Fürstenfeldbruck Zeitzeugen aus Stein und Stahl

Zwei Bauexperten werben in einer Studie für den Erhalt historisch bedeutsamer Gebäude auf dem Gelände des Fliegerhorsts. Die Liste der bereits unter Denkmalschutz stehenden Häuser könnte um drei wachsen - vielleicht wird bald auch die Offizierschule aufgenommen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Luftbildaufnhame des Fliegerhorsts: Viele Gebäude auf dem Brucker Teil des Areals stehen bereits unter Denkmalschutz.

(Foto: Kornacher/Wieser)

Auf dem zurzeit noch militärisch genutzten Fliegerhorst gibt es einen historisch sehr wertvollen Gebäudebestand, den es zu erhalten gilt. Über die bereits unter Denkmalschutz stehenden 20 Gebäude der von 1935 an errichteten Luftkriegsschule hinaus sollen weitere Häuser erhalten werden. Das schlagen die Autoren einer Studie vor, die am Mittwochabend nach einer Ortsbesichtigung im Konversionsausschuss vorgestellt wurde. Denn die zivile Umnutzung der auf Fürstenfeldbrucker Flur und damit südlich der einstigen Startbahn liegenden etwa 180 Hektar großen Fläche rückt näher.

Der Architekt und Denkmalexperte Matthias Wieser hat gemeinsam mit Stadtbaurat Martin Kornacher die Studie ausgearbeitet, in der das historische Erbe detailliert dargestellt und vor allem auch konkrete Empfehlungen zum Denkmalschutz gegeben werden - jenseits der zentralen, bereits verpflichtend zu erhaltenen Gebäuden wie Kilometerbau, Kommandantur, Luftwaffensaal, Torturm, Fahnensaal oder Flughafentower. In der Publikation stimmen die Autoren Kreisbaumeisterin Reinlinde Leitz zu, die sich wiederholt dafür stark gemacht hatte, Teile der vom Architekten Ernst Sagebiel geschaffenen "Blut- und Bodenarchitektur" vor der Abrissbirne zu schützen.

Mit der Karte der Veränderungspotenziale klassifizieren die beiden Autoren der Studie die Schutzwürdigkeit der Gebäude. Die dunkelrote Fläche bedeutet, dass Veränderungen nur geringfügig denkbar sind.

(Foto: Stadtplanungsamt)

"Über die bereits gewürdigten Baudenkmale im Fliegerhorst hinaus ist für einige Gebäude ein Nachtrag in die Denkmalliste vorstellbar", schreiben die Autoren, die sich im gleichen Atemzug grundsätzlich für den Erhalt der historischen Wege- und Erschließungsstruktur insbesondere am südlichen Fliegerhorstrand aussprechen und zudem vor einer weiteren Rodung der südlichen Baumbestände warnen. Der Bauzeit von 1936 zugehörig und damit anlagenprägend sei beispielsweise die ehemalige Schäferei ganz im Osten des Fliegerhorstes. Das weitgehend unveränderte, heute als Baustofflager genutzte Stallgebäude wurde seinerzeit einzig und vollständig als Holzkonstruktion errichtet und diente der Tierhaltung. In der Scheune waren einst Schafe untergebracht, die quasi als Rasenmäher mit vier Beinen auf der Rollbahn unterwegs waren. Die historische Funktion und die qualitätvolle Detailausführung des mit Lüftungslamellen ausgestatteten Holzbaus machten die Schäferei innerhalb der Gesamtanlage bedeutsam, so Wieser und Kornacher.

Über Denkmalqualitäten verfüge ferner das Gebäude der Wasserpumpenzentrale "als wichtiger technikgeschichtlicher Bestandteil der Gesamtanlage". Der Baukörper zeigt "das durchgängige Gestaltungsschema des Fliegerhorstes aus der Bauzeit" - mit rauem Kieselspritzputz, vierflügeligen Kreuzstockfenstern im Standardformat 1,15 auf 1,50 Meter sowie zweiflügligen Holz-Pendeltüren mit Querriegel und Stoßgriff. Denkmalwert bescheinigt wird auch der unter den Amerikanern um 1950 errichteten Fliegerhorstkirche. Dieser Saalbau passe sich an die älteren Baubestände der Nachkriegszeit an und stelle "einen wichtigen funktionsgeschichtlichen Bestandteil der Gesamtanlage" dar - ebenso wie etwa die akribisch sanierte Schwimmhalle, auf die Brucker Sportvereine längst ein Auge geworfen haben, sind diese Gebäude in einem guten baulichen Zustand - ein Erhalt würde mithin offenbar keine unzumutbaren hohen Kosten verursachen.

Auch das Pumpenhaus sollte nicht abgerissen werden.

(Foto: Kornacher/Wieser)

Nur am Rande geht es in der Studie um die Zukunft der 1977 bezogenen Offizierschule, die Ende 2021 in einen Neubau bei Roth umziehen soll. Kornacher und Wieser könnten sich einen Erhalt des Blauen Palais' ebenso wie des benachbarten Heizkraftwerks gleichwohl als "bewusste architektonische Kontrapunkte zu den Wehrmachtbauten" gut vorstellen. In dieser Kategorie sollten Kubatur, Dachflächen und Fassaden erhalten bleiben, wenngleich dort "Veränderungen im Binnengrundriss wie auch Zubauten" explizit für denkbar gehalten werden.

Die 1950 erbaute Kirche könnte erhaltenswert sein.

(Foto: Kornacher/Wieser)

Ob das Blaue Palais wirklich unter Denkmalschutz gestellt wird, wie es die Stadt angeregt hat (die sich allerdings beispielsweise einen Spielraum beim Rückbau der künftig wohl nicht mehr benötigten Unterkunftsbereiche offen halten will), darüber entscheidet letztlich das Landesamt für Denkmalpflege. Eine Begehung durch Generalkonservator Mathias Pfeil hatte nach Worten von Sprecherin Dorothee Ott Anfang März die Sichtweise betätigt,das verschachtelte Gebäude mit seinen Flachdächern und den großen Fensterflächen sei "ein homogener Baukörper sowie eine geschlossen erhaltene, in sich stimmige Anlage". Beeindruckend seien "sowohl der innen wie außen gute bauliche Zustand des Gebäudes als auch dessen hohe architektonische Qualität". Nachdem der Landesdenkmalrat Ende März über den Stand der denkmalfachlichen Untersuchung informiert worden ist und einer Denkmaleintragung positiv gegenüber steht, hängt die endgültige Entscheidung vor allem vom Ergebnis der Gespräche mit der Stadt und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Grundeigentümer ab.

Passagen des Textes entnommen aus der Publikation von Martin Kornacher und Matthias Wieser