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Fürstenfeldbruck:Viele neue Helfer

Die Corona-Krise beschert der Bürgerstiftung für den Landkreis eine ungewöhnlich hohe Zahl an Menschen, die sich ehrenamtlich einbringen wollen. Dadurch konnten die Tafeln ihren Betrieb wieder aufnehmen

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Mit den zahlreichen Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurden auch die 940 Tafeln mit ihren mehr als 2000 Tafelläden in Deutschland hart getroffen. Viele mussten die Abgabe von Lebensmittel an Bedürftige einstellen. Zum einen, da viele der Ehrenamtlichen im Rentenalter sind und zur Risikogruppe gehören. Zum anderen, da vielen Tafeln die Spenden von Nahrungsmitteln wegbrachen. Auch die vier Tafeln im Landkreis mussten Mitte März ihre Tätigkeit beenden. Doch seit Anfang April läuft der Betrieb wieder in Fürstenfeldbruck, Puchheim-Eichenau, Olching-Maisach und Germering. Dank vieler jüngerer Helfer, die sich in kurzer Zeit spontan gemeldet haben. Und dank des Münchner Vereins "Kinderleicht", der die Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck als Trägerin der Tafeln bei der Organisation unterstützt.

Zeitgleich mit der Schließung der vier Tafelläden hat die Bürgerstiftung eine Coronahilfe-Hotline eingerichtet, ein Plattform für Menschen, die Hilfe benötigen, und solchen, die helfen wollen. In wenigen Tagen meldeten sich viele Personen aus dem gesamten Landkreis, von Eichenau bis Unterscheinbach, mehr als achtzig insgesamt, die bei der Tafel mithelfen wollten. "Es ist tatsächlich so, dass sich mehr Leute melden, die helfen wollen, als Hilfesuchende", bestätigt Dorothee von Bary. Die Vorsitzende der Bürgerstiftung hat diese Erfahrung schon häufiger gemacht. Die neuen Helfer seien zwischen 18 und 50 Jahren alt, viele hätten aufgrund der Situation durch das Coronavirus jetzt mehr Zeit. "Jetzt haben wir ungefähr 30, die wir bei den Tafeln eingesetzt haben." Die bisherigen Helfer werden allesamt bis auf weiteres in den Tafelläden nicht erscheinen. Nur noch ein Ehrenamtlicher aus der bisherigen Belegschaft habe bei der Ausgabe der vorher gepackten Tüten - im Freien, um das Infektionsrisiko zu minimieren - ein Auge darauf, dass alles seinen geregelten Gang geht.

"Und es hat sich auch ein Verein gemeldet", berichtet die Vorsitzende vom Hilfsangebot von Kinderleicht. Der Verein mit Sitz in Pasing unterstützt die Bürgerstiftung jetzt bei der viel aufwendiger gewordenen Organisation. Wegen der Veränderungen durch die Corona-Pandemie werden die Lebensmittel nun nicht mehr an die jeweiligen Tafelläden geliefert und jeder Kunde kann dort, ein bisschen wie im Supermarkt, nach Wunsch auswählen. Nun werden in Fürstenfeldbruck zentral Tüten gepackt und diese dann an den vier Ausgabestellen verteilt. Diese Veränderung erfordert eine zentrale Organisation. "Da braucht es jemanden für die übergeordnete Koordination", wie von Bary erläutert. Und die macht jetzt der Verein Kinderleicht. Er ist ein Zusammenschluss aus interdisziplinären Akteuren und konzipiert und realisiert Projekte zu Themen aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Umwelt. Zwei Frauen von Kinderleicht, die im Landkreis leben, erstellen jetzt für die 30 Ehrenamtlichen in den vier Tafelläden und in der Zentrale in Fürstenfeldbruck die Dienstpläne. Diesen Arbeitsaufwand, so die Vorsitzende, "hätten wir gar nicht stemmen können".

Probleme wegen fehlender Lebensmittelspenden gibt es laut von Bary übrigens nicht. Ganz im Gegenteil. "Es ist reichlich Ware da"; viele Großhändler hätten Absatzprobleme, "da die Gastronomie keine Ware mehr abnimmt". Darüber hinaus sei auch die Spenden-, nicht nur die Hilfsbereitschaft der Menschen "enorm". Aus diesem Grund gibt es in den Tafelläden weder Mangel an Lebensmitteln noch an den aktuell nötigen Hilfsmitteln wie Einmalhandschuhen, Desinfektionsmittel oder Mundschutz, zumindest dem selbst genähten. Auch der war übrigens eine Spende von hilfsbereiten Näherinnen aus dem Landkreis.

© SZ vom 14.04.2020

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