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Gemeinderat Maisach:Wählerwillen gut umgesetzt

Das neue Gremium präsentiert sich bei seiner ersten Sitzung als gute Mischung

Kommentar von Erich C. Setzwein

Noch wissen die Maisacher Wähler nicht, wie klug sie am 15. März entschieden haben. Doch nicht erst in sechs Jahren dürfte allen klar sein, wie wichtig und richtig ihre Wahl des Bürgermeisters und der Gemeinderäte gewesen ist. Die wenigen Zuhörer in der konstituierenden Sitzung am Montagabend sind die ersten, die vielleicht erahnen, welches politische Potenzial der neu zusammengesetzte Maisacher Gemeinderat hat und welche Signale er schon setzt. Die Maisacher haben eine Mannschaft gewählt, die einerseits mit viel Erfahrung und Kompetenz die Politik der vergangenen Amtsperiode ordentlich fortsetzt und die andererseits mit neuen Gesichtern und sicherlich vielen neuen Ideen zu einer Belebung des politischen Diskurses beitragen wird.

Dieser Gemeinderat ist als Abbild der sich verändernden Maisacher Gesellschaft zu sehen. Das Kräfteverhältnis darf als ausgewogen betrachtet werden. Auch wenn es in der Bürgermeister-Troika bedauerlicherweise keine Frau mehr gibt, so ist der Proporz gewahrt worden und Gernlinden hat weiter seinen "eigenen" Bürgermeister. Mit Roland Müller hat Hans Seidl einen Stellvertreter aus der eigenen Partei, der den Job schon lange und gut macht und keinerlei Einweisung mehr braucht, und in seinem SPD-Herausforderer Peter Aust einen erfahrenen Gemeinderat als weiteren Stellvertreter. Aber diese Führungspositionen bilden den Wählerwillen eben nicht genau ab. Aust hatte als Bürgermeister wie auch als Listenkandidat deutlich weniger Stimmen als seine Gegenkandidatin um den Dritten Bürgermeister, Grünen-Bürgermeisterkandidatin Christine Wunderl. Aber sie ist eben keine Gernlindenerin wie Waltraut Wellenstein von der SPD, die ihren Ortsteilbürgern weiter treu als Vertreterin dient.

Zwar werden Grüne wie auch Freie Wähler keine repräsentativen Aufgaben übernehmen, dafür aber haben sie wichtige Referate besetzen können. Das neue Mobilitätsressort liegt bei Barbara Helmers von den Grünen, und Gottfried Obermair ist wohl der beste Energiereferent, den sich das Gremium wünschen darf. Klug in der Umsetzung des Wählerwillens sind sicher auch weitere neue Referate wie das für Kreativwirtschaft und Gastronomie und das für Menschen zwischen 60 und 70 Jahren. Die Maisacher dürfen davon ausgehen, dass die Corona-Krise auch in ihrer Gemeinde spürbare Folgen haben wird. Aber diesem neuen Gemeinderat ist zuzutrauen, dass er darauf umsichtig, sozial und ökologisch nachhaltig reagieren wird.

© SZ vom 06.05.2020
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