Noch in diesem Jahr wird am Standort des Abfallheizkraftwerks im Olchinger Stadtteil Geiselbullach nach Erdwärme gebohrt. Mit einem symbolischen Spatenstich wurde das Projekt nun offiziell gestartet. Erstmals in Deutschland wird dabei für die Energiegewinnung Geothermie mit thermischer Abfallverwertung kombiniert. Für den Landkreis Fürstenfeldbruck ist es das erste Geothermie-Vorhaben, das in die Tat umgesetzt wird. Im Landkreis Dachau gibt es konkrete Pläne in Dachau-Nord und Karlsfeld-Nord am Werk von MAN.
Dachau sitzt aber auch in Geiselbullach mit im Boot, denn das Kommunalunternehmen für Abfallwirtschaft (GfA), das das Geothermieprojekt initiiert hat, führen die Nachbarlandkreise Fürstenfeldbruck und Dachau gemeinsam. Die Kreisgrenze verläuft quer durch das Firmenareal, und die beiden Punkte, an denen die Bohrungen realisiert werden, liegen gar nicht auf Geiselbullacher, sondern auf Bergkirchener Grund, der zum Kreis Dachau gehört.
Es ist ein interkommunales Projekt, dem die politischen Vertretungen der beiden Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau zustimmen mussten. Eine Tochtergesellschaft mit Namen Amperland Thermalwärme GmbH wurde gegründet, damit sich die finanziellen Risiken am Ende nicht auf die Bürger und die von ihnen zu entrichtenden Müllgebühren auswirken können. Dachaus Landrat Stefan Löwl (CSU) spricht deshalb bei dem kleinen, vom Regenwetter getrübten Festakt von einer „Investition in die Zukunft“, die aus dem GfA endgültig einen „Energiestandort“ mache: „Energie ist das, was wir hier brauchen, um unseren Lebensstandard und Wohnstand zu erhalten.“
Das Geothermieprojekt am Standort Geiselbullach hat den Vorteil, von Anfang an in die vorhandene Infrastruktur des als Industriegebiet klassifizierten GfA-Geländes eingebettet zu sein und diese nutzen zu können. Später soll die Förderpumpe mit Strom betrieben werden, der aus der dortigen Abfallverbrennung gewonnen wurde. Sobald dann Wärme aus der Tiefe gefördert wird, soll diese in die bestehende Fernwärmeinfrastruktur integriert werden.

Zunächst aber muss die Erdwärme aufgefunden werden. Dazu wurden die beiden Bohrpunkte auf dem Asphalt des ehemaligen Lagerplatzes im hinteren Bereich des Geländes jeweils mit einem kleinen roten Kreis angezeichnet – unweit des Erdhaufens, der zum symbolischen Spatenstich taugte. Ausführen wird die Arbeiten als Generalunternehmer die Firma Daldrup & Söhne, ein führender Anbieter von Bohr- und Umweltdienstleistungen in Deutschland, der kürzlich eine große EU-weite Ausschreibung für gleich sieben Geothermiebohrungen in Pullach im Landkreis München gewann. Daldrup sei in Geiselbullach der „Wunschauftragnehmer“ gewesen, sagt Thomas Buranj vom GfA-Vorstand der SZ: „Wir wollten eine Bohrfirma haben, die schon in der bayerischen Molasse gebohrt hat.“
Die Geothermie gilt als wichtiger Baustein für die Energie- und Wärmewende, weil sie unabhängig von Witterung, Tages- oder Jahreszeit und quasi unerschöpflich ist. In einer Kalksteinschicht, die in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau etwa 2000 Meter tief unter der Erdoberfläche liegt, zirkuliert Wasser, das etwa 70 Grad heiß ist. Es wird in einem geschlossenen System aus einer Förder- und einer Injektionsbohrung an die Oberfläche geleitet und anschließend wieder in die Entnahmeschicht zurückgeführt. Entnommen wird am Ende nicht das Wasser, sondern nur die enthaltene Wärme. Tiefengeothermie sei vor allem für die energieeffiziente zentrale Wärmeversorgung in Ballungszentren geeignet, „da die Anlagen nur wenig Fläche benötigen und leise arbeiten“, heißt es im kürzlich fertig gestellten Energienutzungsplan für den Landkreis Fürstenfeldbruck.
Ausgeführt werden sollen die beiden Bohrungen mit Längen von etwa 2400 und 3300 Metern von Dezember 2025 bis Mai 2026. Die Kosten betragen etwa 17 Millionen Euro.

Das Projekt wurde in den vergangenen Jahren vor allem von Thomas König vorangetrieben, der fast 25 Jahre lang an der Spitze des GfA stand. Seit kurzem ist er in Rente, führt aber als Geschäftsführer der Amperland Thermalwärme das Vorhaben fort. Olchings Zweiter Bürgermeister Maximilian Gigl (CSU) erinnert noch daran, dass das Geiselbullacher Projekt seit 2023 „in der Kürze der Zeit und ohne großen Gegenwind“ vorangetrieben werden konnte. Ganz im Gegensatz zu einem Geothermieversuch in Puchheim, den vor sieben Jahren ein Bürgerentscheid zu Fall brachte. Inzwischen haben sich die Städte Puchheim und Germering mit den Stadtwerken München für ein eigenes Geothermievorhaben zusammengeschlossen.


