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Fürstenfeldbruck:Werke für den schmalen Geldbeutel

Die Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck dankt ihren Mitgliedern mit der Präsentation der Jahresgaben. Auch interessierte Besucher konnten die kleinen Kostbarkeiten erwerben

Jahresgaben haben in der Kunst eine lange Tradition. Bereits um das Jahr 1800 herum beginnt ihre Geschichte. Damals nahmen die Menschen durch ihre Mitgliedschaft in den Kunstvereinen an der Verlosung von Kunstwerken teil. Wer nichts gewann, erhielt ein sogenanntes "Nietenblatt", eine Reproduktion. Aus diesen Nietenblättern entwickelte sich im Laufe der Jahre die heutige Form der Jahresgabe: Werke, die die Künstler des Vereins anfertigen und die normalerweise in der Weihnachtszeit kostenlos oder günstig an die Mitglieder verteilt werden. Auch der Förderverein für die Mitglieder der Kulturwerkstatt Haus 10 hat sich vor ein paar Jahren wieder auf diese Tradition besonnen. An diesem Wochenende waren die Jahresgaben im Haus 10 zu sehen.

Mitglieder des Fördervereins konnten sich eines der mehr als 100 Kunstwerke kostenlos aussuchen, alle Interessierten für 50 Euro etwas mitnehmen. Am frühen Sonntagnachmittag waren bereits etwa 20 der Blätter im A 4-Format verkauft. Dem Verein hilft der Verkauf auch bei der Finanzierung der für das Jahr geplanten Ausstellungen. Zehn Künstlerinnen haben sich in diesem Jahr beteiligt und Werke für die Jahresgaben-Ausstellung beigetragen, die meisten davon sind Drucke.

Eine Serie von Drucken hat Katrin Kratzenberg für die Jahresgabenausstellung geschaffen.

(Foto: Günther Reger)

So wie auch die Serie von Grafiken von Katrin Kratzenberg. Auf rotem Hintergrund zeigt sie immer wieder die gleiche Anordnung von Kreisen. Variiert wird dabei werden dabei lediglich Farben und Muster der Kreise. Der Betrachter erkennt so, wie man mit kleinen Variationen eines Grundmotives jedes Mal etwas ganz neues Schaffen kann. Zwei Tage hat Kratzenberg zusammen mit Christine Helmerich in der Druckwerkstatt gestanden und gearbeitet. "Ich arbeite mit schwarzer Grundierung, was den Prozess etwas aufwendiger macht. Am ersten Tag muss ich grundieren und alles trocknen lassen und am zweiten Tag kommt dann die Farbe", erzählt Helmerich. Von ihren 14 Drucken sind bereits vier verkauft. Es sind abstrakte Formen, die an Wurzeln und Zweige erinnern, weiß, grün.

Zum Pinsel gegriffen hat unter anderem Christine Neuberger. Sie präsentiert mehrere Aquarelle mit winterlichen Landschaften. Ein dunkler See an dessen Ufer zahlreiche blattlose Bäume stehen, umrahmt von dunklen Wolken, ist bereits mit einem roten Punkt markiert, hat also einen Käufer gefunden. Ebenso zwei weitere Winterlandschaften.

Auch Claudia Hassel zeigt in einer ihrer drei Serien Landschaften. Allerdings ist es bei ihr ein massives Gebirge, das die Szene dominiert. Drei verschiedene Versionen davon hat sie gedruckt. Einmal mit einem satten rosa-roten Himmel, in der zweiten Version zwar farbgleich, aber nicht so intensiv-strahlend, sondern zarter, weniger dominant. In der dritten Version ist der Himmel blau, das Gebirge mit seinen schneebedeckten Gipfeln und Pfaden nicht mehr tiefschwarz, sondern in einem helleren blau-grau.

Petra Bergner hat für die Mitglieder des Fördervereins ein paar kleine Aquarelle gemalt.

(Foto: Günther Reger)

Und so haben die Besucher die Möglichkeit, sich an einer Vielzahl von einfachen aber hochwertigen Motiven zu erfreuen und daraus zu wählen. Jahresgaben dienen oft als Einstieg in die Sammlertätigkeit. Weil sie den Käufer ermöglichen, gute Kunst zu einem kleinen Preis zu erwerben. Nicht wenige Sammlungen haben sich so entwickelt. Und immer wieder schaffen es Jahresgaben der großen Kunstvereine in den Handel. Eine der bekanntesten wurde 1981 von Andy Warhol für die Mitglieder der Kestner-Gesellschaft in Hannover geschaffen: Ein Siebdruck mit dem Gesicht von Mick Jagger, der heute ein Vielfaches vom Kaufpreis von 1000 Mark wert ist.

© SZ vom 20.01.2020
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