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Fürstenfeldbruck:Weiter Arbeitsweg

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Betreuerin pendelt täglich vom Irschenberg nach Bruck

Die Wohnungsknappheit treibt bisweilen seltsame Blüten: Damit sie ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst als "Bufdi" bei der Caritas Fürstenfeldbruck Menschen mit Behinderung helfen - und so vielleicht auch in Deutschland Fuß fassen kann - pendelt eine junge Frau aus Kolumbien Werktag für Werktag vom Irschenberg in die Kreisstadt. Etwa eine Stunde und vierzig Minuten ist Luisa Cruz von ihrem Wohnort bis zum Arbeitsplatz unterwegs - für den einfachen Weg und nur unter der Voraussetzung, dass alle öffentlichen Verkehrsmittel pünktlich sind. Da die 28-Jährige als Bufdi nicht viel verdient, wünscht sie sich vom SZ-Adventskalender Geld für ihre Fahrkarte sowie für die nötigsten Dinge wie Kleidung und Lebensmittel.

Luisa Cruz, die eigentlich anders heißt, hat in ihrer Heimat Bogota, der kolumbianischen Hauptstadt, alles zurückgelassen, was ihr lieb ist. "Meine Familie ist in Bogota, ich habe drei Schwestern." Die jüngste sei ihre beste Freundin. Wichtig ist ihr auch der gemeinsame Familienhund. Obwohl Heimweh und Sehnsucht in ihren Erzählungen mitschwingen, lacht Luisa Cruz viel. Dann kräuselt sich ihre Nase und sie gluckst. Die gute Laune der 28-Jährigen ist auch schon den Kollegen bei der Kontaktstelle für Menschen mit Behinderung aufgefallen. "Den teils schwer gehandicapten Menschen tritt sie stets mit einem Lächeln, viel Engagement und Empathie entgegen", so eine Kollegin.

Mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten, hat der 28-Jährigen eine neue Welt eröffnet. "Ich habe gedacht, die Arbeit ist sehr, sehr schwierig, aber es ist eine sehr schöne Arbeit", berichtet die junge Frau, die in ihrer Heimat ein Ingenieurstudium absolviert hat. Jetzt in Fürstenfeldbruck begleitet Luisa Cruz junge Menschen mit Behinderung in die Cäcilienschule und unterstützt sie dort im Unterricht und beim Lernen. Des weiteren hilft sie auch beim Angebot "Freizeitgestaltung" mit: Da treffen sich Menschen mit Behinderung regelmäßig, beispielsweise in den Räumen an der Schöngeisinger Straße zum Malen, Basteln oder gemeinsam Spielen. Luisa gefällt die Arbeit bei der Caritas sogar so gut, dass sie gerne eine Ausbildung machen möchte - "etwas mit Pädagogik".

Natürlich wäre der jungen Frau aus Bogota mit einer Bleibe, die näher an ihrer Arbeitsstelle liegt, sehr geholfen. Allerdings kann sie nur 350, höchstens 400 Euro dafür bezahlen. Dass das kaum für eine Wohnung reicht, ist der jungen Frau bewusst. Sie würde auch mit einem Zimmer in einer Wohngemeinschaft glücklich. Derzeit hat Cruz einen reinen Arbeitsweg von mehr als drei Stunden, wenn alles glatt läuft. Aber das ist nicht so oft der Fall. "Es gibt viele Verspätungen, vor allem im Winter", hat sie schon festgestellt. Doch die Wohnungssuche in der Nähe ist mit ihrem kleinen Budget äußerst schwierig. 620 Euro zahlt ihr die Caritas im Monat, etwa hundert Euro kostet allein die Fahrkarte. Und dann schickt die 28-Jährige auch noch Geld an ihre Familie. Bogota und ganz Kolumbien werden derzeit wegen der desolaten wirtschaftlichen Lage von schweren Unruhen und Massenprotesten erschüttert, Millionen Menschen gehen auf die Straße.