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Germering:"Es kann nicht sein, dass jemand so radikal in eine Hecke eingreift"

Die Harthauser Hecke treibt hoffentlich wieder aus.

(Foto: Günther Reger)

Mit einer Planierraupe hat ein Landwirt im Januar 600 Meter Buschwerk stark beschädigt. Es gab heftigen Protest - die Stadt München wollte die Zerstörung nicht einfach hinnehmen. Aber nun scheint eine Lösung gefunden.

Von Ingrid Hügenell, Germering

Die Sensibilität für den Wert von Wäldern und Hecken in der Bevölkerung ist groß und vor dem Hintergrund von Artensterben und Klimakrise noch gewachsen. Werden irgendwo Büsche oder Bäume gefällt oder stark beschnitten, melden sich die Menschen bei den zuständigen Behörden im Landratsamt oder in den Rathäusern. Viele informieren auch gleich noch die Presse.

So geschah es in Germering, als Mitte Januar der Aubinger Landwirt Johann Oberhauser in Harthaus, in der Nähe von Gut Streiflach, auf 600 Metern eine wertvolle Hecke aus heimischen Gehölzen mit einer Planierraupe abschieben ließ. Die Hecke liegt auf Germeringer Flur, gehört aber der Stadt München, die die Aktion nicht einfach hinnehmen wollte. Denn Schlehen, Pfaffenhütchen, Weißdorne und Liguster waren ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Tiere und sollten, wie die Stadt mitteilt, als solcher erhalten bleiben. Nun gibt es eine Lösung, die offenbar alle Beteiligten zufrieden stellt.

Anfang März trafen sich am Rande des Felds Vertreter der städtische Forstverwaltung München, des Germeringer Bund Naturschutz, der Stadt Germering, der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) Fürstenfeldbruck und des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Fürstenfeldbruck mit dem Landwirt und seinem Vater. Das teilt Maren Kowitz mit, Pressesprecherin des Kommunalreferats der Stadt München. Dabei sei vereinbart worden, dass und wie Landwirt Oberhauser Wiedergutmachung an der Natur leisten könne. "Es kann nicht sein, dass jemand so radikal in eine Hecke eingreift", sagt Kowitz.

Der Landwirt muss nun auf einem angrenzenden Grundstück, einem Acker, auf 600 Quadratmetern Fläche eine neue Hecke aus heimischen Sträuchern pflanzen. Wie Oberhauser erklärt, wird dadurch auch der "Warzenbaum" besser geschützt. Diese bei den Menschen beliebte, mehr als 100 Jahre alte, knorrige Hainbuche stehe in der Fläche. Bei der Pflanzung soll die städtische Forstverwaltung helfen, verspricht die Stadt München. Wenn möglich, sollen dort unter anderem heimische Elsbeeren gepflanzt werden. Forstleute hoffen, dass diese den höheren Temperaturen und der größeren Trockenheit im Klimawandel standhalten kann. Der Spazierweg soll erhalten bleiben und das neue Gehölz durchqueren.

Die Wurzeln könnten wieder austreiben, hoffen Experten

Oberhauser erklärt, er sei nie daran interessiert gewesen, seinen Acker zu erweitern. Er habe ihn nur wiederherstellen wollen. Denn die Hecke war zunehmend über den Weg gewachsen, so dass viele Spaziergänger durch einen Blühstreifen am Acker stapften und ihn beschädigten. Besonders habe ihn geärgert, dass viele durch den Blühstreifen gelaufen seien, sagt Oberhauser. "Dafür habe ich gar kein Verständnis." Und die Stadt München habe nicht auf seine Hinweise reagiert, dass die Hecke geschnitten werden müsste.

Nach Ansicht von Experten besteht die Hoffnung, dass die Wurzeln der gerodeten Büsche wieder austreiben. Die Münchner Forstverwaltung wird das beobachten. In eventuelle Lücken muss Oberhauser neue Büsche pflanzen. Gleichzeitig wird der Weg zwischen der Hecke und dem Feld wieder hergestellt. Der Landwirt möchte ergänzend zu den Kompensationsmaßnahmen, die die Fürstenfeldbrucker Naturschutzbehörde gefordert hatte, freiwillig die Zufahrtsstraße zur dortigen Kapelle sowie den Grünstreifen an der Kapelle "optisch ansprechend" mit heimischen Gehölzen bepflanzen.

In Eichenau hat dieser Eigentümer auf seinem Grundstück alles Grün radikal entfernt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Stadt München hat ihrerseits versprochen, dass künftig in regelmäßigen Abständen Landwirt und Forstverwaltung darüber sprechen werden, wie durch behutsameren Schnitt verhindert werden kann, dass der Weg erneut von der Hecke überwachsen wird. Oberhauser kann nun mit einem Forstmulchgerät und einer Walze einen drei Meter breiten Weg wieder herstellen. Bei Bedarf kann er ihn einmal jährlich mulchen. Der Landwirt erklärt, er werde einen "sauberen Weg ohne Löcher" herstellen, der für Fußgänger und Radler sicherer wäre.

Im Germeringer Rathaus hatten nach der Rodungsaktion im Januar so viele Leute angerufen oder dorthin geschrieben, dass Oberbürgermeister Andreas Haas selbst den Ortstermin wahrgenommen hat. Das sei dem OB ein Anliegen gewesen, sagt Thomas Wieser, Leiter des Umweltamts, der ebenfalls vor Ort war. HansJürgen Gulder nahm als Vertreter des Städtischen Umweltbeirats teil, er gehört auch dem Bund Naturschutz an.

Wieser und Gulder loben die Zusammenkunft als harmonisch, sachlich und konstruktiv, und begrüßen die erzielte Lösung. Der Stadt lag besonders am Herzen, dass der beliebte Spazierweg erhalten bleibt, wie Wieser erklärt. Denn den gebe es schon seit Jahrzehnten. "Das ist nun ein tragfähiger Kompromiss, damit sollte das erledigt sein." Am Weg sollen Schilder aufgestellt werden, mit denen die Erholungssuchenden um Rücksichtnahme auf den Forst und die Landwirtschaft gebeten werden.

Auch an diesem Grundstück wurden Hecken und Bäume entfernt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Sehr zufrieden mit der Begehung und deren Ergebnis zeigt sich der Umweltbeirat Gulder, als früherer Leiter des Amts für Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck ein Experte. Er würde es begrüßen, wenn auch in der Stadt Germering mehr Hecken aus heimischen Pflanzen wachsen würden statt der vorherrschenden Thujen- und Kirschlorbeer-Bepflanzung, die ökologisch wenig Wert habe. Die Stadt könnte das in ihrer Freiflächengestaltungssatzung festlegen, die gerade erstellt wird. Er erwarte nicht, dass "die Leute ihre hecken ausreißen", sagt Gulder. Aber bei der Neuanlage sollten Mischhecken aus heimischen Gewächsen wie Hainbuche und Liguster vorgeschrieben werden.

Unterdessen arbeitet die Gemeinde Eichenau an zwei Fällen, in denen Besitzer bei der Bebauung ihrer Grundstücke an der Birkensteiner Straße sämtliche Bäume und Sträucher entfernen ließen, obwohl der dort gültige Bebauungsplan die Erhaltung der Gehölze vorschreibt. Auch über diese Vorgänge hat eine Leserin die Gemeinde und die SZ informiert. Die Gemeinde teilt auf Anfrage mit, es werde derzeit ermittelt, ob "die Fällungen im Konflikt mit der Baumschutzverordnung oder dem Bebauungsplan stehen". Womöglich hätten die Eigentümer jeweils Genehmigungen für den Kahlschlag gehabt.

Eichenau verfügt seit 2015 über eine Baumschutzverordnung, nach der auch Bußgelder verhängt werden können. Ihre Höhe kann sich je nach Art und Größe des unrechtmäßigentfernten Gehölzes auf bis zu 50 000 Euro belaufen.

© SZ vom 13.03.2021/infu
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