RollenspieleWo Monster lauern und Magie regiert

Lesezeit: 5 Min.

Würfel mit bis zu zwanzig Seiten, Paper, Stift und viel Fantasie werden für Rollenspiele gebraucht. Dieser besonders schöne und große zwanzigseitige Würfel glitzert sogar.
Würfel mit bis zu zwanzig Seiten, Paper, Stift und viel Fantasie werden für Rollenspiele gebraucht. Dieser besonders schöne und große zwanzigseitige Würfel glitzert sogar.
Johannes Simon
  • Die Bavaria Con findet am 14. und 15. Februar 2026 in der Germeringer Stadthalle statt und ist Süddeutschlands größte Pen & Paper Convention mit 800 erwarteten Besuchern pro Tag.
  • Pen & Paper-Rollenspiele wie Dungeons and Dragons werden analog mit Würfeln, Stift und Papier gespielt, wobei ein Spielleiter eine Geschichte vorgibt und die Teilnehmer verschiedene Charaktere verkörpern.
  • Die Convention bietet über 100 Spielrunden für Anfänger und Erfahrene, Wochenendtickets kosten 25 Euro für Erwachsene und 15 Euro für Kinder.
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Fantasievolle Rollenspiele analog, wie geht das eigentlich? Ein Probelauf vor der Bavaria Con in Germering, Süddeutschlands größter Pen & Paper- Convention  – nicht nur für Nerds.

Von Ingrid Hügenell, Germering

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Bestimmt haben schon unsere Vorfahren zusammengesessen und Geschichten gesponnen von Monstern, Helden und Zauberern, seinerzeit rund ums Lagerfeuer. Heute ersetzt im Germeringer Jugendzentrum Cordobar ein Tisch mit Würfeln, Büchern, Stiften und Blöcken den feurigen Mittelpunkt. Drumherum an diesem Sonntagnachmittag: vier Männer, zwei Frauen und, quasi außer Konkurrenz, die Reporterin, das erste Mal bei einer Spielrunde Dungeons and Dragons (D&D) im Pen & Paper-Modus. Aber was ist das überhaupt, Pen & Paper? Ist Dungeons and Dragons nicht ein Videospiel? Und wie wird man Zwerg, Elf oder Gnom?

Das Online-Lexikon Wikipedia beschreibt Pen & Paper als „Mischung aus herkömmlichem Gesellschaftsspiel, Erzählung und Improvisationstheater“. Das ist stark vereinfacht, aber nicht falsch. Ein paar Leute sitzen zusammen und spielen eine Geschichte mit verteilten Rollen. Für Notizen und um den Spielfortschritt zu dokumentieren, nutzen sie ganz analog Papier und Stifte. Dazu gibt es Würfel, die bis zu zwanzig Seiten haben, und zuweilen auch Spielfiguren, zum Beispiel Drachen. Am Wochenende, 14. und 15. Februar, kommen die süddeutschen Rollenspielfans bei der Bavaria Con in Germering zusammen.

Ein Spielleiter, an diesem Nachmittag Tobias Gauderer, denkt sich vorab eine Geschichte aus samt Charakteren, die von den Mitspielern dargestellt werden. Jeder sucht sich aus, was er am liebsten verkörpern möchte. Für einen „One Shot“ wie an diesem Tag, der nur ein paar Stunden dauert, ist die Geschichte abgeschlossen. Es gibt aber auch Kampagnen, die über Jahre und sogar Jahrzehnte laufen, so wie die Geschichten am Lagerfeuer sich über die Generationen immer weiterentwickelten. Für jede Rolle gibt es zwei DIN-A-4-Bögen mit einer Charakterbeschreibung. Die Reporterin ist ein Barbar und ein Zwerg – nicht besonders intelligent, mit wenig Weisheit, dafür aber stark. Und meistens durstig.

Auch dabei: ein Schurke, der ein Halbling ist (Dagmar Dresel), ein Warlock und Mensch (Stefanie Gauderer), ein Mönch und Gnom (Martin Brunner), ein elfischer Druide (Andi Meier) und ein Kleriker, der ebenfalls ein Mensch ist (Chris Wöger), jeder mit eigenen Stärken und Schwächen. Sie bilden eine „Heldengruppe“, die in einem Fachwerkstädtchen namens „Dunkelhof“ ankommt, durch das der stark verschmutzte Fluss „Dunkelwasser“ fließt. Es gibt dort natürlich eine schaurige Klosterruine sowie eine schmuddelige Kneipe voller zwielichtiger Gestalten. Schnell taucht die Gruppe ein in diese Welt, aus der sie erst fast drei Stunden später wieder auftauchen wird, erstaunt, dass so viel Zeit so schnell vergangen ist.

Die Spielrunde von oben, ganz rechts Spielleiter Tobias Gauderer. Jeder hat Würfel bereit liegen, seine Charakterbeschreibung und natürlich Stift und Papier.
Die Spielrunde von oben, ganz rechts Spielleiter Tobias Gauderer. Jeder hat Würfel bereit liegen, seine Charakterbeschreibung und natürlich Stift und Papier.
Johannes Simon

Die Geschichte ist verwurzelt im ältesten und bekanntesten Rollenspiel, Dungeons and Dragons. Dementsprechend würden wir Helden irgendwann in einem Verlies auf Monster treffen, wenn wir uns nicht ablenken ließen. Schon 1974 wurde D&D von Gary Gygax und Dave Arneson entwickelt und eben mit Stift und Papier gespielt. Es gibt ausgefeilte Regeln, die penibel in Büchern festgehalten sind. Videospiele und Filme aus dem D&D-Universum kamen von den Achtzigerjahren an dazu, ebenso weitere Pen & Paper-Spiele, etwa das deutsche „Das Schwarze Auge“.

Die analogen wie die elektronischen Spiele erfreuen sich wachsender Beliebtheit, die Spieler sind oft in Vereinen organisiert. Die Germeringer gehören als Abteilung „Würfel und Schwert“ zum Verein „Schwert und Mieder“, Stefanie Gauderer und Christian Wöger sind die Vorsitzenden. Weil sie recht aktiv und gut vernetzt sind, veranstalten sie im Februar an zwei Tagen in der Germeringer Stadthalle die Bavaria Con mit – nach eigenen Angaben Süddeutschlands größter Pen & Paper-Convention.

2025 fand sie in Unterföhring statt, doch das Event wird immer populärer, und die Germeringer Stadthalle bietet mehr Platz. 800 Leute werden pro Tag erwartet. Hauptveranstalter ist der Verein Nerds United. Nicht nur erfahrene Helden sind willkommen, sondern auch Anfänger. Rollenspieler sind grundsätzlich freundliche Menschen. Unter anderem wird es eine Spielrunde der Stadtverwaltung geben, angeleitet von Pascal Luginger, Klimaschutzmanager und hauseigener Nerd. Oberbürgermeister Andreas Haas wird die Bavaria Con eröffnen und vielleicht sogar selbst mitspielen.

Stefanie Gauderer und Christian Wöger, die Vorsitzenden des Vereins „Würfel und Schwert“.
Stefanie Gauderer und Christian Wöger, die Vorsitzenden des Vereins „Würfel und Schwert“.
Johannes Simon

Damit jeder mitmachen kann, braucht es fähige Spielleiter wie Tobi. Er hat natürlich das Regelwerk, das Handbuch für den Dungeon Master, parat liegen und beschreibt Städtchen, Ruine und Kneipe so anschaulich, dass man die Kälte zu spüren meint, die aus den dunklen Gassen kriecht. Wie sich herausstellen wird, hatte er für die Helden zwei Aufgaben vorgesehen: einem offenkundigen Drogenproblem in Dunkelhof auf den Grund zu gehen und das alte Kloster mit dem Vampir im Verlies zu erkunden. Er weiß aber auch: „Kein Plot überlebt den ersten Kontakt mit den Spielern.“

So auch in dieser Runde. Denn eine andere Suche als die nach Monstern bestimmt rasch das abenteuerliche Geschehen: die nach Knoblauchsauce. Noch während Elf-Druide und Kleriker sich in der Kneipe nach einer Aufgabe umschauen, bekommt ein Teil der Protagonisten, allen voran Nuki, der Schurke, großen Hunger. Rynrielle, der Zwerg, will Bier trinken, und Warlock Valentia schließt sich der Essenssuche auf dem Marktplatz an. Selbst von einem offensichtlich durch die Droge Finsterstaub verursachten Todesfall auf offener Straße lassen sich die Protagonisten nicht von der Suche nach der Sauce für ihr Sandwich abbringen.

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Das macht überhaupt nichts. Alle haben trotzdem viel Spaß, und Tobi ist Kummer gewohnt. Man duzt sich natürlich. Es wird gescherzt, Geschichte und Gespräch sind voller Anspielungen und Zitate, von Tolkien über Doctor Who bis Star Trek. Wenn Tobi einen Dialog spricht, tut er das mit zwei Stimmen. Bier wird mit großer Geste mit Luft-„Gold“ bezahlt, und als Erebos, der Kleriker, von einer geheimnisvollen Sauce (ohne Knoblauch) vergiftet wird, lässt er sich rücklings auf die Couch fallen und schnappt nach Luft. Vor einer Aktion, etwa, wenn jemand etwas ausspähen will, wird mit einem zwanzigseitigen Würfel gewürfelt. Ein Wert für die Fähigkeiten der Rolle wird dazugezählt oder abgezogen, und Spielleiter Tobi bestimmt, was Elf, Mönch oder Zwerg tatsächlich wahrnehmen können.

Dazu gibt es Pistazien zum Knabbern und die ersten Weihnachtsplätzchen. Die Mitspieler entsprechen ziemlich genau den Nerd-Klischees: Zwei Drittel sind Männer. Sie sind zwischen 30 und Ende 40, ausnahmslos in der IT-Branche tätig, tragen dunkle Kleidung, Bart und, bis auf einen, Brille. Die beiden Frauen sind in ihren Dreißigern und haben pädagogische Berufe.

Jeder Spieler hat seine eigenen Würfel, denen er eine besondere Energie zuspricht.
Jeder Spieler hat seine eigenen Würfel, denen er eine besondere Energie zuspricht.
Johannes Simon

Doch auch der nerdigste Nerd braucht Gemeinschaft, wenn auch nicht unbedingt ein Lagerfeuer, und die Rollenspiele bieten genau das. Die Frequenz der Spieltreffen habe aber leider abgenommen, Beruf und Kinder, das „real life“, benötigten halt auch viel Zeit, sagt Stefanie Gauderer. Sie ist im wirklichen Leben unter anderem Zero-Waste-Aktivistin. Die verwendeten Würfel gebe es jedoch nicht gebraucht zu kaufen. Es darf sie ja nicht einmal ein anderer anfassen, erklärt Andi ernsthaft. Denn dann verlören sie ihre Energie. Magisches Denken macht eben auch vor Naturwissenschaftlern und IT-lern nicht halt. Vielleicht, überlegt Gauderer, könnte man gebrauchte Würfel sammeln, reinigen, mit Energie aufladen und dann als „refurbed“ verkaufen.

Zur Bavaria Con im Februar sollte also, wer schon welche hat, seine eigenen Würfel mitbringen, ebenso Block und Stift für Notizen. Es wird dort mehr als 100 Spielrunden geben, mit unterschiedlichen Spielen. Tobias und Stefanie Gauderer sind als Spielleiter dabei – eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Mitmachen können nicht nur erfahrene Helden, sondern auch Anfänger, und wer sich das nicht gleich zutraut, kann erst mal nur zuschauen. Vorkenntnisse werden nicht benötigt, wobei es bestimmt nicht schaden kann, Interesse an Fantasy, Science-Fiction oder Horrorwelten mitzubringen.

Bavaria Con, 14. und 15. Februar 2026 in der Stadthalle Germering, Samstag 10 bis 22 Uhr, Sonntag 10 bis 20 Uhr, Tickets fürs ganze Wochenende kosten 25 Euro, für Kinder 15 Euro, Tagestickets für Samstag 20 beziehungsweise zehn Euro und für Sonntag zehn beziehungsweise fünf Euro. Es gibt auch Brettspiele und Tabletops sowie ein Rahmenprogramm mit Händlern und Künstlern.

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