.

Ganz fertig ist das Projekt aber noch nicht. Landrat Frey und Oberbürgermeister Haas erinnern daran, dass sie auf den Galerien gerne Photovoltaikanlagen sähen. Und auch die Bepflanzung steht zum Teil noch an. Damit der Bereich grüner und noch ruhiger wird, sollen Sträucher und Bäume gepflanzt werden. Ein wenig müssen sich auch die Autofahrer gedulden. In etwa einer Woche sollen sämtliche Bestandteile der Baustelleneinrichtung entfernt sein. Erst dann können alle sechs Spuren der Autobahn befahren werden.

© SZ vom 05.12.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB