Fürstenfeldbruck Umweltschützer pochen aufs vierte Gleis

2019 wird der S-Bahnhof Buchenau barrierefrei umgebaut. Auch der Mittelbahnsteig wird erhöht. Mehr Gleise aber gibt es nicht.

(Foto: Günther Reger)

Der Bund Naturschutz lehnt einen lediglich dreigleisigen Ausbau der S 4 ab. Den Verlust weiterer ökologisch wertvoller Flächen sei hinnehmbar, sofern dadurch zusätzlicher Straßenbau verhindert werden kann

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Der Bund Naturschutz (BN) verwirft einen dreigleisigen Ausbau der S 4 bis Eichenau als Stückwerk und fordert vier Gleise bis Bruck. "Wir schreien nicht hurra, denn der Flächenverbrauch ist immens. Aber wir müssen vom Autoverkehr weg auf die Schiene", sagt die Kreisvorsitzende Eugenie Scherb. Außerdem fordert der Umweltverband eine Trassenplanung von Pasing bis Geltendorf, um Optionen für die Zukunft offenzuhalten. Damit würde verhindert, dass die Bahn AG Flächen verkauft oder die Bebauung zu nahe an den Bahndamm rückt.

Der Umweltverband ist als Träger öffentlicher Belange aufgefordert, im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung gegenüber dem Eisenbahn-Bundesamt zu einer Vorplanung der DB Netz Stellung zu nehmen. Dieses sogenannte Scoping-Verfahren wurde 2007 schon einmal abgewickelt, damals noch für vier Gleise bis Buchenau. Später warf die bayerische Staatsregierung die Pläne über den Haufen.

Der neue Plan sieht vor, dass zwischen Pasing und Eichenau die S-Bahnen auf den beiden Außengleisen fahren und der gesamte Fern-, Regional- und Güterverkehr auf dem dritten mittleren Gleis abgewickelt wird. "Das führt zu Behinderungen im Gegenverkehr und Verspätungen", warnt Thomas Brückner, der dem Brucker Verkehrsforum und dem BN-Kreisvorstand angehört. Scherb und Brückner bedauern, dass kein minutengenauer Fahrplanentwurf mitgeliefert worden ist, anhand dessen man hätte nachvollziehen können, wie der Verkehr abgewickelt werden soll. Stattdessen greifen die Umweltschützer auf den Taktfahrplan 2030 des Bundesverkehrsministeriums zurück. Demnach würden Züge aus München und Zürich im Abstand von einer Minute durch den Eichenauer Bahnhof fahren und zwei Regionalzüge mit einem Gegenzug kollidieren. Aus diesem Grund fordert der Bund Naturschutz vier Gleise bis Fürstenfeldbruck - und dies in einem Bauabschnitt, weil die Kosten sonst erheblich steigen würden. So müssten Brücken und Bahnhöfe, etwa in Puchheim, Eichenau und Bruck, zweimal umgebaut werden. Dass die Bahn AG auf Gleis 1 in Bruck jetzt erst einmal eine niedrigere Plattform für Regionalzüge bauen soll, kritisiert Brückner als Schildbürgerstreich. Denn die Züge müssten die S-Bahn-Linie kreuzen. Stattdessen müssten nach einem viergleisigen Ausbau zwei höhere Außenbahnsteige für die S-Bahn errichtet werden, der vorhandene Mittelbahnsteig bliebe für Regionalhalte übrig. Ähnlich könnte ein echter barrierefreier Umbau des Puchheimer Bahnhofs aussehen. Dass die Fern- und Regionalzüge in Bruck und Buchenau mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde an den Mittelbahnsteigen vorbeirauschen, lehnt der Bund Naturschutz als Gefährdung der Fahrgäste ab.

Im Bereich von Puchheim und Eichenau wird der Ausbau auf der Nordseite erfolgen, auf einem Teil der Roggensteiner Straße und des Aubinger Weges. Die Umweltschützer würden diesen Schleichweg am liebsten heute schon schließen und später auf dem Reststreifen einen Radweg anlegen. "Es ist wichtig, den Verkehr zu bündeln und nicht zu streuen", so Brückner.

Eine neue S-Bahn-Haltestelle in Emmering lehnt der Bund Naturschutz ab, solange die Strecke zweigleisig ist. Das wäre eine weitere gegenseitige Behinderung von Fern- und Regionalzügen sowie S-Bahn. Es sei topografisch der schwierigste Abschnitt der Strecke und die Haltestelle würde in der dünn besiedelten Unteren Au abseits vom Ortszentrum liegen. "Die Emmeringer haben es mit dem Fahrrad oder dem Bus nicht weiter zum Brucker oder Eichenauer Bahnhof als viele Einwohner dort", sagt Scherb.

Aus Sicht des Naturschutzes fallen einem Ausbau wertvolle Gebiete zum Opfer, der größte Abschnitt liegt in der Aubinger Lohe, dazu im Scharwerkhölzl in Eichenau und an der Emmeringer Leite. "Wir haben uns mühsam durchgerungen, den Ausbau zu fordern, aber nur, um noch mehr Straßen zu verhindern", sagt Scherb. Die Begradigung der Kurven schon für die bestehenden zwei Gleise bei Gut Roggenstein lehnt der Bund Naturschutz ab. Damit würde die Emmeringer Leite noch weiter angeschnitten. Das könnte zu einer Verschärfung bei extremem Hochwasser führen und auch die Bahngleise gefährden.

Wenn schon Ausbau, dann richtig, lautet das Motto des BN. Dazu gehöre eine Vorplanung, die der Komplexität des Problems gerecht werde und künftige Entwicklungen berücksichtige. Das kurzfristige Ziel des BN lautet, den dreigleisigen Ausbau zu stoppen. "Das ist unsere Forderung an die Koalitionsverhandlungen nach der Landtagswahl", sagt Scherb.