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Fußball:Ein 1:13 als schönste Nebensache

Beim Pokalspiel gegen die SpVgg Unterhaching ist für den FC Emmering das Ergebnis unbedeutend. Denn wie erhofft, wird die Partie zum Publikumserfolg. 650 Zuschauer wollen die Profifußballer sehen

Der FC Emmering hat dem Verbandspokalspiel gegen die Spielvereinigung Unterhaching regelrecht entgegen gefiebert. "Das ist sensationell", sagt dann Emmerings Präsident Thomas Biersack spürbar ergriffen, als er nach dem Anpfiff die Kulisse im Hölzlstadion betrachtet. Kurz zuvor sind die Mannschaften mit den "Einlaufkindern" der E1 und F2 auf den Platz marschiert. 650 Zuschauer sind gekommen, um dem Spiel gegen Tabellendritten der dritten Liga zu sehen. Darunter sind auch etwa 50 Anhänger der SpVgg Unterhaching, die sich in ihren roten Trikots auf der Gegengerade hinter der Spieler- und Trainerbank versammelt haben. Die FCE-Spieler haben gegen die Profis große Mühe an den Ball zu kommen. Unterhachings Stefan Schimmer markiert in der 19. Minute das 1:0. Zur Pause führen die Gäste mit 3:0. Am Ende siegen die Drittligaprofis gegen den Kreispokalsieger mit 13:1; fünfmal hat Schimmer getroffen.

Die besten Plätze im Emmeringer Hölzl-Stadion dürften diese beiden Herren eingenommen haben. Von der VIP-Terrasse verfolgen sie den Pokalhit ihres heimischen FC gegen den Drittligisten aus Unterhaching.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Leistungsunterschied zwischen Unterhaching und dem FC Emmering beträgt sechs Spielklassen. Entsprechend unterschiedlich sind die Spielkunst, das Passspiel, die Ballsicherheit und vor allem das Tempo. Unterhaching kam zum Kreisklassisten jedoch nicht mit seiner gesamten Stammelf. Die trat ebenfalls am Mittwoch beim ASV Cham in der Oberpfalz zu einem Freundschaftsspiel an. Dafür konnten die Emmeringer Fans Josef Welzmüller, 28, bestaunen. Der Unterhachinger Abwehrchef spielte einst für den Nachbarn SC Fürstenfeldbruck in der Landesliga und lässt sich an diesem sonnigen Nachmittag von den Emmeringer Stürmern nicht in Bedrängnis bringen. Auch Dominik Widemann war einst in der SCF-Jugend aktiv.

Tapfer wehren sich die Spieler des Kreisklassisten gegen die Profis (weißes Trikot).

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Organisatorisch hat der FC Emmering alles bestens vorbereitet. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter tragen Umhängeschildchen mit Bändern um den Hals, auch die Presse wird mit Akkreditierungen ausgestattet. Hinter dem Schild "VIP-Bereich" versammeln sich auf der Terrasse des "Hölzl-Stüberl" prominente und weniger prominente Gäste. Dort ist der FCE-Ehrenpräsident Karl Kemmeter auszumachen. Werner Öl, langjähriges Vorstandsmitglied, sitzt als Kassier am Eingang.

"650 Zuschauer hatten wir vor 40 Jahren schon in der Landesliga", sagt Öl. Damals spielte der FC Emmering in der vierten Liga, heute ist es nun noch die neunte. Inzwischen steht es nach einer Stunde 7:0 für Unterhaching. "Jetzt werden sie doch abgeschlachtet", bedauert Wirtin Christa Haid.

Doch das Ergebnis ist Nebensache. Der FC Emmering verzeichnet bei neun und sechs Euro Eintritt eine ordentliche Einnahme. Zudem flutschen der Getränke- und Essensverkauf vorzüglich. Das Geld kann der Verein gut gebrauchen. "Wir haben an die 300 Kinder und Jugendliche unter unseren 700 Mitgliedern", erläutert Vereinschef Thomas Biersack. Alle Jugendklassen, manche mehrfach, sind besetzt. Der heute 52-Jährige war einst ein gefürchteter beinharter FCE-Verteidiger gewesen.

Gespanntes Bangen: die Fans verfolgen auf einer vollen Tribüne das Spiel.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Verein stellt aktuell vier Herrenmannschaften von der Kreisklasse bis zur B-Klasse im Spielbetrieb. Kein anderer Verein im Landkreis kann da mithalten. Biersack sicher: "Wir sind eine freundliche Adresse für Fußballer." Kurz vor Schluss geht beim Spielstand von 0:13 noch einmal ein Raunen durchs Hölzlstadion, als die Gäste den FCE durch Inaktivität förmlich zum Ehrentreffer einladen. Dreimal schaffen die Emmeringer nicht das Tor zu treffen. Eine Minute vor dem Ende schießt Karol Kopec dann doch noch das 1:13. "Das gehört sich so", sagt Unterhachings Trainer Claus Schromm und dankt noch einmal für den herzlichen Empfang durch den FCE-Trainerkollegen Daniel Stapfer.