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Germering:Die Wurzeln der Stadt

Heimatforscher legen Hofbücher über die Geschichte der Ortsteile vor

Von Andreas Ostermeier, Germering

Einige Gehöfte und eine kleine Kirche: Das sind in vielen Fällen die Ursprünge von Dörfern. Auch für Germering und Unterpfaffenhofen gilt das. Heimatforscher und Archivare ergründen in zunehmenden Maß diese Entstehungsgeschichten, in deren Mittelpunkt Höfe stehen, die es seit Jahrhunderten gibt. Zwei solche Hofbücher, je eines über Germering und Unterpfaffenhofen, legen nun Friedrich Drexler, Manfred Spachtholz und Marcus Guckenbiehl vor. Die Bücher über die beiden Altdörfer enthalten Chroniken und Bilder sämtlicher Höfe, aus denen die Orte bestanden haben, und die in der aus beiden Gemeinden zusammengelegten Stadt noch immer zu finden sind.

Fünf Jahre habe er gearbeitet, um die Unterlagen für die Geschichte der Höfe zusammenzutragen, erzählt Drexler. Der Vorsitzende des Heimatpflegevereins Unterpfaffenhofen hat die Geschichte der Höfe erst einmal für Vorträge aufbereitet, aufgrund des großen Interesses sein Material dann zu zwei Büchern weiterverarbeitet. Dafür hat er den Urkataster von 1809 ebenso ausgewertet wie die Katastereintragungen aus dem Jahr 1864. Der Urkataster ist das Dokument der ersten Vermessung Bayerns. Die Idee, Territorien zu vermessen und dazu den Meter-Maßstab anzuwenden, stammt aus Frankreich. Das Königreich Bayern, das damals mit Napoleon verbündet war, hat seinerzeit mit der Vermessung begonnen. Die Vermessung des Landes war freilich kein Selbstzweck, die Grundbücher dienten der Steuererhebung. Schließlich waren Grundsteuern zu dieser Zeit die Haupteinnahmequellen eines Staats.

In dem Urkataster sind die Höfe eingetragen worden, aus denen Anfang des 19. Jahrhunderts die Dörfer Germering und Unterpfaffenhofen bestanden. Neben den Höfen enthalten die Bücher auch Informationen zu den beiden Kirchen Sankt Martin und Sankt Jakob. Der Germeringer Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl hat die Geschichte der beiden ersten Kirchen in Germering und Unterpfaffenhofen aufgeschrieben. Um einiges größer zeigen sich die beiden Dörfer dann in den Katastereinträgen von 1864. Das Wachstum steigert sich im Gefolge des Eisenbahnbaus im Jahr 1903 - zu diesem Zeitpunkt kommt die Fichtenau-Siedlung dazu - sowie mit dem Bau des Tanklagers und der Wifo-Siedlung in den Dreißigerjahren und schließlich der Nachkriegszeit.

Weitere Grundlagen für die Bücher bilden die Auswertungen des Steuerbuches von 1752, in dem die (1848 aufgelöste) Hofmark Nebel erstmals erwähnt wird, und der Kiening-Genealogie, einer Datenbank, in der 11 000 Höfe aus dem Gebiet westlich von München verzeichnet sind, sowie die Aufbereitung der Pfarramtsmatrikel. Mit der letztgenannten Aufgabe hat sich Erna Meier befasst. Etliche Jahre habe es gedauert, bis die Eintragungen über Hochzeiten, Geburten und Todesfälle für die beiden Altdörfer zusammengetragen waren. In den beiden Büchern findet sich allerdings nur wenig davon. Zur Begründung sagt Drexler, die Fülle dieses Materials hätte den vorgesehenen Umfang der Bücher gesprengt. Wer sich für die Verwandtschaftsbeziehungen seiner Vorfahren aus den beiden früheren Ortsteilen der Stadt Germering interessiere, könne sich aber an ihn wenden.

Eine besondere Aufgabe hat sich von den drei Autoren Manfred Spachtholz vorgenommen. Er besuchte die Besitzer der Höfe, um Angaben zu überprüfen und Fotos aus vergangener Zeit aufzutreiben. Eine mühselige Arbeit, wie Drexler erzählt. Denn nicht immer konnten oder wollten die Besitzer helfen. Auch widersprachen sich die Erinnerungen der verschiedenen Generationen. Dennoch ist ein an Informationen und Bildern reiches Werk entstanden, das die Geschichte Germerings und Unterpfaffenhofens seit dem 17. Jahrhundert nachzeichnet.

Besonderen Dank richten die Autoren an Dieter Müller und Werner Eisfeldt, von denen ein Großteil der aktuellen Fotos stammt. Insgesamt sind in den beiden Bänden etwa 500 Abbildungen enthalten. Den Umschlag hat Renate Müller gestaltet. Und zudem ist den Autoren ein interessanter ortsgeschichtlicher Fund gelungen. Bei einer der Hofbefragungen stieß man auf Fotos des 1970 verstorbenen Georg Walch. Der hat in den Dreißiger- und Vierzigerjahren etliche Bilder von Germering aufgenommen. Seine Fotos bot er der Gemeinde an, die sich dafür damals aber nicht interessierte. Danach verschwanden die Bilder für lange Zeit - jetzt sind sie wieder eine wertvolle Quelle der Germeringer Ortsgeschichte.

Die beiden Bücher mit den Titeln "Das Altdorf Germering" und "Das Altdorf Unterpfaffenhofen" können beim Heimatpflegeverein, im Bürgerbüro des Rathauses, im Zeit-Raum-Museum sowie in der Buchhandlung "Lesezeichen" erworben werden.

© SZ vom 19.11.2020

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