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Germering:"Die Werktage fühlen sich im Grunde wie normale Arbeitstage an"

Werktage

Michael Glatzes organisiert die Germeringer Werktage.

(Foto: Günther Reger)

Der Künstler Michael Glatzel über die Arbeit der Holz- und Steinbildhauer in der Kaserne und die Möglichkeit für Besucher, die Werk entstehen zu sehen

Zum zehnten Mal haben sich auf dem ehemaligen Kasernengelände in Germering 17 Holz- und Steinbildhauer versammelt. Bis zum 26. Juli haben Besucher dort die Möglichkeit, den Künstlern der Germeringer Werktage beim gemeinsamen Arbeiten zuzuschauen. Fertige Kunstwerke der Mitwirkenden sowie der Ateliergruppe 27 sind nebenan in der parallel stattfindenden Ausstellung "Ein Quantum Kunst" zu sehen. Der Münchner Künstler Michael Glatzel, der in Germering sein Atelier hat und Mitglied im Kunstkreis ist, hat die Werktage 2009 ins Leben gerufen. Der SZ erzählt er, wie alles anfing und vom Besonderen am kollektiven Kunstschaffen.

SZ: Sie haben die Germeringer Werktage einst als Experiment gestartet, nun finden sie bereits zum zehnten Mal statt. Welchen Mehrwert haben Künstler und Besucher von offenen Werkstätten?

Michael Glatzel: Es ist interessant, den Fortschritt zu sehen. Vor allem, wenn man mehrmals vorbeikommt, kann man mitverfolgen, wie sich ein Kunstwerk entwickelt. Wenn Sie sich jetzt die Wolken anschauen, sehen Sie in einer Stunde wieder etwas ganz anderes. Und Sie sehen garantiert etwas anderes als ich. So ist auch das Spannende an unserem Miteinander, dass jeder anders an eine Sache herangeht und man sich so gegenseitig inspiriert.

Verändert sich die Arbeitsweise, wenn man weiß, dass man beobachtet wird?

Ich habe mich in den vergangenen zehn Jahren nie beobachtet gefühlt. Die Werktage fühlen sich im Grunde wie normale Arbeitstage an. Wenn man zwischendurch mal eine Pause machen und mit interessierten Besuchern über seine Kunst reden kann, ist das eher produktiv. Die eigene Arbeit wird einem selbst oft klarer, wenn man sie anderen erklären muss.

Wie kamen Sie 2009 auf die Idee, so ein Konzept in Germering zu etablieren?

Ich habe einmal in Salzburg eine Veranstaltung der dortigen Kunstakademie besucht. Eine Gruppe von Bildhauern hat dabei in einem Steinbruch gearbeitet. Die Idee war, durch das enge Miteinander voneinander zu lernen. Das hat mich so begeistert, dass ich meinen Künstlerkollegen Jürgen Eide-Heyken gefragt habe, ob er so was zusammen mit mir in Germering organisieren möchte.

Beim ersten Mal fanden die Werktage noch im Atelierhaus an der Salzstraße statt. Wie lief das damals ab?

Es ist ein Bildhauer-Problem, dass wir nun mal Krach machen. Deswegen hatten wir auch ein paar Probleme mit den Nachbarn. Wir tragen bei der Arbeit Staubmasken und Gehörschutz, das wollten die Anwohner verständlicherweise nicht. Ab dem zweiten Mal hat uns die Stadt dann das Wifo-Gelände zur Verfügung gestellt. Dort stören wir niemanden. Bis jetzt hat noch keiner auf der Autobahn angehalten und sich beschwert, dass wir zu laut sind.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag während der Werktage aus?

Wir treffen uns in der Früh und je zwei von uns haben vormittags frei, um das Mittagessen vorzubereiten. Dass wir nicht nur zusammen arbeiten, sondern auch essen und uns dabei austauschen, ist ein Kernpunkt der Werktage. Danach geht jeder auf ganz unterschiedliche Weise wieder seiner Arbeit nach. Es werden keine Strukturen vorgegeben, wir veranstalten keinen Wettbewerb und es gibt am Ende keinen Preis. Wir wollen Gleiche unter Gleichen sein.

Sie betonen die Unterschiedlichkeit der teilnehmenden Künstler. Gibt es unter ihnen dennoch einen roten Faden?

Wir sind alle Bildhauer. Das ist das einzige Verbindende. Aber selbst, wenn wir ein Thema vorgeben würden, würden garantiert völlig verschiedene Sachen dabei herauskommen. Das sieht man ja auch immer wieder bei Ausstellungen.

Auch bei der parallel stattfindenden Ausstellung "Ein Quantum Kunst"?

Ja. Unter den rund 30 Künstlern sind Maler, Bildhauer und Keramiker, die alle völlig eigene Stile verfolgen. Die Ausstellung ist sehr bunt und so gestaltet, dass die unterschiedlichen Kunstrichtungen voneinander profitieren.

Sie selbst sind Steinbildhauer und kreieren hauptsächlich Köpfe mit stark reduzierten Gesichtszügen. An was arbeiten Sie während der Werktage?

Ich habe mir eine Auswahl von Steinen zurechtgelegt. Oft habe ich am Anfang keine Ahnung, was ich damit machen will und plötzlich kommt mir eine Idee. Darauf hoffe ich diesmal auch. Ich lasse mich von den Steinen überraschen.

10. Germeringer Werktage & Ausstellung "Ein Quantum Kunst", bis 26. Juli. Die Werktage sind täglich von 10 bis 18 Uhr (Sonntag von 14 Uhr an) geöffnet, die Ausstellung täglich von 14 bis 18 Uhr; beides findet auf dem Wifo-Gelände in Germering (Otto-Wagner-Straße 80) statt.