Süddeutsche Zeitung

Gefragter denn je:Dauergast im Fernsehen und auf der Bühne

Die in Gröbenzell wohnende Schauspielerin Monika Baumgartner erhält den Oberbayerischen Kulturpreis

Von Julia Berghofer

Als Monika Baumgartner von ihrer Auszeichnung mit dem Oberbayerischen Kulturpreis erfuhr, dachte sie zuerst, da sei einer von "Vorsicht Kamera" unterwegs. Dass sie im nächsten September zusammen mit dem Regisseur Franz Xaver Bogner zur feierlichen Preisverleihung fahren wird, freue sie sehr, sagt sie. Damit gerechnet habe sie aber nicht. Auch nicht mit dem Rummel, der derzeit um ihre Person stattfindet. "Ich bin ganz baff. Fast jeden Tag bin ich mit einer Geschichte in der Zeitung".

Wirklich überraschend kommt die Auszeichnung für die gebürtige Münchner Schauspielerin dann aber doch nicht. Vor zwei Jahren bekam sie den Bayerischen Verdienstorden verliehen - immerhin der zweithöchste Orden des Freistaates. 2009 ehrte man sie mit dem Bayerischen Poetentaler. Um nur einige der Preise zu nennen, die Monika Baumgartner für ihren Verdienst um das Bayerische Kulturgut erhalten hat. Mit dem Oberbayerischen Kulturpreis befände sich Monika Baumgartner nun in "illustrer Gesellschaft", wie sie selbst gerne sagt, denn unter den früheren Preisträgern finden sich lokale Größen wie der Schauspieler Gustl Bayrhammer und der Dramatiker Franz Xaver Kroetz.

Trotzdem wirkt Monika Baumgartner durch und durch bodenständig. Neben der Arbeit als Schauspielerin betreibt sie zusammen mit ihrer Schwester ein Einrichtungsgeschäft im Münchner Westend, wo sie auch selbst die Kunden berät. Ihrer 86-jährigen Mutter hilft sie einmal die Woche im Haushalt, geht mit ihr Einkaufen oder zum Friseur. Ihrem Publikum ist sie vor allem für ihre Rolle als Elisabeth Gruber im "Bergdoktor" bekannt. Anfang Dezember lief im ZDF ihr neuester Film, "Die Gruberin". In dem komödiantischen Heimatfilm geht es um Gier, Korruption und Intrigen. Baumgartner mimt die giftige Schwiegermutter Maria Gruber und scheint sich in der Rolle gefallen zu haben: "Ich war so böse wie noch nie", sagt sie mit einem schalkhaften Lachen.

Aber nicht nur der Kulturpreis hat das vergangene Jahr für die Schauspielerin zu einem rundum gelungenen gemacht. Im Sommer bekam sie nach zwei Jahren Warten endlich die Zusage für die neue Polizeiserie "Monaco 110" in der ARD. Die ersten vier Folgen sind bereits abgedreht, im Januar folgen weitere vier. "Das war mit das schönste Geschenk in diesem Jahr", sagt Baumgartner. Vor zwei Jahren habe man nach der Buchvorlage von Thomas Kronthaler bereits einen Pilotfilm produziert, dann habe das Team um Regisseur Wilhelm Engelhardt erst einmal in der "Warteschleife" gehangen. "Wir haben fast nicht mehr an die Zusage geglaubt", sagt Baumgartner. Sie wird als Chefin einer Münchner Polizeistation auftreten, deren Sohn "Bubi" plötzlich ihr neuer Vorgesetzter wird. "Das können Sie sich ja vorstellen, was in einer Polizeidienststelle los ist, wenn die Mutter plötzlich den Sohn als Chef hat", sagt sie. "Es geht bei uns mehr ums Menschliche, weniger um Mord und Totschlag."

Auch wenn Monika Baumgartner gerade am eigenen Leib mitbekommt, wie viel Arbeit, Anstrengung und Stress ihr Beruf mit sich bringt, sei sie dankbar. "Ich denke, dass man Dinge zurückbekommt." Gerade in derselben Woche, in der sie einem Obdachlosen ihre Einzimmerwohnung in München überlassen habe - selbstverständlich komplett neu eingerichtet - sei die Zusage für "Monaco 110" gekommen. Noch dazu spiele sie nun sieben Jahre im "Bergdoktor" mit, da sei es beruhigend, zu wissen, "dass man ein bestimmtes Kontingent an Arbeit und Drehtagen hat". Was als Schauspielerin ohne festes Engagement ja nun keine Selbstverständlichkeit sei.

So langsam aber neigt sich der arbeitsame Teil des Jahres auch für die gut ausgelastete Schauspielerin dem Ende zu. Seit vier Jahren ist es Tradition, dass sie zum Abschluss die "Heilige Nacht" von Ludwig Thoma liest, musikalisch begleitet von den Wellküren und Christoph Well. Den letzten Auftritt im Jahr absolvierte sie mit dieser Lesung am vierten Adventssonntag in der Germeringer Stadthalle. "Die Heilige Nacht von Thoma ist schon so alt, aber die Menschen hören immer wieder gern zu. Für mich ist das ein schöner Abschluss, weil man dann immer ein bisschen runterkommt."

Und das scheint auch dringend nötig, denn bis vor kurzem war Monika Baumgartner mit Dreharbeiten zugange, sei teilweise schon um fünf Uhr in der Früh abgeholt worden und habe einige Nächte hintereinander gar nicht geschlafen. Trotzdem freut sich die viel beschäftigte ,Schauspielerin, die in Gröbenzell wohnt, wenn es die nächsten Monate so weiterläuft. "So kann ich beruhigt ins neue Jahr gehen", sagt Baumgartner.

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Quelle:
SZ vom 30.12.2013
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