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Gedenken in Gröbenzell:Eine Verbeugung vor den Opfern

Gunter Demnig verlegt einen "Stolperstein" in der Gröbenzeller Bahnhofstraße für den von den Nazis ermordeten Kurt Schroeter.

Am Ende der Zeremonie legten Vertreter der Gröbenzeller SPD vier rote Rosen neben den frisch einbetonierten Pflasterstein mit der glänzenden Messingplatte. Kurz zuvor hatte sich Gunter Demnig wieder aufgerichtet, nachdem er den von ihm gestalteten "Stolperstein" mit dem Namen von Kurt Schroeter darauf in eine eigens ausgeschnittene Gehwegplatte vor dem Anwesen Bahnhofstraße 3 eingelassen hatte.

Die Arbeit des Künstlers Demnig war getan, die politische der SPD auch. Seit Donnerstagmorgen kann nun jeder Gröbenzeller des 1944 im Vernichtungslager Auschwitz ermordeten Juden Kurt Schroeter gedenken, wenn ihn sein Weg über den Stolperstein führt.

Die Verlegung des Stolpersteins im Rahmen der Erinnerungsaktion des Künstlers Gunter Demnig war letztlich vom Gemeinderat einstimmig beschlossen worden, aber seit den ersten Überlegungen von vor drei Jahren keineswegs unumstritten gewesen. Nachdem die Gemeinde das ihr gehörende Haus an der Bahnhofstraße, das Kurt Schroeter von 1923 bis 1937 bewohnt hatte, wegen Baufälligkeit hatte abreißen lassen, hatte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Schrodi um ein würdiges Gedenken an den von den Nazis ermordeten Gröbenzeller eingesetzt.

Zunächst ohne großen Erfolg. Denn Bürgermeister Dieter Rubenbauer (CSU) holte zur Bewertung der künstlerischen Aktion eine Stellungnahme der von ihm sehr geschätzten Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, ein. Knobloch lehnte die Stolpersteinaktion ab mit der Begründung, damit würde das Ansehen der Opfer nachträglich mit Füßen getreten. Auch wenn Schrodi und andere Politiker Gegenargumente anderer Mitglieder der Kultusgemeinde in München oder Deutschland anführten - es half nichts, der Antrag wurde zurückgestellt. Allerdings wurde der informelle Auftrag an alle erteilt, über ein würdiges Gedenken an Schroeter nachzudenken.

2010 wagte die SPD in einer Phase der intensiven Diskussion über die Nazivergangenheit des ersten Bürgermeisters Bernhard Rößner einen neuen Versuch und bekam mehrheitlich Unterstützung. Gunter Demnig konnte mit seiner Arbeit beginnen, der Termin wurde auf März 2012 gelegt. Demnig verlegt fast jeden Tag einen oder mehrere seiner Stolpersteine, meist mit ähnlich viel Publikum wie in Gröbenzell am Donnerstag.

Sein Antrieb ist es, wie er sagte, die Erinnerung an die ermordeten Juden auf eine ganz besondere Weise zu erhalten. Aber anders, als es Charlotte Knobloch sieht: "Wenn man über dem Stein steht, muss man sich zum Lesen des Namens hinunterbeugen und sich dabei vor dem Opfer verbeugen", sagt der 65-Jährige. Und mit jedem Fußauftritt wird die Messingoberfläche des Steins quasi ständig glänzend poliert - und der Name dem Vergessen entrissen.