Sozialprojekt in GermeringEine neue Chance im Café Zenja

Lesezeit: 3 Min.

Küchenchef im Café Zenja ist Radoslav Yordanov (links). Zu den Mitarbeitern gehört Peter Holm.
Küchenchef im Café Zenja ist Radoslav Yordanov (links). Zu den Mitarbeitern gehört Peter Holm.
Niels P. Jørgensen
  • Das Café Zenja in Germering beschäftigt vier psychisch erkrankte Menschen in einem Zuverdienstprojekt, die eine Motivationszulage von 1,60 Euro pro Stunde erhalten.
  • Die Germeringer Insel übernahm vor zehn Jahren die Trägerschaft der Einrichtung vom Germeringer Sozialdienst und sucht weitere Mitarbeiter für das Projekt.
  • Das Café ist montags bis freitags von 10 bis 15 Uhr geöffnet und bietet drei Mittagsgerichte um zehn Euro sowie Kuchen und Torten an.
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Die Germeringer Insel beschäftigt in der Einrichtung im Mehrgenerationenhaus vier psychisch erkrankte Menschen, die eine Motivationszulage erhalten. Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden gesucht.

Von Karl-Wilhelm Götte, Germering

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Das Café Zenja besteht nunmehr seit 15 Jahren. „Zenja“ –  die Abkürzung für das „Zentrum für Jung und Alt“, das inzwischen Mehrgenerationenhaus/Zenja heißt – wurde zunächst vom Germeringer Sozialdienst betrieben, vor zehn Jahren hat die Germeringer Insel die Trägerschaft der Einrichtung übernommen. Seitdem ist das Sozialprojekt zu einem sogenannten „Hinzuverdienstprojekt“ für psychisch kranke Menschen geworden. Das bedeutet: Die vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten Teilzeit und erhalten keinen Lohn, aber eine „Motivationszulage“ von 1,60 Euro pro Stunde. Weitere Personen werden für das Café Zenja gesucht. Die Geschichte der Einrichtung verdeutlicht das Auf und Ab und die fehlende Konsequenz staatlicher Fördermaßnahmen.

Das Café wurde einst auch auf Initiative des unvergessenen Hermann Sickinger ins Leben gerufen. Der damalige Germeringer Chef vom Club Behinderter und ihrer Freunde (CBF), der selbst im Rollstuhl saß, hatte im Erdgeschoss des ehemaligen Unterpfaffenhofener Rathauses die verlassenen Räume eines Supermarktes für 400 000 Euro für den CBF erworben. Träger des Projekts war der Germeringer Sozialdienst. Der holte das Jobcenter Fürstenfeldbruck mit ins Boot. Das Jobcenter entsandte Langzeitarbeitslose ins Café Zenja, die dort für einen Euro pro Stunde arbeiteten – das waren damals die sogenannten Ein-Euro-Jobs des Jobcenters, die es nicht mehr gibt. Diese hatten einen eher würdelosen Charakter und führten kaum zu einer festen Anstellung, die Ein-Euro-Jobber wurden häufig als billige Arbeitskräfte missbraucht. Anfangs hatte sie noch ein Sozialarbeiter betreut und beraten. Der wurde jedoch mangels Förderung und Geld nach einem Jahr wieder entlassen.

Das Café Zenja ist ein offener Treff im Mehrgenerationenhaus. Untergebracht ist es in den ehemaligen Räumen eines Supermarkts.
Das Café Zenja ist ein offener Treff im Mehrgenerationenhaus. Untergebracht ist es in den ehemaligen Räumen eines Supermarkts.
Niels P. Jørgensen

Vier Jahre später musste das Café schließen, weil die Förderung durch das Jobcenter weggefallen war. Zunächst hatte der Sozialdienst das Defizit ausgeglichen, was aber bald nicht mehr möglich war. 2016 nahm sich dann die Germeringer Insel – die Koordinierungsstelle für soziale Maßnahmen in der Stadt, die gleich nebenan residiert – der Einrichtung an. Das Café Zenja wurde wieder eröffnet. Diesmal mit der Unterstützung des Bezirks Oberbayern und einem „Zuverdienstprojekt“. Dabei geht es um Menschen, „die aufgrund ihrer psychischen Beeinträchtigung oder Erkrankung keine Beschäftigung mehr auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt finden“, teilt die Germeringer Insel mit.

Alle Tische besetzt: Das Café Zenja ist montags bis freitags von 10 bis 15 Uhr geöffnet.
Alle Tische besetzt: Das Café Zenja ist montags bis freitags von 10 bis 15 Uhr geöffnet.
Niels P. Jørgensen

Als die langjährige Küchenleiterin Leonie Seyfried vor einem Jahr aufhörte, übergab die Germeringer Insel die Leitung an Radoslav Yordanov als neuem Küchenchef. Drei Mittagsgerichte stehen zur Auswahl auf der Speisekarte, dazu Salatteller oder eine Suppe. Belegte Brote für den schnellen Hunger sowie Kuchen und Torten werden ebenfalls angeboten. Geöffnet hat das Café von Montag bis Freitag, jeweils von 10 bis 15 Uhr. Bisweilen gibt es auch Aufträge für ein Catering in der Stadt.

Yordanov wird momentan von vier Personen unterstützt, die im Zuverdienstprojekt arbeiten. Jede Mitarbeiterin oder Mitarbeiter arbeitet maximal 14,99 Stunden pro Woche, so lautet die Vorgabe des Bezirks Oberbayern als Geldgeber. Einen Arbeitslohn gibt es nicht, dafür die „Motivationszulage“ von 1,60 Euro pro Stunde. „Es ist eine sinnstiftende Aufgabe“, sagt Anna Etzold, Geschäftsführerin der Germeringer Insel. „Damit können diese Menschen wieder Anschluss finden.“ Sie leben von ihrer Erwerbslosenrente aufgrund ihrer Erkrankung. Drei der vier Beschäftigten sind Mitte 20 bis Mitte 30 Jahre alt. Eine ältere Dame arbeitet bereits seit 2018 im Café.

Etzold sucht noch weitere Menschen für das Projekt. Sechs Stellen mit maximal 14,99 Stunden pro Woche stellt der Bezirk Oberbayern zur Verfügung, allerdings nur für Menschen mit psychischer Erkrankung.  Die Arbeitsbereiche sind einfache hauswirtschaftliche Tätigkeiten in Küche und Catering, an der Theke und im Servicebereich. Die Arbeitszeiten seien flexibel, sagt Etzold und denkt dabei auch an junge Menschen, die eine befristete Erwerbsunfähigkeit haben. Die Germeringer Insel stehe als ständiger, räumlich naher Ansprechpartner bereit, auch mit einem großen Netzwerk zur Unterstützung der Beschäftigten, verspricht die Geschäftsführerin.

Die Gerichte wie das Kräuterschnitzel Wiener Art mit Kartoffel-Radieschensalat und buntem Gemüse kosten um die zehn Euro.
Die Gerichte wie das Kräuterschnitzel Wiener Art mit Kartoffel-Radieschensalat und buntem Gemüse kosten um die zehn Euro.
Niels P. Jørgensen

Dürftige Motivationszulage hin oder her: Das Mittagessen schmeckt. Es gibt Zucchini-Piccata in fruchtiger Tomatensauce mit grünen Tagliatelle und Rucula-Pesto, ein hübsch angerichtetes vegetarisches Gericht für 8,90 Euro. „Dienstags und donnerstags servieren wir vegetarisch, an den anderen drei Tagen ein Fleisch- oder Fischgericht“, erklärt Yordanov die Wochenspeisekarte. Mit der Resonanz ist er zufrieden, alle Tische sind heute besetzt. Die Preise der Gerichte bewegen sich um die zehn Euro. Ein halber Liter Wasser kostet 2,50 Euro, ein Bier 3,50 Euro. Eine Tasse Kaffee gibt es für 2,50 und einen Espresso für 1,80 Euro. Ein richtiges Schmankerl sind die frischen Torten, geliefert von der Konditorei „Blumenback“ in München. Für 3,30 Euro kann man sich etwa eine Spanische-Vanille-Torte oder eine Schwarzwaldkirschtorte schmecken lassen.

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