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Fürstenfeldbruck:Wild in Gefahr

Jäger ärgern sich über frei laufende Hunde

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Das Reh, das der Mammendorfer Jagdpächter in der Nacht von 9. auf 10. April entdeckte, hatte Bissspuren an Kehle und Hinterläufen. Und erst vergangenen Sonntag stellte die Polizei in Germering ein Ehepaar, das zwar zwei Hunde, aber keine Leinen für die Tiere dabei hatte. Einer der beiden Hunde hatte zuvor eine mit zwei Kitzen trächtige Rehgeiß gehetzt und mehrfach gebissen. Sie musste daraufhin von den Polizisten erschossen werden.

Die Jäger im Landkreis Fürstenfeldbruck sind von solchen Ereignissen aufgewühlt und verärgert. Haustiere seien eine "wunderbare Sache, aber mit Verantwortung und langjähriger Fürsorge verbunden", warnt Michael Pöllmann, Sprecher der Brucker Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbandes. Jedoch sei im Corona-Jahr nicht nur die Zahl der Hundebesitzer deutlich gestiegen, sondern "auch die beobachtbare Zahl an unvernünftigen Haltern, die ihren Tieren unangeleint, gerne in der Dämmerung und abseits der Wege den freien, trieborientierten Lauf lassen".

Eine weitere Sorge: In diesen Wochen bis zum Juni kommen die Rehkitze zur Welt, die von ihren Müttern zunächst in waldnahen Wiesen oder Feldern abgelegt werden. Wenn das Kitz in dieser Zeit jedoch durch eine ungeschützte Berührung den Geruch eines Haustiers oder eines Menschen annehme, werde es von der Rehgeiß nicht mehr angenommen und müsse verenden, warnen die Jäger. Auch Mähmaschinen stellen eine Gefahr für die im hohen Gras liegenden Kitze dar. Deshalb kooperieren die Jäger mit den Landwirten: Unmittelbar vor der ersten Mahd werden die Wiesen aufwendig mit ausgebildeten Hunden oder Wärmebilddrohnen abgesucht und gefährdete Kitze fachgerecht in Sicherheit gebracht. So werde die Zahl der unabsichtlich vom Mähwerk getöteten Kitze deutlich reduziert, weiß Pöllmann. Wenn diese Mühen aber durch wildernde Hunde "ad absurdum getrieben werden, ist der entstehende Ärger natürlich umso größer".

Dass das Rehwild nicht abseits der Wege, etwa durch Spaziergänger oder frei laufende Hunde, gestört wird, ist aber auch aus einem weiteren Grund wichtig. Die Jäger im Landkreis versuchen mit ihrer Jagdstrategie, die Tagaktivität der Rehe außerhalb des Waldes zu fördern, damit diese einen Teil ihrer Nahrung eben nicht im Wald suchen. Ziel ist, den durch das Rehwild verursachten Verbiss junger Bäume einzudämmen. So könne man die Zahl der nötigen Abschussquoten stabil halten und müsse sie nicht erhöhen, erläutert Pöllmann: Denn die Jäger wollten nicht mehr, sondern lieber weniger Wild erlegen.

© SZ vom 07.05.2021
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