Höchste Geheimhaltung war angesagt. Der Germeringer CSU-Ortsvorsitzende Marcus Breu hatte den Prozess der Kandidatenfindung für das Oberbürgermeisteramt in der CSU für die Kommunalwahl im März 2026 bereits vor zehn Monaten auf den Weg gebracht. Nachdem der amtierende Rathauschef Andreas Haas (CSU) seine „Schreckensnachricht“ verkündet hatte, dass er nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehen wird. Wie viele OB-Bewerberinnen und -Bewerber würden Breu und seine organisatorischen Mitstreiterinnen Sandra Andre und Eva Kuchler nun der CSU-Wahlversammlung am Donnerstagabend präsentieren?
Es ist genau einer: Johannes Kirmair. „Johannes wird mit 67 von 68 Stimmen zum OB-Kandidaten der CSU gewählt“, verkündet der Brucker Landrat Thomas Karmasin (CSU), der als Wahlleiter fungiert, das Ergebnis der geheimen Wahl.
Großer Jubel brandet im Saal auf. Die Parteimitglieder erheben sich von den Sitzen und applaudieren lange. Dass der gewählte Kandidat Kirmair ist, der erst seit viereinhalb Jahren für die CSU im Stadtrat sitzt, ist eine Überraschung. Ortsvorsitzender Breu hat einleitend berichtet, dass er von Februar bis April dieses Jahres geeignete Kandidaten aus der CSU dazu aufgefordert habe, sich bei ihm zu melden. „Im Mai und Juni haben wir sie dann gesichtet“, sagt Breu weiter, ohne zu erwähnen, wie viele Kandidaten es denn waren. Von Juli an habe man in Treffen mit dem CSU-Vorstand und den parteinahen Organisationen die Kandidatur von Johannes Kirmair festgeklopft.
Die CSU stellt in Oberbayern nur fünf von zehn Oberbürgermeistern
„Es ging darum den besten Kandidaten zu finden, der gute Chancen hat zu gewinnen“, sagte Breu eingangs. „OB ist eine komplexe und herausfordernde Rolle und niemand ist zum OB geboren.“ Und die CSU sei in Bayern gar nicht so erfolgreich, was die OB-Posten betrifft. Von 29 wären nur zwölf durch die CSU besetzt und in Oberbayern nur fünf von zehn. So sei die Verteidigung der OB-Position in Germering für die CSU eine große Aufgabe. Die nächste Kommunalwahl in Bayern findet 2026 statt.
Nachdem auf Aufforderung von Wahlleiter Karmasin nur der Name Johannes Kirmair vom Stadtratskollegen Franz Senninger vorgeschlagen wird, gibt es sofort ausführliche Unterstützungsreden für den Kandidaten aus der Versammlung. Senninger übernimmt das auch gleich selbst, indem er Kirmair als geeignet bezeichnet, gerade weil er jung sei. „Alter und Mandat – das passt gut“, bekräftigt Senninger. Auch sei Kirmair als Landwirtschaftsmeister berufstätig. Senninger ist sicher; „Das ist ein Pluspunkt.“ Auch Wolfgang Andre, 37 Jahre im Stadtrat und ehemaliger zweiter Bürgermeister in Germering, betont, dass Kirmair aus einer Familie stamme, die schon lange in Germering verwurzelt sei. „Johannes kann gut mit den Leuten, ist sehr kommunikativ und redet gerne“, lobt ihn Andre. Dafür gibt es Beifall der CSU-Mitglieder.

Da ist die Kandidatenrede dann auch nur noch Formsache. „Wohltuend, das zu hören“, sagt Kirmair und bedankt sich für diesen Zuspruch. Er ist 31 Jahre alt und vor zwölf Jahren in den elterlichen Betrieb eingestiegen. Der „Stanishof“ an der Augsburger Straße ist sein Zuhause. Er betreibt die Schweinemast mit den Schwäbisch-Hällischen Landschweinen an der B 2 zwischen Germering und Puchheim-Ort. Dazu kommt noch eine Menge Felderwirtschaft und „etwas Wald am Parsberg“, wie er sagt. Werde er gewählt, wird er einen Mitarbeiter für die Landwirtschaft einstellen. „Ich lebe in Germering und es ist auch nicht zu eng für mich“, hat er der Versammlung zuvor mitgeteilt.
In seiner Rede fällt er oft ins Bairische, das klingt sympathisch. Selbstvertrauen hat ihm die vergangene Stadtratswahl gegeben, als er von Platz 19 auf Platz vier emporgehoben wurde. Als Jugendreferent hat er sich im Stadtrat bereits einen Namen gemacht. „Ich will mich reinhängen, zupacken und Germering etwas besser machen“, verspricht er den CSU-Mitgliedern. Er weiß aber auch: „Die Fußstapfen nach Andreas Haas sind sehr groß.“ Der Noch-OB gratuliert Kirmair sehr herzlich und erinnert ihn daran, dass er gegebenenfalls einen langen Atem haben muss – auch im Wahlkampf. Hat es doch für Haas erst 2008 im dritten Anlauf geklappt.


