Fürstenfeldbruck/Gröbenzell Bezüge zur Gegenwart

Beim Gedenken an die Nazi-Opfer appellieren in Fürstenfeldbruck Firmlinge, sich der Vergangenheit zu erinnern, damit sich Verbrechen nicht wiederholen. In Gröbenzell rüttelt Bürgermeister Martin Schäfer die Teilnehmer auf

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck/Gröbenzell

Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus verbindet sich mit der Sorge angesichts neofaschistischer Gruppen und Parteien. "Gegen das Vergessen und gegen die Ausgrenzung von Flüchtlingen und Migranten", wandte sich Julia Zieglmeier vom Arbeitskreis Mahnmal am Sonntag in Bruck. Sie erinnerte an die Pogromnacht, die jüdischen Aufständischen im Warschauer Ghetto und den Todesmarsch bei Kriegsende durch den Landkreis. Der Nationalsozialismus sei eben kein "Vogelschiss" in der deutschen Geschichte. Der Gröbenzeller Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) fordert dazu auf, aktuellen Tendenzen des Antisemitismus und der Menschenfeindlichkeit entgegen zu treten.

Mehr als 100 Menschen nahmen in Bruck an der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus teil, die alljährlich am Todesmarsch-Mahnmal im Zentrum stattfindet. Zieglmeier verwies auf den Anlass, die Befreiung der Überlebenden des KZ Auschwitz. Am 27. Januar 1945 konnte die Rote Armee das Morden dort beenden, nachdem sie die Wehrmacht weit genug zurückgeschlagen hatte. Trotzdem fordern führende Politiker der Rechten, "stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen".

Gedenken am Todesmarsch-Mahnmal in Bruck der Opfer: OB Erich Raff und weitere Teilnehmer der Veranstaltung.

(Foto: Günther Reger)

Das Duo "Red Bag" eröffnete die Gedenkveranstaltung mit Musik, bevor Zieglmeier sprach. Anschließend lasen Firmlinge aus dem Pfarrverband Fürstenfeld aus dem Buch "Die Wiedergutmachung" von Peter Gardosch, das dieser unter dem Pseudonym Peter Herzog veröffentlicht hat. Die erste Passage schildert die Ankunft Gardoschs und seiner Familie in Auschwitz. Der 13-jährige Gardosch überstand die Selektion, weil er sich vor dem SS-Offizier drei Jahre älter machte. Seine Großmutter und seine Mutter wurden sofort vergast. Seine nächste Station war das KZ-Außenlager Kaufering III. In seiner Biografie beschreibt er, wie sich die Häftlingskolonne am Bahnhof in Kaufering formierte und von Einwohnern beobachtet zum Lager marschierte. Die Juden sollten eine unterirdische Flugzeugfabrik für die Herstellung von Messerschmitt-Kampfflugzeugen bauen. Dem Firmenchef Willy Messerschmitt ist in Bruck bis heute eine Straße gewidmet. Während des Todesmarsches konnten Gardosch und vier andere Häftlinge bei Puch flüchten, gedeckt von zwei SS-Männern, die sich kurz vor Kriegsende andienen wollten. Sie wurden von Pater Emanuel in Fürstenfeld versteckt. Das Kriegsende am 8. Mai erlebte Gardosch auf dem Brucker Marktplatz. Dort standen amerikanische Soldaten neben ihren Panzern, feierten und tranken Sekt. Aus einem Panzer tönte Swingmusik von Glenn Miller. "Diesen Sound werde ich mein Leben lang mit der Befreiung durch die Amerikaner assoziieren", schrieb Gardosch.

In Gröbenzell legte Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) am Nachmittag einen Kranz am Mahnmal für die Opfer der NS-Herrschaft auf dem Platz vor der Post nieder. Etwa 90 Menschen beteiligten sich an dem Gedenken. In seiner Ansprache erinnerte Schäfer an die besondere Verantwortung und die Aufgabe, heute gegen Intoleranz einzutreten. Die Schülersprecher des Gymnasiums Gröbenzell trugen Textauszüge aus dem Buch "Der Ausflug zum Schwanensee" von Lenka Reinerovà vor, in dem sie über das KZ Ravensbrück schrieb. In diesem Frauen-KZ wurden etwa 92 000 Menschen ermordet. Während die Schriftstellerin ins Exil flüchten konnte, wurde ihre Familie in Theresienstadt und Auschwitz ermordet.

Am Gedenkort für die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft legen Künstler Hannes Götz und Bürgermeister Martin Schäfer einen Kranz nieder.

(Foto: Günther Reger)

"Warum müssen wir uns immer wieder erinnern, obwohl wir nicht persönlich verantwortlich sind", fragte einer der Firmlinge in Bruck. Es sei notwendig, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen und sich in das Leid anderer hineinzufügen, weil es die Pflicht der folgenden Generationen ist, dafür zu sorgen, dass sich solche Verbrechen nicht wiederholen.