Die Begeisterung ist Jürgen Biffar sofort anzumerken, als er vor dem Rohbau des riesigen Gebäudes in Germering steht und mit der Hand auf das große Transparent mit der Abbildung des zukünftigen Bildungshauses deutet. „Bildungsquartier“ steht etwas lapidar darauf; es ist sicher viel mehr. Auf mehr als 7000 Quadratmetern entstehen diverse Nutzungen für digitale Bildung und Co-Working-Arbeitsplätze. Die Germeringer Volks- und Musikschule wird einziehen, eine Pflegeschule ihre Ausbildungen dort abhalten. Im dritten bis fünften Stockwerk des Gebäudes wird Wohnen stattfinden, insgesamt werden dort 38 Eigentums- und Mietwohnungen Platz bieten, davon 30 Prozent öffentlich gefördert.
Jürgen Biffar und seine Frau Michaela Wienke hatten das ziemlich genau in der Stadtmitte liegende Grundstück des ehemaligen Möbelhauses Grollmus an der Landsberger Straße im Jahre 2020 erworben. Der Kauf lief über die gemeinnützige Stiftung zur Förderung digitaler Bildung des Ehepaares. Jürgen Biffar hatte 2019 das Germeringer Unternehmen Docuware, das er schon als Student 1988 mitbegründet hatte, verlassen, seine Anteile verkauft und den Erlös teilweise in die Stiftung eingebracht. Dann kam mit dem Starnberger Unternehmen Ehret & Klein AG ein großer Player hinzu.
Die Investment- und Immobilienentwicklungsgesellschaft erwarb das Nachbargrundstück und ein sehr großes Gebäude mit vielen Nutzungen wurde geplant. Mit dem stattlichen Bereich Wohnen soll natürlich die Wirtschaftlichkeit des Projektes gesichert werden. Eine Angabe zum Investitionsvolumen möchte das Unternehmen nicht machen; es wird sicherlich im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen. „Unser Konzept sind vielfältige Bildungsnutzungen, wir wollten nicht nur typisches Gewerbe und Büros dort platzieren“, bekräftigt Peter Lehr, Pressesprecher von Ehret & Klein.
So kann der heute 62-jährige Biffar, aufgewachsen in Germering und einst Vorsitzender des örtlichen Gewerbeverbandes, sein Herzensprojekt, wenn man so will, im Haus umsetzen. Er war bereits einige Jahre zuvor Unterstützer der sogenannten „Girls Technik Camps“ gewesen. Daraus entstand mit seiner Hilfe und Expertise der Germeringer „DigiClub“, der Mädchen und dann auch Jungen die Chance bot, die digitale Welt in all ihren Facetten, inklusive 3D-Druckern, Programmieren von Software und Elektrotechnik, kennenzulernen.

Im Bildungsquartier schaffen Biffar und Wienke mit ihrer Stiftung jetzt für den Digi-Club so etwas wie ein „Vereinsheim“ – ein ständiges Zuhause. 500 Quadratmeter Fläche stellen sie im zweiten Stock als Eigentümer zur Verfügung. Zwei Drittel der Fläche sind für den Club reserviert, dazu gibt es noch einen „Maker Lab Germering“. Das ist etwas für Bastler und Handwerker, auch mit einem professionellen Anspruch. „Das ist perfekt für junge Menschen, die ihre handwerklichen und technischen Fähigkeiten ausprobieren möchten“, schreibt Biffar in seinem Flyer – „auch für Profis oder Start-ups.“ Die maschinelle Ausstattung dafür ist enorm, sie reicht vom Lasercutter über die digitale Stick- und Nähmaschine oder Hobelbank bis zum 3D-Drucker und dem Power-PC.
Im Erdgeschoss entsteht ein großer Raum für sogenannte „Co-Working-Spaces“ mit Café. Benedict Padberg mit seiner Firma Interlink Space wird diesen Bereich als Eigentümer betreiben und blickt dabei auf fast zehnjährige Erfahrung zurück. Hier können sich Berufstätige, Selbständige oder alle, die kein eigenes Büro haben, tages-, monatsweise oder länger einmieten. Ein weiterer Eigentümer sind die Heimerer Schulen aus München, die in Germering zukünftig Pflegefachkräfte ausbilden und für ihre Schülerinnen und Schüler dort Wohnungen bereithalten werden. So etwas wie großer Jubel herrscht vor allem bei der Germeringer VHS. Für sie ist die jahrzehntelange Enge vorbei, sie kann sich künftig auf über 800 Quadratmetern ausbreiten, die die Stadt für sie angemietet hat. Die VHS bringt nicht nur ihre Verwaltung im neuen Haus unter, sie findet dort auch Platz für ihre Seminare und Veranstaltungen.

Auch ein Restaurant soll ins Haus einziehen und für Gastlichkeit sorgen. Gebaut wird mit beachtlichem Tempo seit gut einem Jahr. „Die Fertigstellung hat sich um ein halbes Jahr verzögert“, erklärt Stefan Föhring, Bauleiter des Bremer Bauunternehmens Zech Bau mit großer Niederlassung in München. „Das Grundwasser hat sich als größeres Problem dargestellt als gedacht“, erläutert Föhring. „Wir mussten umplanen und Spundwände um die komplette Baugrube herum anbringen.“
Das Gebäude wird jetzt, so die Ansage der Baufirma, Anfang Dezember dieses Jahres bezugsfertig sein. Auch die 23 Eigentumswohnungen – Ein- bis Fünfzimmerwohnungen zum Preis von etwa 10 000 Euro pro Quadratmeter – sollen dann möglichst alle verkauft, ebenso weitere 15 Wohnungen vermietet sein. Besonders stolz ist Jürgen Biffar beim Rundgang auf die große Terrasse mit Grünfläche und Spielplatz im dritten Stock mit Alpenblick, die auch öffentlich zugänglich sein soll. Und er schwärmt weiter: „Das Haus ist wirklich ein Vorbildprojekt.“

