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Fürstenfeldbruck:"Wir werden umziehen"

Fliegerhorst

Handshake im Offizierheim: Brucks Dritte Bürgermeisterin Karin Geißler und Brigadegeneral Michael Traut. Links im Bild: Bezirksrätin Gabriele Off-Nesselhauf.

(Foto: Günther Reger)

Kasernenkommandant bekräftigt Entschluss, die Offizierschule 2021 nach Roth zu verlegen. Beim Neujahrsempfang auf dem Fliegerhorst beweist er beim Jonglieren mit Millionenbeträgen und Eintopfportionen zudem Virtuosität

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Verteidigungsbereitschaft und Humor schließen sich nicht aus. Das hat Michael Traut beim Neujahrsempfang der Luftwaffe bewiesen. Die etwa 150 geladenen Gäste halten am Donnerstag im Offizierheim für einen Moment die Luft an, als der 52-jährige Brigadegeneral die Zukunft der Offizierschule und den geplanten Umzug nach Roth thematisiert. Tags zuvor war bekannt geworden, dass die Luftwaffe mit der Verlagerung erst Ende 2021 rechnet und die Kosten für die Baumaßnahmen auf dem Gelände der Otto-Lilienthal-Kaserne von 144 auf 178 Millionen Euro nach oben korrigiert.

Vor diesem Hintergrund räumt Traut ein, habe der Empfang "eine besondere Würze" bekommen. Sagt es und greift nach einem Diskurs zur Sicherheitslage in Zeiten des Terrors und dem Bekenntnis zu einer multikulturellen und familienfreundlichen Truppe gleich selbst zum Pfefferstreuer: Er wolle nun "über die Zahl 300 und nicht über 144 und auch nicht über 178" reden. Unter den Kronleuchtern in dem altehrwürdigen Saal ist es plötzlich mucksmäuschenstill. Die Gäste, darunter Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, Bezirkstagspräsident Josef Mederer, zahlreiche Bürgermeister und Stadträte sowie Vertreter von Polizei, Schulen, Wirtschaft, Behörden und Bundeswehr, erstarren förmlich. Traut genießt mit feinem Lächeln den Augenblick, bevor er klarstellt, dass es sich hier um die Zahl der Eintopf-Portionen handelt, die vor den Türen bereitstehen.

An der Schließung des Standorts Fürstenfeldbruck, zu dem sich am Mittwoch erneut hohe Ebenen der Bundeswehr bekannt haben, würde wohl auch eine Summe dieser Dimensionen nichts mehr ändern. Diesen Eindruck jedenfalls vermittelt Traut, der im September die Leitung des Fliegerhorsts von Bernhardt Schlaak übernommen hat. "Wir werden umziehen", bekräftigt er. Bereits am 29. Juni soll in Roth der symbolische erste Spatenstich für das neue Lehrsaalgebäude ausgeführt werden. Hinten im Saal, neben dem Ölbild des Jagdfliegers Manfred von Richthofen, vermittelt eine an die Wand projizierte Computersimulation einen Eindruck, wie die neue Schule aussehen soll - mit dem gut leserlichen Untertitel "VS-Nur für den Dienstgebrauch" versehen. Aber zu viel Geheimniskrämerei würde nur noch mehr Spekulationen befeuern, deshalb setzt Traut auf Transparenz. Der "Standortälteste" rät den Gästen, sich gleich noch den 28. Juni vorzumerken. Einen Tag vor dem Spatenstich in Roth wird in Bruck das 40-jährige Bestehen der Offizierschule an diesem Standort gefeiert. Viereinhalb Jahre wird die Luftwaffe anschließend noch in der Stadt präsent sein. Herwig Bahner, Chef des Bundeswehrdienstleistungszentrums und Stadtrat, werde wohl "als Letzter das Licht ausmachen", so Traut. Das sogenannte Blaue Palais der Offizierschule wolle man nach substanzerhaltenden Nachbesserungen dann in einem möglichst guten Zustand übergeben - und zuvor bereits bei der zivilen Überplanung mit der Stadt zu kooperieren.

Landratsstellvertreterin Martina Drechsler lobt die Bundeswehr für die Abtretung des früheren Unteroffizierheims, das als Asyl-Erstaufnahmestelle dient. Sie bringt aber auch ihre Verwunderung über das Hickhack um die Fliegerhorstfeuerwehr zum Ausdruck. Der aktuell geplante Abzug beschere "Defizite im Brandschutz". Brucks Dritte Bürgermeisterin Karin Geißler nutzt in ihrer Rede die Gelegenheit, um auch die höheren kommunalen Ebenen in die Pflicht für eben jenen Brandschutz zu nehmen - Bruck will nicht alleine auf den Kosten für eine zweite Feuerwache sitzenbleiben. Auch Geißler glaubt nicht mehr, dass sich der Wunsch der Stadt auf den Verbleib der Bundeswehr erfüllen wird, wohl aber an einen Erhalt und eine anderweitige Nutzung des Gebäudes.

© SZ vom 03.02.2017
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