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Fürstenfeldbruck:Unmut über das Hin und Her

Direkter Kontakt zu Kundinnen und Kunden ist selten geworden: Claudia Schleyer-Voigt in ihrem Laden "Claudias Modepavillon" in Puchheim.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Mal liegt der Inzidenzwert unter, mal über 100. Deshalb ändern sich die Regeln fürs Einkaufen ständig. Die Geschäftsleute kritisieren dies - und sehen auch in Tests wenig Vorteile

Von Anna Schorr, Fürstenfeldbruck

Laden auf, Laden zu: Einzelhändler im Landkreis müssen sich derzeit mit Öffnungen und Schließungen ihrer Geschäfte an die schnell wechselnden Inzidenzwerte anpassen. Das Hin und Her stellt die Händler, ihre Mitarbeiter und Kunden vor große Herausforderungen. "Einen Tag auf, einen Tag zu, die Kunden wissen gar nicht, was los ist", beschreibt Evelyn Haame, Inhaberin von "Evi-Moden" in Gröbenzell, die Schwierigkeit, die sich für ihre Kundschaft ergibt. "Ich muss die Plakate im Schaufenster ständig wechseln. Es gibt eine totale Verunsicherung, was erlaubt ist und was nicht." Auch Monika Mihm-Zimmermann, Inhaberin des Geschäfts "Stoffe, Wolle, Handarbeiten" in Fürstenfeldbruck, weiß, wie schwierig die Situation für ihre Kunden ist. Als Verbraucher sei man gefordert, sich ständig über die geltenden Regelungen zu informieren. Das setze sehr viel Mitdenken voraus. "Man kann sich nicht einfach aufs Radl setzen und einkaufen fahren. Man muss überall anfangen zu überlegen: Wer hat auf? Wo ist die Telefonnummer des Geschäfts?"

Claudia Schleyer-Voigt, Inhaberin von "Claudias Modepavillon" in Puchheim versucht, ihre Kunden zeitnah über ihre Social-Media-Plattformen zu informieren. Aber auch sie berichtet: "Die Kunden kennen sich nicht aus." Trotz der Schwierigkeiten erfahre sie aber eine große Solidarität der Kunden. Daniele Penzkofer, Inhaberin des Geschäfts "Liebevoll" in Puchheim, kann ebenfalls auf ihre Kunden bauen: "Meine Kunden unterstützen mich. Ich bekomme manchmal Blümchen vorbeigebracht, und sie fragen auch mal, wie es mir geht - und nicht immer nur, wie es dem Laden geht." Für die gebürtige Kölnerin ist vor allem die Terminvergabe eine Herausforderung. Sie arbeite sieben Tage die Woche am Handy und habe sich sogar schon eine zweite Handynummer zugelegt. Besonders ärgerlich sei es, Kundentermine teils absagen oder auch erneut zusagen zu müssen. "Man muss da auf die Nettigkeit der Kunden hoffen, aber das geht relativ gut."

Schleyer-Voigt und Mihm-Zimmermann sind mit dem bisherigen Click-and-Meet-Konzept zufrieden. "Die drei Wochen, die wir im März geöffnet hatten, haben richtig gut getan. Auch wenn alles nur mit Termin und Kontaktdaten möglich war - das war wie Aufatmen", sagt Mihm-Zimmermann. "Es hat einen Lichtblick gegeben", pflichtet Schleyer-Voigt bei. Dass jetzt aber Geschäfte immer wieder mal geöffnet, mal geschlossen seien, sei eine Katastrophe. "Es ist ein Wahnsinn, das zu planen", berichtet Schleyer-Voigt. "Den Mitarbeitern kann man nur kurzfristig Bescheid sagen und die Planung für die Herbst- und Winterware ist fast unmöglich." Die Planungsunsicherheit bemängelt auch der Juwelier und Uhrmacher Karl W. Bärmann in Fürstenfeldbruck: "Man weiß von Woche zu Woche nicht, wie es weitergeht." Das Ganze lohne sich nicht. Heinz Collatz, Geschäftsführer der "Anglerwelt Fürstenfeldbruck", bezeichnet das Hin und Her als "nicht mehr haltbar". "Die letzten Wochen waren katastrophal. In den nächsten sechs Monaten müssen wir zusperren, ich kann nicht mehr anders", sagt er.

Dass ab einem Inzidenzwert von 100 Geschäfte nur noch nach Terminvereinbarung und zusätzlich mit einem negativen Corona-Test betreten werden dürfen, macht die Sache für viele Einzelhändler nicht einfacher. "Ich mache die Tür jetzt halt einfach gar nicht mehr auf", erzählt Mihm-Zimmermann. Stattdessen steige sie jetzt wieder auf Click-and-Collect um. "Der Kunde steht draußen im Schneefall und zeigt mir mit Händen und Füßen, was er haben möchte. Ich halte dann die Ware an die Fensterscheibe, und wenn er dann nickt und mir drei Finger zeigt, weiß ich, dass er davon drei Stück braucht", erklärt sie die umständliche Kaufprozedur. Sie hofft, dass sich dies über die Zeit als kostendeckend erweist. "Gewinn machen wir keinen, das steht mal fest." Auch Susanne Schorer, Inhaberin von "Susanne's Wohnideen" in Gröbenzell, bietet nun wieder Click-and-Collect an: "Wir haben von unseren Kunden die Rückmeldung bekommen, dass sie lieber eine Bestellung abholen, bevor sie mit einem negativen Test hier anrücken müssen." Wenn aber doch jemand mit einem Test kommt, sei er herzlich willkommen.

Franz Höfelsauer, Vorsitzender des Gewerbeverbands in Fürstenfeldbruck, sieht dagegen kein großes Problem bei den Einkaufstests. Eine wichtige Voraussetzung sei die Testsituation: "In Fürstenfeldbruck haben wir beispielsweise ein großes Angebot an Teststationen. Ich denke, damit können wir das bewältigen und es sollten keine zu großen Nachteile für den Einzelhandel entstehen." Ein PCR-Test gelte 48 Stunden, da könne man zwei Tage einkaufen gehen. Mihm-Zimmermann sieht das anders: "Wenn jemand mit einem PCR-Test kommt, kann ich nach hinten rennen und den Schlüssel fürs Geschäft holen. Aber ich glaube, dass das den Kunden einfach zu blöd ist." Auch Schorer ist nach eigenen Angaben gespannt, wie viele Kunden unter diesen Umständen freiwillig kommen werden. Sie glaubt: "Der Gewinner wird der Online-Handel sein."

© SZ vom 14.04.2021
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