Fürstenfeldbruck:Wanderungsbewegungen

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Fürstenfeldbruck: Eingangsschülerzahlen 5. Klassen im Landkreis Fürstenfeldbruck. SZ-Grafik: Quelle: Landratsamt Fürstenfeldbruck

Eingangsschülerzahlen 5. Klassen im Landkreis Fürstenfeldbruck. SZ-Grafik: Quelle: Landratsamt Fürstenfeldbruck

Die Anmeldezahlen an den Gymnasien bleiben auf einem hohem Niveau. Immer wieder sind Überraschungen dabei wie diesmal ein deutlich geringeres Interesse für das Viscardi-Gymnasium

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Das Gymnasium bleibt im Landkreis die beliebteste Schulart. Allerdings sind die Zeiten wie zu Anfang des Jahrzehnts vorbei, als die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler die Grundschulen in Richtung Gymnasium verließen. Vorige Woche wurden 967 künftige Fünftklässler an den sieben Landkreisgymnasien für das neue Schuljahr angemeldet. Die Übertrittsquote dürfte wie im Vorjahr bei etwa 45 Prozent liegen. Auch an den Realschulen ist der Andrang mit 528 Anmeldungen ähnlich noch wie in den Vorjahren.

Die Zahlen freilich sind noch nicht endgültig, denn einige Schüler müssen erst noch den Probeunterricht bestehen. Auch können sich bisherige Fünftklässler der Mittelschulen noch für den Übertritt entscheiden. Eine Schullaufbahn über die Realschulen erfreut sich seit Jahren immer größerer Beliebtheit. Dort gibt es weniger Nachmittagsunterricht als an den Gymnasien, nach der Mittleren Reife aber die Möglichkeit, sich an der Fachoberschule einzuschreiben und dort ein Fachabitur nach zwölf Schuljahren oder sogar ein allgemeines Abitur nach 13 Schuljahren abzulegen.

Überraschungen bei den Anmeldungen oder "Ausreißer", wie der zuständige Referatsleiter im Landratsamt, Günter Sigl, sie nennt, gibt es dennoch an einzelnen Schulen: So meldet das Landratsamt für die Ferdinand-von-Miller-Realschule in Fürstenfeldbruck 97 Fünftklässler und damit deutlich weniger als in den Vorjahren. Auch für das Brucker Viscardi-Gymnasium entschieden sich diesmal spürbar weniger Schüler. Das entbindet den Landkreis als sogenannten Sachaufwandsträger zunächst von einem veritablen Problem: Das Viscardi war mit zuletzt mehrmals 200 Fünftklässlern an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Dort einen Klassenzimmercontainer aufzustellen, widerriefen die Kreisräte jedoch, als im vorigen Herbst die Eingangsschülerzahlen an der Nachbarschule Graf-Rasso-Gymnasium (GRG) einbrachen. Für das kommende Schuljahr ist das Interesse an den beiden Brucker Gymnasien ausgewogen: 124 Fünftklässler am Viscardi, 120 am GRG. Viscardi-Direktor Walter Zellmeier wirkt ein wenig enttäuscht: "Grundsätzlich freuen wir uns, wenn wir viel Zuspruch haben, und freuen uns nicht so, wenn dem nicht so ist." Aber auch im Landratsamt rätselt man darüber, "wohin etwa 50 Schüler verschwunden sind", so Sigl. Anfragen hätten ergeben, dass sie nicht an die Realschulen, aber auch nicht an andere Gymnasien wie Sankt Ottilien oder Dießen abgewandert seien.

Am Graf-Rasso-Gymnasium ist man froh, wieder eine "für unsere Schule ideale" Größe erreicht zu haben, sagt Schulleiterin Doris Hübler. Die Werbung für die eigene Einrichtung hatte man zuletzt intensiviert. Möglicherweise seien nun auch Einzugsgebiete wie Türkenfeld zurückgekommen, vermutet Hübler. Schüler von dort habe sie vor Jahren, kurz nach dem Umzug auf das Tulpenfeld, "bremsen" müssen, damit die neue Schule nicht zu voll werde.

Eine ähnliche Entwicklung nimmt das Gymnasium Olching mit nunmehr 140 Anmeldungen. Im Vorjahr waren es wie am GRG nur 86 gewesen. Man habe den Informationsabend "anders strukturiert", auch auf die Stärken der Schule hingewiesen wie etwa die Deutschen Lehrerpreise, die es für innovativen Unterricht gab, oder das gute Abschneiden beim Wettbewerb "Jugend forscht", berichtet stellvertretender Schulleiter Thomas Schranner. Nun würden sich Grundschule und Gymnasium nach den Pfingstferien gegenseitig besuchen, "um den Übergang gut zu gestalten".

Ähnlich wie in den Vorjahren sind die Anmeldungen an den Realschulen in Maisach (144) und Unterpfaffenhofen (134) sowie in Germering am Carl-Spitzweg- (153) und Max-Born-Gymnasium (135). Puchheims Realschulleiter Herbert Glauz weist nicht ohne Stolz darauf hin, dass 153 Schüler an die Realschule wollen und damit genauso viele wie ans Gymnasium (157). Die Puchheimer Realschule war einst auf 24 Klassen ausgelegt, nun sind es 30. Mit einem Erweiterungsbau wird gerade begonnen. Am Gymnasium will Direktor Georg Baptist "nicht ausschließen", dass die neue Mittelstufe plus, die dort als Schulversuch läuft und die Möglichkeit bietet, achte, neunte und zehnte Klasse auf vier Schuljahre zu strecken, anziehende Wirkung auch schon auf die Fünftklässler entfaltet. Für das neue Schuljahr entschieden sich in Puchheim 68 Prozent der künftigen Achtklässler für die längere Variante.

Das Gymnasium Gröbenzell muss von Herbst an 138 Neulinge unterbringen. Darunter werden noch keine gebundenen Ganztagsschüler sein, denn dafür gab es mit 18 Anmeldungen von der Grundschule Lochhausen zu wenige. Im nächsten Jahr will die Schule das Angebot mit dem über Vormittag und Nachmittag verteilten, rhythmisierten Unterricht noch einmal machen, kündigt der neue Schulleiter Boris Hackl an. Denn erst dann werden die Gröbenzeller Grundschüler, die schon jetzt eine gebundene Ganztagsklasse besuchen, aufs Gymnasium wechseln.

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