Germering Ein Zeichen gegen Gewalt

Tanzen als Protest: Germering ist der einzige Ort im Landkreis, an dem Frauen zur Aktion "One Billion Rising" zusammenkommen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

In Germering gehen 60 Frauen und ein Mann bei der Aktion "One billion rising" auf die Straße, um tanzend gegen Gewalt an Frauen zu demonstrieren

Von Larissa Kahr, Germering

Die Stimmung wirkt fast ausgelassen an diesem späten Donnerstagnachmittag. Die Trommelrhythmen der Band Sambavaria scheinen in der ganzen Stadt nachzuhallen. Am Kreisel bei der Germeringer Stadthalle hat sich eine Gruppe von etwa 60 Tänzerinnen versammelt. Sie zeigen eine Choreografie zum Song "Break the Chain", der laut aus den Boxen schallt. Bestaunt wird die Gruppe von etwa 70 Schaulustigen, die sich um die tanzende Gruppe scharen. Auch Passanten auf den gegenüberliegenden Straßenseiten spähen herüber, Autos fahren langsamer, um mitzubekommen, wo die Musik herkommt.

Schenkt man den einzelnen Zeilen des Songs mehr Aufmerksamkeit, verleiht das Gehörte dem Ganzen jedoch einen bitteren Beigeschmack. In dem Song werden Frauen aufgefordert, "die Ketten zu sprengen" und sexuelle Übergriffe, Gewalt, Missbrauch und Unterdrückung nicht mehr hinzunehmen. Auf den zweiten Blick fällt zudem auf, das sich unter den Tänzerinnen nur ein einziger Mann befindet, auch das Publikum ist überwiegend weiblich. Bei der Tanzdemo, die den Namen "One Billion Rising" trägt, überwiege der Frauenanteil jedes Mal, weiß Renate Konrad, Germerings Gleichstellungsbeauftragte.

In der Kampagne geht es darum, weltweit "die Erde zum Beben zu bringen" und in einem Akt der Gemeinsamkeit ein Zeichen zu setzen für eine Ende der Gewalt an Frauen und Kindern. Erschreckend hoch ist die Zahl der Frauen, die bereits Opfer von schwerer Körperverletzung oder Vergewaltigung waren. Laut einer UN-Statistik ist jede dritte Frau davon betroffen. Darauf wollen die Teilnehmer der Kundgebung über all auf der Welt aufmerksam machen und die Menschen animieren, sich aktiv mit der Problematik auseinanderzusetzen. "Das Schlimmste, das man der Wahrheit antun kann, ist, sie zu kennen und dennoch zu ignorieren," zitiert Konrad in ihrer Ansprache den französischen Bischof und Autor Jacques Bossuet. Denn leider sei Gewalt immer noch ein Thema, über welches immer noch zu häufig geschwiegen würde.

Zweimal wird zur Hymne "Break the chain" getanzt, einmal zur englischen, einmal zur deutschen Version. Auch die folgende Einlage der Aikidogruppe des SC Unterpfaffenhofen-Germering, die den Zuschauern Grundgriffe der Selbstverteidigung vorführt, hat eine Botschaft: Steht auf! Denn bei Angriffen auf offener Straße würden etwa 80 Prozent der Angreifer sofort ablassen, wenn das Opfer sich lautstark zu Wehr setze.

Bernhard Rieger nimmt mittlerweile schon im fünften Jahr an der "One-Billion-Rising"-Aktion als Tänzer teil: "Ich finde einfach den Gedanken toll, dass alle weltweit aufstehen." Um das zu schaffen, habe auch er alle seine Bekannten zu der Veranstaltung am Valentinstag eingeladen, aber es sei keiner erschienen. Er werde trotzdem immer weiter aufstehen, denn er findet die Sache einfach wichtig. "Wenn ich von der hohen Zahl der Übergriffe höre, wundere ich mich, was noch alles passieren muss, dass endlich alle aufstehen und Farbe bekennen."