Fürstenfeldbruck Windparks auf der Kippe

Wie geht es weiter mit der Energiewende, wird das im Landkreis selbst gesteckte "Ziel 21" erreicht? Stadtwerke-Chef Karl Heinz Schönenborn ist skeptisch.

Interview: Stefan Salger

Windkraftanlagen ARCHIV - Strommasten und Windräder heben sich am 02.03.2012 wie Scherenschnitte vom farbenprächtigen Abendhimmel ab. Mit der Energiewende soll auch der Ausbau von Windkraft in den ostdeutschen Ländern vorangetrieben werden. Foto: Patrick Pleul/dpa (zu dpa-Umfrage lah lsn lth und lbn vom 16.02.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: dpa)

Die Münchner Stadtwerke haben einen Investitionsstopp für inländische Neubauprojekte im Bereich der Windkraft verhängt. Damit reagieren sie auf Pläne der Bundesumwelt- und Wirtschaftsministerien, die Einspeisevergütung für Ökostrom weiter zu reduzieren. Karl Heinz Schönenborn, Chef der Brucker Stadtwerke, warnt davor, die Sache nur als politischen Bluff der SPD-dominierten Münchner Stadtwerke abzutun. Auch er sieht die Rentabilität von Windkraftanlagen in Gefahr.

Karl Heinz Schönenborn ist Geschäftsführer der Stadtwerke Fürstenfeldbruck und will im Landkreis Fürstenfeldbruck die ersten Windräder bauen.

(Foto: Johannes Simon)

Stellen auch die Fürstenfeldbrucker Stadtwerke aktuelle Projekte noch mal auf den Prüfstand?

Das Genehmigungsverfahren für den Windpark an der Bundesstraße 2 mit drei Anlagen in Bruck, Mammendorf und Maisach ist schon weit fortgeschritten. Hier dürfte Bestandsschutz gelten, auch wenn es Meldungen gibt, dass offenbar auch über rückwirkende Absenkungen der Einspeisevergütung nachgedacht wird.

An wie vielen Windkraftanlagen sind die Stadtwerke denn bislang beteiligt?

In Deutschland an fünf Windparks mit einem Anteil von vier Megawatt. Das sind natürlich Investitionen in Millionenhöhe.

Gibt es neue Projekte auf Bundesebene?

Keine konkreten. Aber wir sind Mitgesellschafter der Energieallianz Bayern, also hier indirekt auf jeden Fall von Einschnitten im Vergütungsbereich betroffen.

Die Münchner Stadtwerke denken über Investitionen in den Bereich der nachhaltigen Energieerzeugung im Ausland nach. Wäre das eine Alternative?

Unser erklärtes Ziel ist es, die Energiewende hier vor Ort zu schaffen. Sofern sich allerdings Anlagen in Deutschland und vor allem in der Region nicht mehr wirtschaftlich betreiben lassen, müsste man das wohl prüfen. Grundsätzlich will ich das nicht ausschließen.

Glauben Sie, dass die Einschnitte wirklich so umgesetzt werden?

Ich hoffe, dass da das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Momentan würde es so aussehen, dass die Anfangsvergütungen von 9,28 auf 8 Cent pro Kilowattstunde sinken würden. Das wäre ein wirklich massiver Eingriff und würde die Energiewende zumindest gefährden.

Was wäre die bessere Alternative?

Ich denke, dass man abgesehen von den systemrelevanten Branchen viel weniger Ausnahmen machen sollte. Dass Golfclubs oder Rechenzentren von der EEG-Umlage befreit werden, ist nicht einzusehen. Schließlich wird die Last dann auf weniger Schultern verteilt, vor allem also auf die privaten Stromkunden. Vielleicht sollte man darüber nachdenken, ob man die Sondervergünstigungen für energieintensive Betriebe und somit die Wirtschaftsförderung nicht lieber aus Steuermitteln finanziert statt über die Umlage.