Süddeutsche Zeitung

Gärtnereien öffnen:Blütenmeer

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Seit dem Herbst haben die Gärtnereien im Landkreis die Pflanzen für den Saisonstart aufgezogen. Nun sind sie froh, dass sie die bunten Blumen von Montag an tatsächlich verkaufen dürfen

Von Ingrid Hügenell

Froh und erleichtert sind die Gartenbetriebe im Landkreis, dass sie von Montag an wieder für Kunden öffnen dürfen. Denn es stehen hunderttausende Töpfe mit den ersten Frühlingsblumen bereit - bunte Primeln, Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht, Zwiebelpflanzen. Nur wenige Wochen im Jahr können die Betriebe diese Saisonpflanzen anbieten. Dann sind sie verblüht, und oft warten schon die Tomaten-, Salat- und Gemüsepflänzchen auf den Platz im Gewächshaus. Viele Menschen warten zudem schon darauf, sich mit Erde, Pflanzgefäßen, Sämereien und sonstigem Zubehör eindecken zu können.

Bestimmt an die hunderttausend Pflänzchen warten in der Gärtnerei Baumeister in Gröbenzell auf Abnehmer, sagt Inhaberin Gisela Wendlinger. Größtenteils schon seit dem Herbst haben die Gärtner sie in den Gewächshäusern aus kleinen Pflänzchen hochgezogen, haben sie gedüngt, gegossen und vor Schädlingen bewahrt, erklärt Wendlinger. Sie ist sich bewusst, dass die Gartenbetriebe nun gegenüber anderen Geschäftsinhabern privilegiert seien. Aber zum einen biete man ein verderbliches Produkt an, das nach der Saison auf dem Kompost lande. "Und es ist ein schönes Produkt, das den Leuten Freude macht und sie dazu bringt, sich auf sichere Weise zu beschäftigen" - nämlich im eigenen Garten oder auf dem Balkon.

Insgesamt beschäftigt die Gärtnerei Baumeister etwa 25 Mitarbeiter, von denen viele den Winter über in Kurzarbeit sind, auch ohne Corona. "Im Garten- und Landschaftsbau ist es ganz normal, dass sie im Winter nicht arbeiten." Es sei ein Vorteil, dass ihr Betrieb breit aufgestellt sei. Dazu gehören auch eine Friedhofsgärtnerei und ein Blumenladen. Wendlinger ist froh, dass in der Gärtnerei für die Kunden viel Platz ist, so dass Abstände eingehalten werden können. "Corona ist noch nicht vorbei", warnt sie.

Am Montag nicht aufmachen zu dürfen - das wäre für die Gärtnerei Henninger in Fürstenfeldbruck besonders bitter. Denn als landwirtschaftlicher Betrieb bietet sie weit überwiegend Saisonware an, "85 Prozent Eigenproduktion", erklärt Karl-Heinz Henninger. Die Produktion beginne weit im Voraus. Und Primeln, Stiefmütterchen und seine Spezialität, der Goldlack, müssten bald Platz machen für Geranien, Dahlien, Männertreu, Tomaten- und Zucchinipflanzen. "Die Ware muss termingerecht raus. Von März bis Juni machen wir 80 Prozent des Jahresumsatzes." In den ersten Monaten verkauft er etwa 50 000 Pflanzen, und im Sommer noch einmal 150 000. Gehe die "Blumenzieherei" kaputt, gehe der ganze Betrieb mit seinen acht Mitarbeitern den Bach hinunter.

Besser sieht es bei der Staudengärtnerei Strasser in Schöngeising aus, wie Inhaber Andreas Strasser erklärt. Der Betrieb ist eine reine Freilandgärtnerei. Nur ein geringer Teil der Pflanzen im Angebot, die Einjährigen für Balkon und Garten, müsse weggeworfen werden, wenn sie im Frühling nicht verkauft würden, sagt er. Die Mehrjährigen könne man im Topf einige Zeit durchbringen. "Das ist nicht ideal, aber es geht." Etwa 3000 Stauden, Gehölze, Rosen, Gemüsepflänzchen und Kräuter sind im Angebot. Sie alle werden draußen aufgezogen und so abgehärtet. "Die vertragen auch Spätfröste", sagt Strasser.

Eine Besonderheit sind die Pflanzpakete, die die Staudengärtnerei anbietet. In diesem Jahr sind es Veilchen, neun Sorten in Violett, Pink und Weiß. Die Pakete verkaufen sich online sehr gut, sie sind aber auch in der Gärtnerei erhältlich. Überhaupt hat der Online-Shop in der Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. "Der quillt gerade über", sagt Strasser. Neue Bestellungen könnten erst von Mitte März an wieder verschickt werden. "Eigentlich machen wir das mehr so nebenbei. Aber wir haben damit jetzt schon wieder so viel eingenommen wie ganzen vorigen Jahr." Insgesamt mache der Onlinehandel aber nur etwa zehn Prozent des Umsatzes aus.

Der Online-Handel sei nichts für ihn, sagt Ulrich Würstle vom Würstle Gartenland in Fürstenfeldbruck. Dafür ändere sich sein Sortiment zu schnell. Die große Vielfalt im Angebot bewahre das Gartenland vor zu vielen Ausfällen, wenn die Frühjahrspflanzen nicht verkauft werden. Denn die Saisonware mache nur einen kleinen Teil des Sortiments aus, zu dem auch Zimmerpflanzen, Stauden und Gehölze aus der eigenen Baumschule gehören. Nur etwa 15 000 Töpfe mit Hornveilchen, Stiefmütterchen und Primeln hat er derzeit im Angebot. Was er zusätzlich brauche, kaufe er von Kollegen zu. "Im Februar habe ich voll aufgeblühte Primeln auch schon großzügig verschenkt", sagt Ulrich Würstle. "Ich bin froh, dass wir jetzt aufmachen und die Mitarbeiter zurückholen dürfen." Mit allen Teilzeitkräften und Aushilfen hat Würstle 18 Beschäftigte, darunter auch einige Menschen mit Behinderung. Viele sind, wie bei den anderen Betrieben auch, in den Wintermonaten freigestellt. Im vorigen Jahr habe er im Landkreis auch Ware verschickt. Zwar habe er damit Umsatz gemacht und seine Leute seien beschäftigt gewesen. "Richtig übrig geblieben ist aber nix", er wolle das jetzt nicht mehr machen. Würstle bietet auch an, dass die Kunden bei ihm anrufen und die Sachen dann abholen können. Dieses Geschäft sei aber "übersichtlich, und für die Kunden auch nicht so pfiffig".

Die Gefahren einer Ansteckung schätzt er als gering ein, verglichen etwa mit dem S-Bahn-Fahren. Im Gartenland verteilten sich die Einkäufer auf etwa einen Hektar Fläche, 10 000 Quadratmeter, vieles davon im Freien. Da sollten sich Abstände einhalten lassen.

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SZ vom 27.02.2021
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