Gemüseanbau mit Müll-Wärme Alles auf Rot

Aus der Olchinger Müllverbrennungsanlage verpufft jedes Jahr Energie mit einem Heizwert von 19 Millionen Liter Öl. Ein Gemüsebauer will sich das nun zu Nutze machen - und plant neben den Müllöfen den Bau von Bayerns größtem Gewächshaus.

Von Gerhard Eisenkolb

Es wäre die größte Anlage von Gewächshäusern und es wäre mit Sicherheit die ungewöhnlichste: Direkt neben der Müllverbrennungsanlage der Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau sollen in Olching auf einer Fläche von 11 bis 20 Hektar Glashäuser entstehen, die mit der Abwärme der MVA beheizt werden sollen. Jährlich verpufft dort Energie mit einem Heizwert von rund 19 Millionen Litern Öl in die Atmosphäre. Zudem soll das Kohlendioxid aus dem Abgas der Öfen für den Anbau von Tomaten genutzt werden.

Jeder Deutsche isst im Schnitt 23,5 Kilo Tomaten im Jahr - doch nur ein Bruchteil der Früchte kommt aus heimischem Anbau (hier: Tomaten in einem Gewächshaus auf der Insel Reichenau). Diese Marktlücke will jetzt ein Landwirt aus Schwabhausen nutzen.

(Foto: dapd)

Gemüsebauer Franz Pastari aus Schwabhausen hat die Pläne entwickelt und eine entsprechende Bauvoranfrage im Olchinger Rathaus eingereicht. Betreiben will er die Anlage mit einem holländischen Partner. Niederländer sind führend beim Bau und Betrieb von Gewächshäusern. Sie experimentieren auch mit der Gewinnung von Kohlendioxid aus den Abgasen von Müllverbrennungsanlagen.

Der Anreiz, heimische Tomaten unter Glas zu produzieren und regional zu vermarkten, sei groß, sagt Theo Däxl, Gemüsereferent beim Bayerischen Bauernverband (BBV). Jeder Deutsche verzehrt pro Jahr im Durchschnitt 23,5 Kilogramm Tomaten. Andererseits ist die Versorgung mit inländischen Produkten niedrig. 2005 stammten laut BBV gerade mal 7,5 Prozent der Tomaten aus heimischer Produktion.

2009 wurde in Bayern auf 284 Hektar Gemüse unter Glas angebaut. Für Tomatenkulturen standen vor zwei Jahren in Deutschland unter Glas insgesamt 316 Hektar zur Verfügung. Seit einiger Zeit möchte der Bauernverband Landwirte dazu bewegen, die Abwärme von Biogasanlagen zum Heizen von Gewächshäusern zu nutzen. Der Erfolg war bislang mäßig: Kaum ein Landwirt investiere in diese Nische, sagt Gemüsereferent Däxl.

Genau hier setzt Gemüsebauer Pastari an. Seine Tomaten aus Olching will er als regionales Produkt über eine Supermarktkette in einem Umkreis von hundert Kilometern in der gesamten Region München vermarkten. Da der Schwabhausener schon auf 60 Hektar im Freien und in einem Gewächshaus Gemüse produziert, habe er genügend Kontakte zu Abnehmern, sagt er. Da die Früchte nicht tagelang durch Europa kutschiert werden müssten, könnten sie reifer geerntet werden und hätten damit einen besseren Geschmack, glaubt BBV-Gemüsereferent Däxl.

Allein: Ob der Olchinger Stadtrat dem Projekt zustimmt. Bürgermeister Andreas Magg lehnt die "Tomantengroßfabrik" zwischen Stuttgarter Autobahn, Amper, Klärwerk und Müllöfen ab. Das Bauvorhaben widerspreche dem Bebauungsplan und dem restriktiven Umgang mit dem landschaftlich geschützten Moos. Zudem bringe der Gemüseanbau unerwünschten Verkehr. Die Aussicht auf zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen und 60 bis 70 neue Arbeitsplätze stimmen Bürgermeister Magg jedenfalls nicht um.

Pastari wiederum behauptet, nicht auf die Stadt angewiesen zu sein, weil es sich um ein privilegiertes landwirtschaftliches Vorhaben handle. Magg wiederum spricht von einem ganz normalen Gewerbebetrieb. Sollte der Gemüsebauer nicht in Olching landen, könnte er versuchen, einige hundert Meter weiter im Landkreis Dachau auf Bergkirchener Flur bauen. Vorgespräche dazu soll es schon gegeben haben.

Würde der Tomatenanbau in Bergkirchen genehmigt, hätten die Olchinger das Nachsehen. Sie müssten zusätzlich zu den Müllfahrzeugen auch die Tomatentransporte ertragen.