Süddeutsche Zeitung

Fürstenfeldbruck:Unmut über Wohnquartier

Brucks Politiker lehnen ein Neubauprojekt ab. Verhindern können sie es aber nicht

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Bauvorhaben sollen in der Kreisstadt vor einer Genehmigung nicht mehr in der Endlosschleife hängen, sondern möglichst unbürokratisch beschleunigt werden. Das hat freilich auch seine Schattenseiten, wie die Debatte über ein Neubauprojekt an der Wernher-von-Braun-Straße am Mittwoch im Bauausschuss beweist. Es geht um den Bau von 13 Reihenhäusern nebst 26 oberirdische Parkplätzen. Weil das Vorhaben rechtlich zulässig ist, wäre es den Stadträten gar nicht mehr vorgelegt worden - hätte nicht Georg Jakobs (CSU) darauf gedrängt.

Der Stadtrat hat der Bauverwaltung jüngst mehr Befugnisse gegeben. Die seit Mai gültige Geschäftsordnung sieht vor, dass über Bauvorhaben bis zu einer gewissen Größe standardmäßig nicht mehr in den politischen Gremien debattiert und beschlossen wird. Im aktuellen Fall hätten sich die Politiker aber schon gewünscht, entsprechende Unterlagen vorgelegt zu bekommen. Sie sei "nicht glücklich", sagte etwa Irene Weinberg (BBV). Sie bat darum, Bauvorhaben in dieser Größe vorzulegen, um vielleicht doch noch "am einen oder anderen Rädchen drehen zu können". So sei das mit der Änderung der Geschäftsordnung nicht gedacht gewesen, pflichtete Alexa Zierl (ÖDP) bei. CSU-Fraktionssprecher Andreas Lohde will zwar im Grunde an der Satzung festhalten. Wenn Genehmigungen aber so offensichtlich mit den Interessen von Bürgern und Politikern kollidierten, dann sollte seiner Ansicht nach darüber eben schon diskutiert werden. Lohde nannte als weitere Beispiele Bauvorhaben an der Hubertusstraße und in Aich. "Nachverdichtung muss verträglich sein", sagte Lohde. "Das sollte uns so nicht mehr passieren", sagte auch sein Fraktionskollege Franz Höfelsauer.

Stadtbaurat Johannes Dachsel machte klar, dass es wegen des rechtsgültigen Bebauungsplans und des positiven Vorbescheids kaum Möglichkeiten gibt, noch grundsätzlich Einfluss zu nehmen. Dennoch nutzten mehrere Stadträte die Gelegenheit, ihren Unmut über die Planungen zum Ausdruck zu bringen und dafür zu plädieren, Flächennutzungs- und Bebauungspläne möglichst schnell zu aktualisieren (Georg Stockinger, Freie Wähler), sowie der künftigen baulichen Entwicklung mit dem Stadtentwicklungskonzept einen Rahmen zu geben (Christian Götz, BBV). Die Kritik lautet: Keine Bereicherung fürs Stadtbild, architektonisch zweifelhaftes Aneinanderquetschen von schmalen Reihenhäusern, denen Altbauten zum Opfer fallen, zu viele oberirdische Stellplätze und zu viele Bäume, die gefällt werden.

Mirko Pötzsch (SPD) bekannte sich zwar zu einer dichteren Bebauung im innerstädtischen Bereich, mahnte aber architektonisch anspruchsvollere Konzepte an, die auch der Wohnqualität dienen sollten: "Das ist doch kein Gewerbegebiet!" Thomas Brückner (Grüne) bedauerte, "dass das Kind schon in den Brunnen gefallen ist". Da würden ohne Rücksicht auf den Altbaubestand "Standard-Reihenhäuser reingeknallt". Als "sehr unbefriedigend" bezeichnete er vor allem die 6,50 Meter breite Zufahrtsstraße nebst Stellplätzen, durch die zumindest Teile der heutigen Grünflächen versiegelt werden. Er würde sich zudem wünschen, dass nicht zwei Stellplätze pro Reihenhaus vorgeschrieben würden, sondern für zwei Häuser drei Plätze ausreichen. Vor allem plädierte Brückner für den Erhalt von mehr Bäumen. Hans Schilling (CSU) nutzte die Gelegenheit, eine weitere aus seiner Sicht besorgniserregende Entwicklung anzusprechen. So würden viel zu oft "scheibchenweise" unliebsame Tatsachen geschaffen bei Projekten, die sich nach Paragraf 34 lediglich an der Umgebungsbebauung orientieren müssen.

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SZ vom 22.01.2021
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