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Fürstenfeldbruck:Voller Inbrunst

Clemens Reißenweber, 11, aus Puchheim liest erneut am besten vor und steht nun im Landeswettbewerb

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Clemens Reißenweber ist eine Runde weiter. Der elf Jahre alte Schüler der 6b des Gymnasiums Puchheim hat den Vorlesewettbewerb auf Regionalebene am Donnerstag in der Stadtbücherei Aumühle gewonnen. Der fünfköpfigen Jury gefiel sein Videobeitrag zusammen mit dem von Freya Buras aus Freising am besten. Insgesamt nahmen an dem Wettbewerb für Oberbayern-Nord elf Schüler der sechsten Klassen teil. Die beiden Sieger treten in der nächsten Runde auf Landesebene an.

Die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels veranstaltet den Vorlesewettbewerb. Wegen der Pandemie können Teilnehmer nicht live vor der Jury ihr Lesegeschick darbieten. Alle Teilnehmer haben ihren Beitrag, der nicht länger als drei Minuten dauern darf, als Video aufgezeichnet und an die Brucker Stadtbibliothek geschickt.

Zum Entscheid am Donnerstag sitzt die Jury, Bücherei-Leiterin Diana Rupprecht, ihrer Stellvertreterin und einer Auszubildende, Irene Weinberg, Bibliotheksreferentin des Brucker Stadtrats, sowie Kathrin Schmidt von der Buchhandlung Treffpunkt Wagner mit einem Techniker und zwei Pressevertretern mit viel Abstand im Veranstaltungssaal der Aumühle. Es gelte zu beachten, sagt Rupprecht, "ob der Vortrag auch lebendig ist und nicht so gekünstelt".

clemens reißenweber

Prämierter Vorleser: Clemens Reißenweber.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Vor sich auf dem Tisch hat jede Jurorin vier Din-A4-Blätter. Auf dreien sind die elf Kreissieger mit ihrer Lektüre aufgelistet; die Reihenfolge ergibt sich aus dem Herkunftslandkreis. Das vierte Blatt enthält die Bewertungskriterien, unterteilt in Lesetechnik, Interpretation und Textstellenauswahl. Bei Letzterem achtet die Jury etwa darauf, ob die Passage schlüssig ist und die Zuhörer alles gut verstehen.

Die Videos werden auf eine große Leinwand projiziert, der Techniker reguliert für jeden Beitrag die Lautstärke. Von Amy Schörgenhuber aus dem Landkreis Altötting stammt der erste Beitrag. Sie sitzt auf ihrem Sofa und liest aus "Mein Lotta-Leben" von Alice Pantermüller. Es klingt so natürlich und lebhaft, als würde sie den Text im Stil einer Tagebuchaufzeichnung einer Freundin erzählen. Niklas Küffner, Kreis Dachau, der erste der drei männlichen Teilnehmer, hat sich "Der Wunschpunsch" von Michael Ende ausgesucht - das Buch, mit dem auch Clemens Reißenweber die Jury überzeugen möchte. Auch er hat eine Textstelle gewählt mit einem Dialog zwischen dem geheimen Zauberrat Beelzebub Irrwitzer und seiner Tante, der Geldhexe Tyrannja Vamperl, mit ihrer hohen Piepsstimme. Allerdings: Die Buchauswahl selbst wird nicht bewertet.

Nach jedem Video notieren die Jurorinnen ihren Eindruck auf dem Bewertungsbogen. Im Saal ist es totenstill, nur die Lüftung rauscht dezent im Hintergrund und gelegentlich hört man das Geräusch eines Stiftes auf einem Tisch. Es folgen die Beiträge der Kreissieger aus Erding bis Pfaffenhofen. Alle Teilnehmer lesen fehlerfrei und mit lebendiger Betonung. Später wird die Bibliotheksleiterin erklären, dass "die Entscheidung für die zwei Besten sehr schwer" gefallen sei.

Vorlesewettbewerb und Pandemie: Diana Rupprecht und die anderen Jurymitglieder sehen und bewerten die als Videos eingeschickten Beiträge.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Clemens Reißenwebers Video wird als sechstes gezeigt. Mit einer kurzen, schlüssigen Einführung scheint er die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich zu ziehen. Und als er die Hexe mit unglaublich hoher Stimme und voll Inbrunst sagen lässt, "Es war so stimmungsvoll", müssen alle im Saal schmunzeln. Dazu passt die Begründung der Jury: "Er bewies durch seine lebendige, aber nicht übertriebene Darstellung, dass er sich mit den Figuren und der Handlung stark identifiziert." Beide Gewinner erhalten Buchgeschenke sowie ein Zeitschriftenabo und vertreten den Bezirk in der nächsten Runde, im Landesentscheid.

© SZ vom 17.04.2021
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