Mehr Aufenthaltsqualität in der Germeringer Innenstadt: Dieses Ziel verfolgt der Stadtrat seit längerer Zeit. Der gelungene Umbau des Kleinen Stachus ist ein Beispiel dafür, dass dies gelingen kann. Nun soll auch der direkt anschließende Teil der Unteren Bahnhofstraße bis zur S-Bahn-Unterführung attraktiver werden. Ideen dafür sammeln die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wiener Kollektivs "Raumstation" in dieser Woche direkt in der Einkaufsmeile. Einwohner von Germering können sich an dieser Ideensammlung direkt beteiligen, durch die Teilnahme an einem Workshop oder in Gesprächen mit den Stadtforschern an deren Stand vor einem Optikergeschäft.
An dem roten Stand mit der Aufschrift "Institut für Wertschätzung" sind am frühen Dienstagnachmittag Lilly Seiler, Sarah Zelt und Maximilian Kastens anzutreffen. Sie nennen sich Stadtforscher, haben Geografie, Architektur oder Raumplan studiert oder tun dies noch. Ihre Aufgabe besteht darin, Wünsche und Anliegen von Passanten, Geschäftsleuten und Schülern zu sammeln. Dabei geht es beispielsweise um Gefahren im Straßenverkehr, wie sie von den Kindern empfunden werden, wenn sie zur nahe gelegenen Kleinfeldschule radeln. Am Mittwoch ist das eines der Themen des Workshops mit einer vierten Klasse aus der Schule.
Bewohner werden zu Forschenden
Workshop-Teilnehmer sollen auch selbst zu Forschenden werden. Dazu erhalten sie die Gelegenheit, Lautstärke und Frequenz des Straßenverkehrs zu messen oder die Entfernung zur nächsten Tiefgarage zu schätzen. Bewohnerinnen und Bewohner von Germering sollen ein Gefühl für die Innenstadt bekommen, sagen und erfahren, was sie an diesem Raum schätzen und was sie nicht mögen. Mit Hilfe von grünen und roten Fähnchen können Passanten auf einem Plan der Straße Bereiche markieren, an denen sie Veränderungen möchten oder die sie für gelungen halten. Am Kleinen Stachus, dort, wo der Brunnen sich befindet, stecken bereits drei grüne Fähnchen.

Gleichzeitig wollen ihnen die Stadtforscher auch zeigen, was sich mit dem Straßenraum anfangen lässt. In diesem ist mehr möglich als eine Fahrbahn, Parkplätze und Gehwege. Gleich neben dem Stand sind rote Holzhocker und ein abgesperrter Bereich zu sehen. Dieser hat die Größe von zwei Parkplätzen und bietet mehreren Passanten Sitzgelegenheiten. Seiler weist auf den Bereich hin. Sie will zeigen, was aus Parkplätzen gemacht werden könnte.
Mobiliar soll bleiben
Mobiliar selbst bauen, das können Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Workshops am Samstag zum Abschluss der Aktionswoche (Beginn um 12 Uhr). Als Grundlage sollen die gesammelten Erfahrungen und Bedürfnisse aus den anderen Workshops und den Befragungen dienen. Das Stadtmobiliar solle als "sichtbares Ergebnis" am Ort verbleiben, heißt es in einer Pressemeldung der Stadt zu der Aktionswoche. Doch dabei soll es nicht bleiben. Die Ergebnisse dienen auch für die Planungen, denn die Untere Bahnhofstraße soll in ein paar Jahren saniert und umgestaltet werden, damit sich Passanten sowie Kundinnen und Kunden der Geschäfte dort lieber aufhalten als bislang.
Informationen zu den Workshops gibt es im Internet unter raumstation.org/germering . Dort können sich Interessenten auch anmelden.
