Fürstenfeldbruck Zu hoher Anspruch

Das "Ensemble Urstrom" musiziert im Churfürstensaal mit großer Lust und ist dabei konzeptionell gut aufgestellt.

(Foto: Günther Reger)

Die Reihe "Alte Musik in Fürstenfeld" schließt mit engagiertem Ensemble

Von Klaus Mohr, Fürstenfeldbruck

Das Abschlusskonzert der diesjährigen Saison der Reihe "Alte Musik in Fürstenfeld" brachte am Sonntag im Kurfürstensaal eine gelungene Symbiose zwischen der baulichen Anlage des Klosters Fürstenfeld und der thematischen Ausrichtung des Konzerts: Im Mittelpunkt des Programms "Musica transalpina - eine musikalische Alpenüberquerung" stand frühbarocke Musik aus Italien und Süddeutschland. Aus ganz ähnlichem ästhetischem Geist heraus entstand die barocke Fürstenfelder Klosteranlage an der Schwelle des 17. zum 18. Jahrhundert. Zu hören war das "Ensemble Urstrom" mit Leopold Nicolaus (Barockvioline), Claudius Kamp (Blockflöte und Dulcian), Konstanze Waidosch (Barockvioloncello), Bernhard Reichel (Chitarrone) und Julio Caballero Pérez (Cembalo). Die fünf jungen Musiker, alle unter dreißig, musizierten mit großem Engagement sowie Lust und waren konzeptionell gut aufgestellt. Nicht immer jedoch konnte die Qualität ihrer Interpretationen mit dem Anspruch, den sie an sich stellen, ganz mithalten. Vielleicht braucht der wünschenswerte Feinschliff noch etwas mehr an Reife und Erfahrung.

In der ersten Konzerthälfte erklangen italienische Werke, die stilistisch vorbildhaft wirkten auf das Schaffen von Musikern, deren Kompositionen im zweiten Teil zu hören waren. Überzeugend kontrastierte das Ensemble zu Beginn die beiden Teile des Stücks "Sinfonia sesto tuono e Balletto Terzo" von Biagio Marini. Während die Sinfonia in schreitendem, gut fließendem Tempo und in ausgewogener Balance musiziert war, kennzeichnete das kurze Balletto ein springlebendiges Allegro-Tempo. Dabei übernahmen Violine und Blockflöte die melodische Führung in den Oberstimmen, während die drei Partner ein solides Fundament legten.

Die Canzon prima à 3 von Girolamo Frescobaldi folgte. Hier wetteiferte ein Dulcian, eine historische Bauform aus der Fagott-Familie, mit der Violine. Dadurch wurde die klare Trennung zwischen den Klangsphären "oben" mit der Melodie und "unten" mit der Begleitung aufgebrochen. Die einzelnen Abschnitte waren in Tempo und Charakter deutlich unterschieden, auch wenn im Detail Ungenauigkeiten zu hören waren. Insbesondere kam der Chitarrone die erforderlichen rhythmisch-metrischen Orientierungsfunktion nicht immer klar nach. Einen rundum gelungenen Eindruck hinterließ eine Sonata à 3 von Antonio Bertali. Konzertierend wechselten sich Violine und Sopranflöte wie selbstverständlich ab, was zu einem ebenso heiteren wie leichten Klangeindruck führte. Die (scheinbar) improvisierten Teile wirkten dabei besonders frisch und unverbraucht, so dass die Vitalität der Musik eine veritable Vorstellung barocker Lebensfreude vermittelte.

Zum Stück "Polnische Sackpfeiffen" von Johann Heinrich Schmelzer in der zweiten Konzerthälfte ergab sich hier eine wunderbare Parallele: Wie mitten aus dem Leben kamen die kraftvollen Bordunquinten und die angeschliffenen Töne in der Flöte beim Hörer an, ohne dass die Musik deshalb plump gewesen wäre. Richtig modern wirkte dagegen eine Toccata von Johann Jakob Froberger für Cembalo solo: Die chromatisch durchsetzte Abwärtslinie zu Beginn zog sich wie ein roter Faden durch das ruhige Spiel des Cembalisten, der auch die improvisatorischen Freiheiten für beide Hände sichtlich genoss. Am Ende folgte auf den Beifall noch eine eingängige Zugabe.