SchöngeisingEine Eiche als Zeitzeuge

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Eine Baumscheibe der Taferleiche ist im Foyer des Schöngeisinger Gemeinschaftshaus es zu sehen.
Eine Baumscheibe der Taferleiche ist im Foyer des Schöngeisinger Gemeinschaftshaus es zu sehen. Carmen Voxbrunner

Jahresringe dienen bei einem Kunstprojekt im Gemeinschaftshaus als Bindeglied zwischen der Geschichte im Dorf und in der weiten Welt. Zudem werden Fotos ausgestellt.

Von Manfred Amann, Schöngeising

Die mit viel ehrenamtlichen Leistungen errichtete Mehrzweckhalle ist vor einem Jahr unter dem Titel „Aufgsperrt is“ mit einer Veranstaltung mehrerer Vereine eröffnet worden. Nun haben engagierte Schöngeisinger geholfen, das Gemeinschaftshaus auch innen schöner zu machen. Acht beeindruckende und stimmungsvolle Fotos mit Motiven aus und um das Dorf an der Amper schmücken fortan das „Stüberl“. Und im Foyer setzt das Kunstprojekt „Ein Schöngeisinger Baum erzählt – Dorfgeschichte 1648-2024“ bedeutende Ereignisse der Weltgeschichte mit dörflichen zeitlich in Beziehung. Im Mittelpunkt steht dabei die Scheibe eines mehr als 300 Jahre alten Eichenstamms. „Bei der Eröffnung waren die Wände nackt“, sagte Eva Gauck, bei der offiziellen Übergabe der Verschönerungsobjekte, zu der einige Blasmusiker aufspielten. Mit dem Vorstand des Kulturvereins Schöngeising (Kusch) habe sie daher einen Fotowettbewerb angeregt, der gut angenommen worden sei. Vorgabe war es, Motive aus dem Gemeindebereich und dem Leben im Dorf festzuhalten.

Fotos zeigen malerische Ansichten oder beleuchten Wegmarken der Ortsgeschichte.
Fotos zeigen malerische Ansichten oder beleuchten Wegmarken der Ortsgeschichte. Carmen Voxbrunner

Knapp 70 Fotos sind von 45 Bürgern eingereicht worden, auf denen schöne Blicke und bezaubernde Momente zu sehen sind: Die ist die Amper mit Uferbereich und das Kraftwerk. Oder das Dorf in Abendstimmung sowie unter Wolkenformationen. Da wird gefeiert am Osterfeuer. Da sind Fernsehturm und Pfarrkirche, die sich im Wasser spiegeln, die Holzbrücke über dem Fluss im Raureif. Eine Jury aus drei Kusch-Vorstandsmitgliedern und einem Profifotografen hat daraus acht ausgewählt. „Das erste Ergebnis der Sichtung hätte unterschiedlicher nicht sein können, denn jeder Juror hatte zunächst seine persönliche Auswahl getroffen“, erzählt Eva Gauck. Schließlich habe man sich geeinigt, darauf zu achten, dass es zu keinen „Dopplungen“ in den Motiven kommt und dass die Bilder mit Schönheiten, Ereignissen aus und um das Dorf möglichst frei von Bezügen zu Vereinen oder Personen darstellen. Die ausgewählten Bilder, die jetzt großformatig an der Wand im Stüberl hängen, stammen von Christian Gmeiner, Heike Horlacher, Roland Kutka, Kurt Löffler, Stefan Meier, Helmut Specht und Martina Schreier. Bürgermeister Thomas Totzauer zeigte sich begeistert von der Vielfalt und lobte sowohl die Idee, einen Fotowettbewerb durchzuführen, als auch die rege Beteiligung der Bürger.

Eines der Bilder zeigt die Brücke über die Amper in winterlicher Landschaft.
Eines der Bilder zeigt die Brücke über die Amper in winterlicher Landschaft. Carmen Voxbrunner (Repro)

„Ich kann mir denken, dass es schwierig war, von all den tollen Motiven einige herauszufiltern, denn jedes Foto wäre geeignet, die Wände zu schmücken“, befand der Gemeindechef. Auch Kusch-Chefin Stefanie Eickemeier und ihr Stellvertreter Gunter Schreier sprachen von einer nicht leichten Aufgabe. Besonders lobenswert sei aus Sicht der Gemeinde, dass der Verein auch die Kosten für den Wettbewerb übernommen habe, so Totzauer.

Große Aufmerksamkeit der rund 50 Gäste erfuhren Helmut Asam und Ulrich Nußbaum, die ihr „Kulturprojekt Baumscheibe“ vorstellten. Um die Leistung der beiden Senioren zu würdigen, war Marleen Gernhold aus dem Finanz- und Heimatministerium gekommen. Das Ministerium hat das „besonders einfallsreiche“ Projekt mit 2000 Euro gefördert. Wie Nußbaum und Asam erzählten, musste 2023 an der Bundesstraße 471 die so genannte „Taferleiche“ gefällt werden, weil Teile morsch geworden waren und den Verkehr gefährdeten. Vom Stamm schnitten die Senioren dann eine 70 Kilo schwere Scheibe mit einem Durchmesser von einem Meter ab und zählten die Jahresringe. Es sind etwa 360. Eine dendrologische Untersuchung habe das hohe Alter dann bestätigt. Genau genommen sei die Eiche 1648 gepflanzt worden, erklärte Ulrich, also am Ende des 30jährigen Krieges. Seither habe der Baum „gewissermaßen viel erlebt“. So erfährt der Betrachter, dass der Baum schon mehrere Jahre auf dem Buckel hatte, als 1690 die Pfarrkirche gebaut wurde, und noch mehr, als 1891/92 das zweitälteste Wasserkraftwerk Deutschlands in Schöngeising entstand. „Wichtige Begebenheiten im Ort in die Weltgeschichte einzuordnen“ sei den beiden Senioren bestens gelungen, so Totzauer. Das Kulturprojekt sei eine Bereicherung für das Gemeinschaftshaus.

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