Germering:Blick in die Sterne

Lesezeit: 3 min

Felicitas Mokler

Alltag All: Die Autorin Felicitas Mokler beschäftigt sich seit ihrer Schulzeit intensiv mit dem Kosmos. Online berichtet sie auf "weltraumreporter.de" über Sterne und Planeten.

(Foto: Felicitas Mokler)

Felicitas Mokler ist Astrophysikerin und Wissenschaftsjournalistin. Die Faszination für das Weltall hat sie in der Sternwarte des Germeringer Max-Born-Gymnasiums gepackt. Jetzt erscheint ihr Buch über den Kosmos

Von Sonja Pawlowa, Germering

Befindet sich in Germering der Nabel des Weltalls? Zumindest in der Buchhandlung "Lesezeichen" leuchtet am Samstag ein Stern des Sachbuchhimmels. Am helllichten Vormittag wird dort ein hoch aktuelles Buch mit dem Titel "Astronomie und Universum - was wir über das Weltall wissen" signiert. Geschrieben hat es eine ehemalige Schülerin des Germeringer Max-Born-Gymnasiums: Felicitas Mokler, promovierte Astrophysikerin und Wissenschaftsjournalistin. Also eine Frau vom Fach, die weiß, wovon sie spricht. Die reich bebilderten Buchseiten enthalten qualifizierte Wissenschaft, allgemeinverständlich erklärt. Das ist notwendig, denn die Astronomie gehört zu den Naturwissenschaften und ist nicht jedem direkt zugänglich. Das Interesse an der Erforschung der Sterne ist so groß wie das Weltall, und doch ist der Wissensstand der meisten Menschen auf einem längst überholten Niveau. Fragen beantworten das Buch und die Autorin bei der Signierstunde.

Felicitas Mokler hat in London und München studiert. Sie arbeitete auch an dem großen Observatorium auf Teneriffa, das sich wegen der Lichtverschmutzung abseits der großen Städte, oben in den Bergen, befindet. Professionelle Beobachtungen des Sternenhimmels finden nicht mehr mit bloßem Auge statt. Riesige Spiegel werden über Computer justiert, die Beobachtungen aufgezeichnet und anschließend am Computer ausgewertet. Doch für die Forschung insgesamt ist neben Struktur und Genauigkeit eben auch Kreativität erforderlich. Wie beim Kochen oder Backen müssen die Grundlagen, die Koordinaten stimmen. Wenn das Rezept auf Eiern basiert, wird der Teig nichts, wenn man sie weglässt. So ist das auch mit Himmelspositionen oder der richtigen Uhrzeit bei der Beobachtung eines Objekts. Ohne die richtigen Koordinaten keine Erkenntnis. Ohne Zuckerguss kommt die Wissenschaft nicht weiter.

Doch wie stellt sich der Laie einen Astrophysiker vor? Wie einen verrückten Nerd, wie Sheldon Cooper aus der Serie Bigbangtheory? Astronomen sind Individualisten, sagt Mokler. Einen speziellen Dresscode gibt es nicht. Sie liest gern, aber Science Fiction trifft nicht ihren Geschmack. Überhaupt sind es nicht Geschichten und Romane, die sie faszinieren, sondern die Wissenschaft. Ihre Außerirdischen sind keine kleinen grünen Männchen. Für wahrscheinlich hält Mokler Lebensformen auf einer mikrobiologischen Ebene. Ob uns Zivilisationen aus weit entfernten Ecken des Weltalls je erreichen könnten, bezweifelt die Autorin. Die Faszination liegt für sie sowieso nicht in bemannter Raumfahrt.

Akademischer als Astronomie geht es wohl kaum, denn bei der Astronomie handelt es sich um Grundlagenforschung. Wer sich fragt, ob es sich für den Steuerzahler rechnet, wenn die Forschung der Max-Planck-Gesellschaft aus öffentlichen Mitteln finanziert wird, der hat noch nie das Firmament gesehen. Der Blick in den Sternenhimmel flößt Ehrfurcht ein und tat dies schon in grauer Vorzeit. Der Wunsch der Menschheit, herauszufinden wie die Welt funktioniert und welche Rolle wir im Universum spielen, ist offenbar ein Grundbedürfnis, das immer weiter in neue und unbekannte Dimensionen führt.

Allein die Namen der Phänomene wie "Brauner Zwerg" oder "Schwarzes Loch" klingen dem Laien im Ohr. Wer allerdings mehr wissen möchte, dem liefert das Buch "Astronomie und Universum" deutlich mehr Hintergrundwissen als für einen intellektuellen Party-Smalltalk nötig wäre: galaktische Archäologie und Geschichte der Kosmologie. Es überrascht, dass Kepler und Newton noch immer nicht überholt sind.

Astronom zu werden erfordert Ausdauer, vom Physikstudium über die Diplomarbeit bis zur Promotion. Und danach wechselt ein Astronom alle zwei Jahre Wohnort und Forschungsprojekt. Deshalb hat sich Felicitas Mokler aufs Schreiben verlegt. Als ehemalige Pressesprecherin des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik ist sie heute als Journalistin und Mitgründerin der weltraumreporter.de nach wie vor den neuesten Erkenntnissen über das Universum auf der Spur. Und deshalb gibt es in ihrem Buch in jedem Kapitel eine verständliche Begriffserklärung und nicht eine einzige Formel. Zielpublikum sind Interessierte ab der Oberstufe.

Gerade in Germering und am Max-Born-Gymnasium wird Felicitas Mokler sicher zur Standardlektüre werden. Astronomie und Forschung stellen das Herzstück der Schule dar. Der Namenspatron Max Born, Nobelpreisträger, Kollege und Zeitgenosse Albert Einsteins und Werner Heisenbergs, lenkt das Interesse wie selbstverständlich auf Themen wie etwa die Astronomie. So war es auch bei Felicitas Mokler. Schon in ihren Kindertagen begleitet sie ihr Vater zu Vorträgen in der Sternwarte des Gymnasiums, weil sie den Kosmos spannend fand. Die Faszination des Sternenhimmels währt für sie bis heute. "Astronomie ist ein Kulturgut wie Kunst und Musik," sagt Mokler. Sie liebt klassische Musik und spielt Querflöte. Wegen der aktuellen Corona-Lage musste die ursprüngliche Idee einer Buchvorstellung mit Musik einer bloßen Signierstunde weichen. In jedem Fall bietet eine Buchhandlung einer Frau, die gern liest, ein gutes Ambiente.

Buchhandlung Lesezeichen, Untere Bahnhofstraße 50, Signierstunde Felicitas Mokler, 27. November, 10 bis 11 Uhr

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