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Fürstenfeldbruck:Vom Polizeidienst zum Massenmord

Warum beteiligten sich deutsche Polizisten so bereitwillig am Holocaust? Dieser Frage geht der Historiker Sven Deppisch in einem Vortrag am Mittwoch, 20. November, in der Volkshochschule Fürstenfeldbruck nach. Er knüpft an die Forschung an, die relativ spät erkannte, in welchem Ausmaß die "Freunde und Helfer" an der Shoah beteiligt waren. Seitdem stehen auch konkrete Motive im Fokus, wie etwa Antisemitismus oder die Lust und der Spaß am Töten. Deppisch, der eine umfangreiche Studie über die Polizeischule in Fürstenfeld vorgelegt hat, schildert, wie der Weg vom regulären Polizeidienst zum Massenmord verlief und welche Rolle die NS-Ideologie spielte. Dabei beschäftigt sich der Historiker aus Gröbenzell auch mit den Nachkriegslegenden, in denen die Täter als reine Befehlsempfänger oder verkrachte Existenzen dargestellt wurden. "Die Nachkriegsgesellschaft begnügte sich lange mit allzu einfachen Antworten", sagt Deppisch. Pauschal unterstellt wurde ein Befehlsnotstand, dass Polizisten gar keine andere Wahl gehabt hätten, als die verbrecherischen Befehle ihrer Vorgesetzten zu befolgen. Der Vortrag "Ganz normale Männer? Wie Gesetzeshüter im 'Dritten Reich' zu Massenmördern wurden" beginnt um 19 Uhr in der VHS am Niederbronnerweg 5.

© SZ vom 20.11.2019 / bip

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