Germering:Experimentelle Freude an Form und Farbe

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Germering: Immer wieder durchbricht Helga Keup in ihren Kunstwerken Farbflächen mit farbigen Linien.

Immer wieder durchbricht Helga Keup in ihren Kunstwerken Farbflächen mit farbigen Linien.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Im Ruhestand entdeckt Helga Keup ihre Leidenschaft für die Malerei. Nun sind ihre Werke in Germering zu sehen

Von Franziska Schmitt, Germering

Wie eine Perlenkette reihen sich die kurzen Farbstriche aneinander. In ihrer Gesamtheit durchziehen sie als waagerechte Linien in verschiedenen Farben den hellblauen Bildgrund, ein lebendiges Farbspiel. Zugleich wirkt es beruhigend, wenn der Blick Strich für Strich und Reihe für Reihe den dünnen Linien folgt. Mit ihrer experimentellen Herangehensweise und ihrer "Freude an Farben und Formen" möchte Helga Keup den Betrachter dazu ermutigen, selbst zu Farbe und Pinsel zu greifen. Das Jochen-Klepper-Haus zeigt nun eine Ausstellung mit Keups Arbeiten.

Die Malerin hat einen speziellen Bezug zum Ausstellungsraum. Als Lektorin hält sie immer wieder selbst die Abendgottesdienste ab, die im zweiwöchigen Turnus samstags stattfinden. Die Bilder sind ihrer Farbigkeit nach im Raum angeordnet und als ein Farbverlauf von gelb über blau nach rot inszeniert. Neben ihrer Vorliebe für die abstrakte Malerei und sakrale Themen, scheint die einzige Konstante in Keups Bildern die Entscheidung für die Acrylfarbe zu sein. Alles andere unterliegt ihrem Drang zum Experimentieren. Neben Pinsel greift sie zu Spachtel, Kamm oder auch Schaschlikspieß, um die Farbe auf dem Maluntergrund zu positionieren und die Oberflächenstruktur zu modellieren. Mal verstärkt sie diesen haptischen Eindruck durch Strukturpaste, mal arbeitet sie Gewebe in die Farbe mit ein.

Wirken die geometrischen Bildelemente auf den ersten Blick monochromatisch gearbeitet, werden bei näherem Betrachten Farbnuancen und Materialvielfalt sichtbar. In einem Bild sind es orange Streifen, die die rote Farbfläche durchziehen, in einem anderen brechen Gewebefasern eine ebenfalls rote Farbfläche auf und legen den weißen Untergrund offen. In diesen Feinheiten liegt der Reiz von Keups Arbeiten, die für den Betrachter Überraschungsmomente bereithalten.

Mit der Malerei angefangen hat die ehemalige Lehrerin als sie vor elf Jahren in den Ruhestand ging. Damals hat sie das Atelier einer Künstlerin in Meran besucht. "Was die junge Frau gemalt hat, hat mich einfach fasziniert", sagt die 73-Jährige. Daraufhin hat sie beschlossen, mit dem Malen anzufangen und seitdem mehrere Volkshochschulkurse besucht. Die Kunstpreisträgerin der Stadt Germering, Constanze Wagner, die im letzten Jahr verstorben ist, habe "ihr Malen begleitet" und ihr immer wieder neue Impulse gegeben.

"Beim Malen finde ich Ruhe", sagt Keup. Diese hofft sie durch ihre Bilder "gerade in dieser Zeit, in der wir so auf uns zurückgestellt sind" an den Betrachter weitergeben zu können. Darüber hinaus möchte sie die Besucher und Besucherinnen dazu ermutigen, es auch mal mit dem Malen zu versuchen. Dafür brauche man nicht viel. "Zwei Tuben Farben, ein Pinsel und eine Leinwand reichen fürs erste Bild schon."

Ausstellung mit Arbeiten von Helga Keup, Jochen-Klepper-Haus, Germering. Eröffnung Sonntag, 16. Januar, 17 Uhr. Für ein halbes Jahr kann die Ausstellung während Veranstaltungen besucht werden.

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