Erleuchtung Abschied vom Advent

Neue Beleuchtung: So könnte die Untere Bahnhofstraße (Blick in Richtung S-Bahn) im kommenden Winter aussehen. Animation: MK Illumination/Oh

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Weil Germering Weihnachtsmotive für überholt hält, kauft sich die Stadt eine neue Winterbeleuchtung für die Einkaufsmeile

Von Andreas Ostermeier, Germering

Die Stadt Germering putzt sich heraus. Sie möchte auf ihre Bewohner attraktiver wirken und diese dazu verführen, sich länger in den Straßen der Innenstadt aufzuhalten. Deshalb wird gerade der Kleine Stachus umgebaut. Anstelle der riesigen Asphaltwüste soll es bald einen Platz geben, an dem man sich gerne aufhält. Untere Bahnhof- und Otto-Wagner-Straße sollen zu einer Einkaufsmeile werden, in der so mancher Euro mehr ausgegeben werden soll als bislang. Um die Attraktivität des Straßenzugs zu steigern, bestellt die Stadt auch eine neue Beleuchtung für die dunkle Jahreszeit. Mit Hilfe von LED-Technik soll die Einkaufsmeile in heimeligem Licht erstrahlen und den Germeringern Lust machen, sich dort aufzuhalten und dabei auch in das eine oder andere Geschäft zu gehen, um Weihnachtseinkäufe zu erledigen.

Das Weihnachtliche allerdings wird "Celebration" fehlen. So heißt die neue Beleuchtung. Sie besteht aus Kugeln, die aussehen, wie aus Rattan geflochten. Die Lampen werden in den Kugeln angebracht, wegen der durchbrochenen Oberfläche spaltet sich der herausdringende Lichtstrahl auf. Sterne oder gar Engel wird man an den neuen Lichterketten allerdings vergeblich suchen. Die Verwaltung spricht nicht mehr von einer Weihnachts-, sondern von einer Winterbeleuchtung. Die bisherigen Lichter bezeichnet sie als "nicht mehr zeitgemäß", für die neuen Lichterketten sei "explizit nach Wintermotiven und nicht nach klassischen Weihnachtsmotiven" gesucht worden, heißt es in der Vorlage für die Stadträte - ein kleiner Abschied von Weihnachten also bei der Beleuchtung für die Adventszeit.

Die Kugel-Beleuchtung soll viel länger an den Laternenmasten angebracht bleiben, als das mit Engeln und Sternen möglich ist, weil diese nach Weihnachten bald deplatziert wirken. Von Mitte November bis Ende Januar will die Stadt die zusätzliche Straßenbeleuchtung künftig strahlen lassen, einen Zusammenhang mit der Adventszeit gibt es nicht mehr. Wie lange den Germeringern "Celebration" gefallen wird, ist allerdings noch offen. Möglicherweise sehen sie sich schon früher an den Kugeln satt, als Stadtspitze und Gewerbe im Moment denken.

Etwa 80 000 Euro kostet die neue Beleuchtung. Die Stadt kann das nicht alleine bezahlen, sie hat im Haushalt nur kümmerliche 8000 Euro vorgesehen. Doch das bedeutet nicht das Aus für den Lichterschmuck. 24 000 Euro kann die Stadt für die Beleuchtung aus der Städtebauförderung des Staates bekommen. Das macht dann insgesamt schon 32 000 Euro. Was den Restbetrag angeht, hofft die Stadt auf eine finanzielle Unterstützung durch die Kaufmannschaft. Sollte die kräftig spenden, dann kann sich Germering die große Lösung leisten. Die macht es möglich, dass neben den Straßenlaternen auch Bäume mit den LED-Kugeln geschmückt werden können. Ein Geschäftsinhaber kann sich auf diesem Weg einen Teil der neuen Beleuchtung direkt vor seinen Laden holen. Kommen die 80 000 Euro hingegen heuer nicht zusammen, dann fällt der Lichterschmuck geringer aus, allerdings kann er in den nächsten Jahren ergänzt werden.