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Fiktive Kreistagssitzung für Schüler:Wie die Großen

Planspiel Kreistag

Landrat Thomas Karmasin leitet die Sitzung mit den Schülern der zehnten Klasse des Gymnasiums Puchheim

(Foto: Günther Reger)

Bei dem Projekt "Planspiel Kommunalpolitik" lernen Schüler des Gymnasiums Olching die Kommunalpolitik kennen. Zum Abschluss zeigt ihnen der Landrat, wie eine Sitzung des Kreistages abläuft.

Im großen Sitzungssaal des Landratsamts ist es ganz leise, als Landrat Thomas Karmasin die Anwesenden begrüßt. Dann beginnt das "Planspiel Kommunalpolitik", bei dem die Klasse 10b des Gymnasiums Puchheim eine Kreistagssitzung nachstellt und über selbst erarbeitete Anträge diskutiert und abstimmt. Die Leitung der Sitzung übernimmt - wie bei richtigen Sitzungen auch - der CSU-Politiker Karmasin. Auch die Sitzordnung entspricht der des Kreistags; vom Landrat aus rechts sitzt die CSU, links die SPD und in der Mitte sitzen die Freien Wähler und die Grünen. Ihre Partei durften sich die Schüler allerdings nicht selbst aussuchen: Vor Beginn der Sitzung musste jeder aus einem Lostopf seine Fraktion ziehen.

Thomas Karmasin führt durch die ganze Sitzung hindurch, erklärt zu jedem der Punkte grundlegende Fakten, legt aktuelle Informationen dar und teilt den Jugendlichen mit, wie das Prozedere in Kreistagssitzungen abgelaufen wäre. Zur Auflockerung macht er immer wieder kleine Späße. So scherzt er beispielsweise nachdem dem Antrag der Grünen auf Ausweitung der Grünflächen im Landkreis nur von deren Parteimitgliedern zugestimmt wurde: "Das ist bei uns auch oft so, dass die Grünen alleine für ihren Antrag abstimmen". Auch Karmasin hat bei den Vorschlägen der Jugendlichen ein Stimmrecht.

Organisiert wird das Projekt vom Kreisjugendring Fürstenfeldbruck in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Puchheim. Dieses Jahr findet das Planspiel zum dritten Mal statt, sagt Philipp Heimerl, Vorsitzender des Kreisjugendrings. Die Intention dahinter sei es, den Jugendlichen die Politik und besonders den politischen Alltag, in Form von Sitzungen näherzubringen. Die Auswahl der Klasse war dabei zufällig. Der Sozialkundelehrer der Klasse 10b, Werner Anetsberger, erklärt, er sei der Ansprechpartner für das Projekt gewesen und habe deswegen seine "Zehnte" ausgewählt. " Die Schüler haben das Planspiel offen und interessiert aufgenommen und das Ganze einfach auf sich zukommen lassen", sagt er, "im Nachhinein hat es, denke ich, allen Spaß gemacht. Auch weil es mal eine Abwechslung vom Schulalltag geboten hat". Am Montag- und Dienstagvormittag hat sich die Klasse auf die Sitzung vorbereitet und eine Einführung in die Grundlagen der Kreispolitik bekommen. Außerdem kamen am Dienstag noch drei Kreisräte zu ihnen und halfen den Jugendlichen ihre Anträge auszuarbeiten. Am Montagnachmittag durften sie noch einer echten Kreistagssitzung beiwohnen.

Auch die Schüler sind der Meinung, dass das Projekt gelungen ist. Tassilo Friedrich, an diesem Tag der Vorsitzende der CSU-Fraktion, sagt: "Der erste Tag war noch etwas langweilig, aber am Zweiten hat es dann schon Spaß gemacht. Es war auf jeden Fall cool mit den Kreisräten zu arbeiten, auch weil sie noch ziemlich jung waren. Alles in allem war es viel besser als ich zuerst erwartet habe". Er sähe die Politik jetzt anders, meint Tassilo. Er habe nun einen besseren Überblick.

Laut Thomas Karmasin gibt es einen grundlegenden Unterschiede zwischen der Sitzung der Jugendlichen und denen des Kreistags: "Bei den Schülern war das wie in kleinen Gemeinden, in denen jeder daran interessiert ist, unabhängig von Parteizugehörigkeit, eine Lösung zu finden. Im Kreistag ist das ganze mehr politisch verteilt. Aber streiten tun auch wir nicht die ganze Zeit". Die Anregungen der Jugendlichen könne er jedoch kaum in die Kreistagssitzungen aufnehmen, da man Spiel und Wirklichkeit trennen müsse, sagte er weiter. Die regen Diskussionen, die zwischen den Schülern stattfanden dürften ihnen trotzdem viele Erfahrungen vermittelt haben. Nicht zuletzt deswegen ist laut Anetsberger für das nächste Jahr eine Fortsetzung des "Planspiel Kommunalpolitik" geplant.