Germering Erschütterndes Schicksal

Der Schauspieler und Sprecher Uwe Kosubek ist regelmäßiger Gast in Germering. Er hat dort auch schon Mystery-Geschichten gelesen.

(Foto: Günther Reger)

Lesung aus dem Buch einer vom NS-Regime verfolgten Familie

Von Florian J. Haamann, Germering

Der 9. November steht wie kein anderes Datum beispielhaft für die guten, aber auch die schlimmsten Momente der deutschen Geschichte. 1918 wird in Berlin die Republik ausgerufen und damit die Monarchie beendet. 1989 fällt die Berliner Mauer. Aber der 9. November steht auch für den Marsch Adolf Hitlers und seiner Anhänger auf die Feldherrenhalle in München - vor allem aber für die Reichspogromnacht 1938. An die Gräuel eben jener Nacht will die Stadtbibliothek Germering nun mit einer Lesung erinnern. Am Jahrestag wird der Schauspieler und Sprecher Uwe Kosubek aus dem Buch "Versteckt unter der Erde" von Dina Dor-Kasten lesen. Es erzählt die reale Geschichte der Familie der Autorin, die sich in einem Erdloch im Wald vor den Nazi-Schergen verstecken konnte.

"Es ist ein unglaublich erschütternder Text. Die Schilderungen sind mir beim Lesen an Herz und Nieren gegangen", erzählt Kosubek. Angesprochen habe ihn Christine Förster-Grüber, die Leiterin der Stadtbibliothek. "Sie hat eine Lesung mit der Autorin gesehen und war davon so ergriffen, dass sie selbst etwas machen wollte". Und die ersten Lesungen aus dem Buch haben sie dann gemeinsam an Germeringer Schulen organisiert. "Die Schüler waren natürlich auch sehr beeindruckt und berührt. Und dann haben wir gesagt, wir müssten das jetzt auch mal für ein erwachsenes Publikum machen".

Für die Lesung ausgesucht, hat Kosubek den Teil, in dem Dor-Kasten die bereits erwähnte Zeit in einem Erdloch in einem Wald in der heutigen Ukraine. Dorthin hat der Vater die Familie 1942 gebracht, nachdem klar wurde, dass sie wohl bald vom Ghetto Rohatyn ins KZ deportiert werden sollen. Mehr als zwei Jahre leben die Eltern mit ihren zwei kleinen Kindern in dieser Höhle, er- und überleben Suchaktionen deutscher Soldaten und Artilleriebeschuss. Denn im Wald verstecken sich auch Partisanen, die von der Wehrmacht bekämpft werden. Aber es gibt auch hoffnungsvolle Momente, etwa bei Begegnungen mit anderen Menschen, die in dem Wald Unterschlupf gefunden haben. Für ihr Buch hat die heute über 70-jährige Dor-Kasten viele Gespräche mit ihrer Mutter geführt und die Geschichte auch aus deren Perspektive erzählt.

"Wenn ich eine Lesung vorbereite, dann schaue ich immer, welche Stellen in einem Text mich persönlich am meisten berühren und wähle diese aus - auch danach, welche Teile am Ende eine geschlossene Geschichte erzählen, die dem Abend eine gewisse Dramaturgie verleiht", erzählt Kosubek. Dabei helfe ihm seine Erfahrung am Theater, vor allem als Schauspieler, sehr. "Man muss dann auch den Mut haben, sich von manchen Dingen zu verabschieden, die einem gut gefallen, aber zuviel sind". Genauso wichtig wie die richtige Textauswahl sei dann eine gute Vorbereitung. Nicht nur, indem man sich die richtigen Notizen und Zeichen ins Manuskript macht, sondern auch, dass man den Text so gestaltet, dass man die Haltung und die Emotionen der Geschichte transportiert. "Dafür ist es ganz wichtig, tief in die Figuren einzusteigen und den Leser auf deren Reise mitzunehmen".

In diesem Fall sei das alles noch einmal schwieriger gewesen als bei anderen Lesungen, berichtet Kosubek. "Weil es mich einfach so persönlich betroffen gemacht hat, muss ich versuchen, mich von meinen Emotionen fern zu halten, um die Stimmung des Textes rüberbringen zu können".

Das Buch hat für Kosubek aber nicht nur einen historisch-dokumentarischen Wert. "Wenn man diese Geschichte gelesen oder gehört hat, dann versteht man, dass Flüchtlinge in unserer Welt wirklich ganz am Ende der Kette stehen und eine besondere Rücksichtnahme verdienen, wenn sie Hilfe und Schutz benötigen. Die Humanität und die Mitmenschlichkeit gebieten es da, dass man die helfende Hand reicht".

"Versteckt unter der Erde", Lesung mit Uwe Kosubek, Freitag, 9. November, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Germering. Der Eintritt ist frei.