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Engagement für Klimawende:Tausche Stromfresser gegen LED

Setzen sich für eine verträgliche Form der "Kernenergie" ein (von links): Josef Seemüller, Ramona Weiß, Gottfried Obermair, Jakob Drexler, Max Keil.

(Foto: Ziel21)

Mit Aktionen wie der Rücknahme von Glühbirnen in Fürstenfeldbruck und Puchheim wirbt Ziel 21 für den Klimaschutz

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Klimawende zu schaffen ist ein Dauerprojekt. Fortschritte sind kurzfristig kaum zu erkennen. Sinken die Kohlendioxid-Emissionen im Landkreis? Schwer zu sagen. Festmachen lässt es sich eher an der Zahl der Windräder, der Elektroautos oder der Passivhäuser. Doch anders als bei den fast schon allgegenwärtigen Fotovoltaikanlagen ist von dem großen Durchbruch im Landkreis nicht viel zu sehen: gerade mal zwei Windräder gibt es, und E-Mobile sind noch Exoten.

Ziel 21 lässt sich davon nicht entmutigen. Ebenso wie Agendagruppen arbeitet der Klimawendeverein auf das Ziel hin, den Landkreis bis 2030 unabhängig von fossilen Energieträgern zu machen. Dafür soll nun noch stärker die Öffentlichkeit mobilisiert und auch über den Verein selbst informiert werden. Zudem sollen mehr Partner-Firmen gewonnen werden, die mit dem neuen Logo werben dürfen, sofern sie klimaschonend arbeiten. Der Mitte Juni gewählte Vorstand mit Gottfried Obermair und seinen beiden Stellvertretern Ramona Weiß und Max Keil gibt sich in seiner ersten Zwischenbilanz zuversichtlich. "Wir schaffen das", sagt Keil augenzwinkernd in Anlehnung an das Merkel-Zitat.

Der vom Landkreis unterstützte Verein hat sich unter Obermair viel vorgenommen. Dass es trotz begrenzter Mittel Fortschritte gibt beim Klimaschutz, und der sich auch noch rechnet, belegt das Beispiel Mammendorf. Ebenso wie Obermair und Keil gehören Johann Thurner (Vorsitzender des Ziel-21-Fördervereins) sowie Jakob Drexler sowohl dem Verein als auch dem Kreistag an. Dort haben sie maßgeblich für das jüngst beschlossene Projekt geworben, das Mammendorfer Freibad mit einer 50-Kilowatt-Fotovoltaikanlage auszurüsten. Herrscht Hochbetrieb in dem Bad, dann wird viel Strom für Pumpen und Küchengeräte benötigt - die jährliche Stromrechnung belief sich denn auch auf 50 000 Euro. Weil Tage mit hohen Besuchszahlen wenig überraschend mit Sonnentagen korrelieren, können große Teile des Bedarfs bald selbst gedeckt werden. Teurer Speichertechnik bedarf es dabei ebenso wenig wie einer mittlerweile kaum noch rentablen Einspeisung ins Netz. Auch fürs Laden von Pedelec-Akkus soll noch genügend selbst produzierter Strom übrig bleiben.

Ziel 21 setzt zudem auf den Bau weiterer Windräder, prüft zurzeit das Potenzial von Geothermie-Fernwärmenetzen im Landkreis und berät über den Einsatz von Wärmepumpen, Fotovoltaikanlagen, Wärmedämmung und entsprechende Förderprogramme. Vertreten sein wird der Verein mit eigenen Ständen auf der Elektromobilitätsmesse E-Ruda am Wochenende im Veranstaltungsforum ebenso wie auf dem Puchheimer Ökomarkt am Sonntag. In Fürstenfeld startet die E-Bike-Rundfahrt von Ziel 21 zu den "Energiewende-Schauplätzen" im Landkreis. Ebenso wie in Puchheim wird am Stand des Vereins eine herkömmliche Glühbirne gegen eine sparsame LED-Birne ausgetauscht.

In Puchheim steht vor allem der Bioabfall im Blickpunkt. Im dicht besiedelten Landkreis sei der Bau einer zentralen Verwertungsanlage sehr sinnvoll, sagt Ziel-21-Pionier Josef Seemüller. Aus einer Tonne Bioabfall ließen sich 540 Kilowattstunden erzeugen und in Form von Biomethan ins Erdgasnetz einspeisen. 30 000 Tonnen jährlich seien realistisch. Voraussetzung wäre aber die Einführung der Biotonne. Dann könnte Küchenabfällen oder Grüngut erst die Energie entzogen werden, bevor sie als Kompost dienen. Das, da ist sich der Ziel-21-Vorstand sicher, wäre ein großer Beitrag zur Klimawende im Landkreis.

© SZ vom 21.09.2016
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