Nach 45 Jahren könnte eine Institution sang- und klanglos am Ende sein. Generationen von Fürstenfeldbruckern haben sich im Unterhaus am Marktplatz getroffen, um im Kellergewölbe der Musikbar gemeinsam zu feiern, zu tanzen oder einfach eine gute Zeit mit Freunden in einem der schönsten Biergärten der Stadt zu verbringen. Ende Juli beginnt die große Ungewissheit. Dann läuft der Mietvertrag mit der Erzdiözese München als Hauseigentümer aus.
„Wir hängen in der Luft“, sagt Patrick Gessner, der Betreiber der Bar. Und eine Verlängerung ist nicht in Sicht. Mit „Wir“ meint Gessner auch die beiden Angestellten in Vollzeit, die in Teilzeit und die 15 Aushilfen. Gleichermaßen betroffen sind die Beschäftigten des asiatischen Restaurants Tobu und letztlich wohl auch die Mieter in den vier Wohnungen. Betroffen sind freilich auch die Gäste der in ihrer Art ziemlich einzigartigen Bar.

Bislang ist der Mietvertrag alle fünf Jahre anstandslos verlängert worden. Seit zehn Jahren hieß es gleichwohl, die Kirche wolle sich von der unter Denkmalschutz stehenden Immobilie an der Hauptstraße trennen beziehungsweise sie in Erbpacht veräußern. Diese Pläne sind offenbar konkreter geworden – in einer Zeit, in der die Kirchen auf den Schwund von Mitgliedern und Einnahmen aus der Kirchensteuer reagieren müssen. Im Landkreis Fürstenfeldbruck haben die katholische wie auch die evangelische Kirche bereits Gotteshäuser geschlossen, entwidmet und zum Kauf angeboten – wie es in Emmering der 1988 eingeweihten evangelischen Versöhnungskirche bevorsteht, die am 28. Juni nach dem Abschiedsgottesdienst offiziell entwidmet wird.

Gessner hat nach eigenen Worten mehrere Male versucht, jemanden von der Diözese ans Telefon zu bekommen – vergeblich. Auch auf E-Mails habe er keine Antwort bekommen. Der Betreiber des Unterhauses könnte sich durchaus vorstellen, das Gebäude, eventuell gemeinsam mit den Betreibern des Restaurants, zu erwerben. In Erbpacht sollte dies seiner Meinung nach möglich sein. „Wir würden investieren. Aber ich weiß ja nicht mal, was die Kirche haben will.“
Dazu macht die Erzdiözese München und Freising auch auf SZ-Nachfrage keine konkreten Angaben. Schriftlich heißt es lediglich, bezüglich „des Zustandes und der Zukunft des Gebäudes“ in der Hauptstraße 25 in Fürstenfeldbruck könne man „aktuell keine Aussagen treffen“. Das Erzbischöfliche Ordinariat stehe hierzu im Austausch mit der Stadt Fürstenfeldbruck. Zu Mietverhältnissen könne man sich aus Gründen des Datenschutzes nicht äußern.
Fürstenfeldbrucks Stadtbaurat Johannes Dachsel bestätigt, dass man bereits längere Zeit im Austausch mit der Erzdiözese über die Weiterentwicklung der Liegenschaft sei. „Neben dem Erhalt der denkmalgeschützten Gebäudeteile liegt auch die Sicherung des Baumbestandes im städtischen Interesse.“ Sogar der Kauf der Immobilie wird geprüft.
Die Stadt als berechenbarer und örtlich naher Vermieter wäre Gessner ebenfalls recht – auch wenn diese jüngst aufwendige und teure Prüfungen im Zuge des Brandschutzes angemahnt habe. Umziehen ist für den Barbetreiber keine Option. Vergleichbare, zentral gelegene Räumlichkeiten gebe es weder in Fürstenfeldbruck noch in anderen Städten im Landkreis. Einige mussten schließen, so wie das Shake's Bier an der Augsburger Straße, das nicht über einen zweiten Fluchtweg verfügt hatte.
Gessner will noch nicht aufgeben, er hofft auf eine Lösung noch vor dem 31. Juli. Die Musikbar zu schließen und auszuräumen, ergibt seiner Überzeugung nach gar keinen Sinn, solange das Haus noch nicht verkauft ist. Auch im Biergarten gehe der Betrieb mit Public Viewing von WM-Spielen erst einmal ganz normal weiter.

